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Es ist genug für alle da: Die Tanks können 40, 80 und 120 Hektoliter (12 000 Liter) fassen.

Glaabsbräu

Auf ein Bier in Seligenstadt

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Seit mehr als 275 Jahren braut Glaabsbräu in Südhessen. Mit einem Grüne-Soße-Bier setzen die Brauer auf Innovation

Bier und Milch haben eigentlich nicht viel gemeinsam. Das eine berauscht, das andere ist gut für die Knochen. Und doch haben beide Getränke eine Gemeinsamkeit: Frisch gezapft beziehungsweise gemolken schmecken sie am besten.

„Mit Bierzapfen ist es wie bei der Kuh“, sagt Lisa Marschalek von der Seligenstädter Brauerei Glaabsbräu. Wobei sie für ihr Metier lieber von „zwickeln“ spricht. So heißt es im Fachjargon der Brauer, wenn sie den Gerstensaft frisch aus dem Tank lassen. Trüb, ungefiltert und kühl schäumt das Bier in den Krug hinein. Ausgeschenkt wird hier schon seit mehr als 275 Jahren, Glaabsbräu ist die älteste Brauerei in Südhessen.

Besucher „zwickeln“ sich ein Bier aus dem Tank.

Bei einem Gang durch das Anwesen erfährt der Besucher, was sich seit den Anfängen des Familienunternehmens alles getan hat. Im Keller hängen historische Aufnahmen, auf denen zu sehen ist, wie die Familie Glaab vor Generationen Bier gebraut hat: mit Eis, das im Winter aufwendig aus einem Weiher gestochen werden musste, um der entstehenden Temperaturen beim Gären Herr zu werden. „Deshalb konnte früher auch nur in einer bestimmten Zeitspanne gebraut werden“, erklärt Marschalek. Und deshalb sind die Kellerwände auch meterdick, sodass es in den Räumen unterhalb der Brauerei angenehm kühl ist. An einer der Wände hängt der Plan jenes Altbaus von 1911, der heute nicht mehr zum Brauen genutzt wird. Inzwischen hat ein moderner Neubau es abgelöst, doch einst setzte das Brauhaus Maßstäbe, sagt Marschalek: „Für damalige Verhältnisse ein sehr großes Gebäude, dessen Bau sehr viel Mut brauchte.“ Schließlich mussten die Glaabs viel Geld in die Hand nehmen – ein Risiko, weil nicht absehbar war, ob es sich auszahlen würde.

Die Geschichte meinte es aber gut mit dem Familienunternehmen, das sich mit dem heute betriebenen Brauhaus erst vor vier Jahren auf neue Füße stellte. Ein schmaler Gang führt vom Keller ins neue Gebäude. Fast wie unbenutzt glänzen dort die Tanks und Braukessel um die Wette. „Die einzelnen Tanks haben ein Fassungsvermögen von bis zu 12 000 Litern“, sagt Marschalek.

An einer Infotafel, die an einer der Wände in der weißgefliesten Brauhalle hängt, erklärt sie, welche Zutaten zum Bierbrauen benötigt werden – und ab wann ein Bier nicht mehr Bier mehr genannt werden darf, weil es gegen das deutsche Reinheitsgebot verstößt. „Für helles und dunkles Bier brauchen wir Wasser mit unterschiedlichen Härtegraden.“ Auch Malz ist nicht gleich Malz. „Für dunkles Bier wird es besonders lange gedarrt“, erzählt Marschalek. Dann heißen die getrockneten Getreidekörner „Chocolate malt“ und schmecken bitter, aber lecker – auch wenn sie freilich nicht zum Rohverzehr gedacht sind, sondern in den Braukesseln landen.

Zwischen den riesigen Tanks sticht ein raketenartiges Behältnis heraus. „Das ist unsere Hopgun“, sagt Marschalek, also die Hopfenpistole. „Die stopfen wir mit Hopfen voll und schießen dann das Bier hindurch in den Tank“. Auf diese Weise erhalte das Bier eine besondere Hopfennote. Das gleiche Prozedere wenden die Seligenstädter Brauer auch bei ihrer neuesten Kreation an: dem Grüne-Soße-Bier.

Was klingt wie ein Gag, ist ihnen ernst: Statt Hopfen wird die Pistole mit den sieben Kräutern der Grünen Soße gestopft – die Hopgun wird quasi zur Green-Sauce-Gun. „Nur ‚Bier‘ darf das dann nicht mehr genannt werden.“ Sieben Kräuter sieht das Reinheitsgebot nicht als Zutaten vor.

Deutsches Reinheitsgebot hin oder her: Um auf dem Markt interessant zu bleiben, muss man eben auch mal Fünfe gerade sein lassen. Nur die Sieben bei den sieben Kräutern nicht. Erst recht nicht im Frankfurter Einzugsgebiet, dem sich Glaabsbräu schließlich in der Hauptsache verpflichtet fühle.

Verlosung

Die FR verlost eine exklusive Führung durch die Brauerei Glaabsbräu in Seligenstadt am 1. August, um 16 Uhr. Wer erfahren möchte, worauf es dem Familienunternehmen beim Bierbrauen ankommt, wie das Bier in die Flasche kommt und auch mal testen möchte, wie das Bier der ältesten Brauerei in Südhessen schmeckt, registriert sich auf https://fr.de/gewinnspiel. Das zuge-hörige Losungswort lautet „Glaabsbräu“. Wenn Sie nicht alleine kommen möchten, fügen Sie direkt an das Losungswort +2 an, wenn Sie etwa mit zwei Personen zusätzlich kommen möchten. In dem Fall kämen Sie zu dritt. Insgesamt können 30 Personen gewinnen. Einsendeschluss ist der 27. Juli. Die FR informiert nur die Gewinner.

Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

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