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David Sieveking an der HfG Offenbach.
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David Sieveking an der HfG Offenbach.

Offenbach HfG

Bilder gegen die Angst

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Demenz erarbeitet sich in einer zunehmend alternden Gesellschaft den Status einer Volkskrankheit. Die Studierenden der Hochschule für Gestaltung in Offenbach wollen den alten Klischees neue Bilder entgegensetzen.

Es ist ein Satz wie aus einer Aphorismen-Sammlung. „Die Demenz wartet nicht auf einen Drehplan“, sagt David Sieveking. Wer wüsste das besser als er. Anderthalb Jahre begleitete der Regisseur seine demenzkranke Mutter, Gretel Sieveking, mit der Kamera. So entstand sein viel beachteter Dokumentarfilm „Vergiss mein nicht.“. Noch bevor der Film im November 2012 in die Kinos kam, starb Gretel Sieveking.

An diesem Dienstagmorgen wird Gretel Sieveking noch einmal lebendig. Zumindest im übertragenen Sinne. Ausschnitte aus „Vergiss mein nicht“ flackern über die Wand des Seminarraums in der Hochschule für Gestaltung (HfG). Sie zeigen eine Frau, die sich trotz aller geistigen Verwirrung einen entwaffnenden Charme bewahrt hat. Etwa 30 Studierende beobachten das Geschehen gebannt. Manchmal müssen sie schallend loslachen, manchmal hört man jemanden „oh mein Gott!“ flüstern. Sie sehen Bilder einer Krankheit, die so gar nichts mit den üblichen Klischeevorstellungen zu tun haben. Und letztlich wollen sie genau das auch selbst schaffen: Neue Bilder für Demenz.

„Es gibt keine Konzepte dafür, wie wir mit Demenz umgehen wollen“, sagt Judith Borgwart, Geschäftsführerin der Stiftung „Pflegezukunft gestalten“, es gibt immer nur Schreckensbotschaften.“ Demenz erarbeitet sich in Zeiten einer zunehmend alternden Gesellschaft allmählich den Status einer Volkskrankheit. Doch die Rezeption dieses Phänomens verbreitet aus Sicht der Stiftung „Pflegezukunft gestalten“ mehr Angst als Aufklärung. Die HfG-Studierenden wollen dem etwas entgegensetzen. Neue Bilder statt alter Klischees.

Bis Dezember läuft der Stiftungs-Wettbewerb. Zusammen mit Professor Eike König vom Fachbereich visuelle Kommunikation sollen Werke entstehen, welche die Belastung, die eine Demenzerkrankung für Betroffene und ihr Umfeld bedeutet, nicht ausklammert, aber dennoch heiter sein dürfen. Typische Kommunikationssituationen zwischen Alzheimer-Erkrankten und ihrem Umfeld sind der Ausgangspunkt für die künstlerische Arbeit. Als Inspiration soll neben Sievekings Film auch „Alzheimer – Das Erste-Hilfe-Buch“ von Margot Unbescheid dienen.

Preisgelder in Höhe von 40000 Euro

„Wir wollen das Thema spielerischer angehen. Wir wollen Angst nehmen“, betont Judith Borgwart. Die ganz Jungen versucht die Stiftung bereits mit einem Schreib-Wettbewerb unter dem Motto „Wenn ich einmal alt bin und nicht mehr so kann wie heute“ für das Thema Demenz zu sensibilisieren. Die Werke aus dem Kunstwettbewerb richten sich dagegen speziell an Angehörige. „Unsere Zielgruppe sind diejenigen, die gerade erfahren, dass ein Verwandter erkrankt ist.“ Insgesamt werden Preisgelder in Höhe von 4000 Euro vergeben.

So werden sich wohl gut zwei Dutzend Studierende in den kommenden Monaten mit dem Thema auseinandersetzen. Menschen in ihren Zwanzigern, die vermutlich einige Jahrzehnte haben, bis sie mit dem Thema direkt konfrontiert werden. Als „Erwachsenwerden hoch zehn“ hat Regisseur Sieveking seine Erfahrung beschrieben.Vielleicht ist dieser Wettbewerb für einige der erste Schritt dazu.

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