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Bau der Biogasanlage liegt auf Eis

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Von: Christoph Manus

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Wird es in Rodgau so schnell nicht geben: eine Biogasanlage wie diese in Karben.
Wird es in Rodgau so schnell nicht geben: eine Biogasanlage wie diese in Karben. © Martin Weis

Den Plänen von Landwirt Stefan Wolf, auf dem ehemaligen HR-Gelände eine Biogasanlage zu bauen, hat das Rodgauer Stadtparlament jetzt ein vorläufiges Ende bereitet. Die Stadtverordneten haben eine Veränderunssperre für das Areal erlassen. Eigentümer Wolf will notfalls klagen.

Die fast 50 zum größten Teil aus Rembrücken stammenden Menschen, die am Montagabend vor der Sitzung des Rodgauer Stadtparlaments auf Transparenten eindringlich gegen den geplanten Bau einer Biogasanlage im Nordwesten Rodgaus warnten, dürfte es freuen. Dass die Stadtverordneten mit Stimmen der Kooperation aus SPD, Grünen, FDP und Freien Wählern sowie der Linken am Montagabend eine Veränderungssperre für das Areal erließen, wirft die Pläne des Weiskircher Landwirts Stefan Wolf für das frühere HR-Gelände zumindest zurück.

Der Parlamentsmehrheit geht es allerdings weniger um die Verhinderung einer Biogasanlage als um die Verwirklichung eigener Vorhaben. Sie braucht das Areal als Ausgleichsfläche für die Entwicklung neuer Baugebiete. Deshalb hatte sie über die Hessische Landgesellschaft auch für das Gelände geboten. Wolf, der dem Vernehmen nach 1,2 Millionen Euro zahlte, genau das Doppelte des von der Stadt offerierten Preises, erhielt jedoch den Zuschlag.

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Der Landwirt zeigte sich im Gespräch mit der FR gestern trotz des Beschlusses zuversichtlich, in Gesprächen mit der Stadt noch eine Lösung zu erzielen. Er bietet an, ihr Ökopunkte zu verkaufen. „Wenn keine Bewegung reinkommt, werde ich klagen müssen“, kündigte das Mitglied des Weiskircher Ortsbeirats aber an. Die Bedenken von Anwohnern, die unter anderem eine Geruchsbelästigung befürchten, will Wolf in einer Infoveranstaltung über die geplante Biogasanlage ausräumen.

Scharfe Kritik am Vorgehen von Magistrat und Kooperation hatten CDU und der Wählerverein Zusammen mit Bürgern (ZmB) am Vorabend im Stadtparlament geäußert. Die Angelegenheit werde „einmal ins Lehrbuch eingehen, wie eine Stadt mit ihren Bürgern umgehen soll“, empörte sich Anette Schweikart-Paul (CDU). Der Landwirt habe auf eine Ausschreibung des Hessischen Rundfunks hin geboten, dieser ihm den Zuschlag erteilt. Was der Magistrat nun, „in einer Art Beleidigtsein“, vorschlage, sei undemokratisch und falsch. „Es gibt keinen Grund, für Ökopunkte einen Eigentümer zu enteignen“, sagte sie.

Norbert Löw (ZmB) nannte es „nicht erklärlich“, wieso man das Risiko einer gesetzlichen Auseinandersetzung suche. „Wir drohen hier mit dem dicken Knüppel der Enteignung“, kritisierte er.

„Es ist nicht unser Ziel, irgendjemanden zu enteignen“, sagte dagegen Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD). Ansinnen der Stadt sei es, Ausgleichsflächen zu schaffen – „nicht mehr und nicht weniger“. Und das Areal sei das größte, das die Stadt dafür in Rodgau zur Verfügung haben könne. Eine Enteignung sehe er nicht, sagte auch FDP-Fraktions-chef Heino Reckließ. „Am Ende des Tages wird man sich auf irgendwas einigen.“

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