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Der renommierte Rodgauer Künstler Friedhelm Meinaß vor seinen Kunstwerken.

Rodgau

Dick aufgetragen

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Friedhelm Meinaß malt „dreidimensional“ / Auch als Musiker unterwegs.

Friedhelm Meinaß trägt ausgesprochen dick auf – und doch liegt ihm nichts ferner als große Sprüche zu klopfen. Nur wenn er zum Pinsel greift, wird er verschwenderisch. Dann türmt sich die Ölfarbe auf seinen Leinwänden, bildet Berge und Furchen, lässt seine abstrakten Naturmotive dreidimensional erscheinen. Der Wahl-Rodgauer ist nicht nur künstlerisch für Überraschungen gut.

„Ich bin eher zurückhaltend“, sagt er von sich selbst. Dabei könnte er die Nase durchaus hoch tragen. Schließlich haben schon Größen aller Musikgenres auf seine Künste gesetzt. Rund 400 Plattencover hat er für national und international bekannte Musiker gestaltet. Meinaß nennt Gruppen wie The Birds und The Clash, spricht aber auch von Bob Dylan, Johnny Cash, Billy Joel, Albert Hammond, Wolf Biermann – und fast schon ein bisschen verschämt von den Oberkrainern sowie Marianne & Michael.

Ganz besonders stolz ist er auf eine LP, die er für die Nina Hagen Band gestaltet hat und die im Deutschen Historischen Museum in Berlin hängt. „Das ist ein außergewöhnliches Cover“, sagt er. „Fast ein bisschen punkmäßig. Wenn du einmal in der Szene drin bist, wirst du von einem zum anderen empfohlen“, begründet er die Popularität, die er in Musikerkreisen genossen hat. Ein Geschäft, das seinerzeit lukrativ war – und heute keinen Pinselstrich mehr wert ist: „Als die CD’s kamen, waren die Cover für Sänger und Musiker zweitrangig, weil sie allein mit dem CD-Verkauf nicht mehr genug verdienen.“

Dass Weltstars aus der Musikszene auf ihn gesetzt haben, mag wohl auch an seiner zweiten Passion liegen: „Fast zu 40 Prozent bin ich Rock- und Bluesmusiker“, sagt der 66-Jährige. Fast den ganzen Tag habe er die Gitarre umhängen. Dass das für den neutralen Betrachter im völligen Widerspruch zu seinen dreidimensionalen Naturmalereien steht, will er nicht gelten lassen. „Sehr oft macht der Maler auch Musik oder der Musiker malt“, sagt er, und gibt zu, dass er am allerliebsten Rock’n‘Roll hört. „Da zuckt es mir in den Beinen.“

Fehlt es dem dreifachen Familienvater, der bis vor fünf Jahren in Frankfurt gelebt und seine Brötchen verdient hat, in Rodgau nicht an musikalischer Inspiration? Meinaß schüttelt den Kopf. „In Rodgau gibt es eine ganz große Musikerszene, die auch die Frankfurter anzieht“, hat er herausgefunden. Er fühle sich in der Stadt sehr wohl, habe mit seiner Familie in einem Häuschen im Grünen sofort Wurzeln geschlagen. Er engagiert sich auch musikalisch in seiner Wahlheimat: Am 13. Juli ist er bei der „Waldkunst“ dabei, eine Veranstaltung, die vom Kulturpreisträger Gerd Steinle veranstaltet wird und bei der mehr als 20 Künstler zusammenkommen. Meinaß spielt das „pentatonische Experiment“: Fünfton-Musik, zunächst auf der zwölfseitigen Gitarre und dann als reines Blues-Stück.

In der Malerei sind es die Bäume, die es Meinaß in der Hauptsache angetan haben – auf kleinen, aber auch sehr großformatigen, dreiteiligen Bildern. Dass die Stämme auf allen Kunstwerken fast knochig wirken, liegt an seiner Maltechnik: Er trägt die Ölfarbe sehr dick und pastös auf. „Ölfarbe kann man ziehen; dann bleibt sie stehen“, erklärt er. Sie hat einen Nachteil: Sie ist teuer. Deshalb arbeitet Meinaß hin und wieder mit Acrylfarben.

Vor allem bei Auftragsarbeiten verwendet er diese Farben. „Mit Auftragsarbeiten verdiene ich meinen Lebensunterhalt“, sagt der freischaffende Künstler, der einst an die Hochschule für Design in Darmstadt zum Professor berufen wurde und auch Privatunterricht im Malen gibt. Sein Talent wird mittlerweile bevorzugt zur Ausgestaltung von Foyers und Bürogebäuden nachgefragt.

In Acryl ist etwa die Skyline von Frankfurt entstanden – in drei mal 1,50 Metern Größe. Die Nordfassade des Stadttheaters Koblenz hat er gestaltet, im Eingangsbereich der Firma Deinhardt in Koblenz hängen große Weinmotive von ihm. „Ich habe immer als einer der Wenigen Bilder verkauft“, sagt er, so dass er gut von seiner Kunst leben könne. „Das ist ein Privileg.“ Die Mund-zu-Mund-Propaganda und sein Renommee als Künstler – er malt seit Ende der 60er Jahre – machen es ihm leicht. Da wundert es nicht, dass er sogar bei Auftragsarbeiten Freiheiten genießt: „Ich bekomme nicht gesagt, was ich machen soll, sondern kann mir die Motive aussuchen.“

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