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Blick auf den Grund des Mains

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Bei Peilleiter Marcel England laufen alle gesammelten Daten zusammen.
Bei Peilleiter Marcel England laufen alle gesammelten Daten zusammen. © Frank Sommer

Das Vermessungsschiff Johannes Kepler sammelt regelmäßig Daten vom Boden des Flusses. Das Schiffahrtsamt garantiert eine Mindesttiefe von 2,8 Metern und eine Breite von 40 Metern. Sind die nicht gegeben, muss der Bagger anrücken.

Solange alles Blau angezeigt wird, ist alles gut. „Dann ist die Wassertiefe in Ordnung“, sagt Marcel England. Der 30-Jährige ist Vermessungstechniker auf dem Flächenpeilschiff (FPS) Johannes Kepler, das auf dem Main und der Donau unterwegs ist und die Flüsse vermisst.

Am Dienstag war die Kepler mit Kapitän Sascha Friedrich, Matrose Michael Ohmer und dem Peilleiter Marcel England bei Offenbach unterwegs. „Wir sammeln zwischen den Schleusen Mühlheim und Offenbach Daten vom Grund des Mains“, sagt Gerhard Schraut-May, Leiter der Gewässervermessung vom Schifffahrtsamt Schweinfurt.

Jedes Jahr werden beide Flüsse abgefahren und durch Peilung Fahrrinnentiefe und -breite bestimmt. „Das Schiffahrtsamt garantiert eine Mindesttiefe von 2,8 Metern und eine Breite von 40 Metern“, sagt Schraut-May. Zeigen die Messdaten, dass diese unterschritten werden, müssen die Bagger anrücken und wieder ausreichend Platz für die Schiffahrt schaffen.

Zusätzlich gibt es alle zwei Jahre eine Mehrzweckpeilung, die weitere Daten liefert, etwa über die Beschaffenheit des Uferrandes. Diese werden auch den jeweiligen Kommunen zur Verfügung gestellt. „Damit erhalten wir neue Angaben zur Tiefe des Hafenbeckens“, sagt Hans-Peter Bicherl vom Offenbacher Vermessungsamt.

Fünf Flusskilometer pro Tag

Damit diese Daten aber vorliegen, ist Geduld gefragt. Pro Tag kann das Schiff einen Abschnitt von fünf Kilometern vermessen, immer wieder fährt es die Strecke auf und ab. Eine Woche lang wird täglich fast ein Gigabyte Daten gesammelt, in der folgenden Woche werden diese im Schifffahrtsamt ausgewertet. Deshalb gibt es zwei Crews, die sich wöchentlich auf dem Schiff abwechseln.

„Die besten Messergebnisse gibt es bei acht Stundenkilometern Fahrtgeschwindigkeit“, sagt Schraut-May. Alle 1,2 Zentimeter erfolgt eine Messung mit Echolot, fünfzehnmal in der Sekunde werden über 750 Punkte am Flussgrund erfasst und zu den zwei Rechnern an Bord geschickt.

Gemächlich fährt das Schiff am Isenburger Schloss und an Bürgel vorbei. Von der Schönheit des Mainbogens bekommt England wenig mit, sein Blick wandert zwischen den fünf Bildschirmen auf seinem Schreibtisch hin und her. Hier werden die gesammelten Daten visualisiert, ständig ändern sich Diagramme und Zahlenkolonnen. Auf einem der Bildschirme werden die Messdaten zu einem 3D-Modell zusammengefasst: In dunklem Blau sind die tiefsten Stellen dargestellt, je höher es geht, desto mehr ändern sich die Farben hin zu Gelb oder Rot. „Bei Rot besteht sofort Handlungsbedarf“, sagt England.

Hin und wieder ist auf der blau dargestellten Flusssohle ein roter Fleck zu sehen. „Das könnte ein Auto sein“, sagt England. Im Fluss liege viel Schrott. Vor zwei Jahren ortete die Kepler gleich fünf Autos zwischen Offenbach und Hanau.

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