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Setareh Alipour (l.) und Zino Peterek kuratieren die Ausstellung Racist Traces im Büsingpark.
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Setareh Alipour (l.) und Zino Peterek kuratieren die Ausstellung Racist Traces im Büsingpark.

Offenbach

Betroffenen von Rassismus eine Stimme geben

  • Timur Tinç
    VonTimur Tinç
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Die Ausstellung von Fotograf Zino Peterek „Racist Traces“ im Offenbacher Büsingpark zeigt Porträts von Menschen, die Erfahrungen mit Rassismus machen mussten.

Der rassistische Terroranschlag in Hanau. Der gewaltsame Tod von George Floyd. Die anschließenden Proteste der Black-Lives-Matter-Bewegung. Die Behördenskandale in Hessen. All das hat Zino Peterek Anfang des vergangenen Jahres stark beschäftigt. „Ich wollte etwas zum Diskurs beitragen“, erzählt der Fotograf. Als Weißer, der keine Erfahrungen mit Rassismus im Leben gemacht hat. Herausgekommen ist das Ausstellungsprojekt „Racist Traces“ in Zusammenarbeit mit Kuratorin Setareh Alipour, das an diesem Samstag im Offenbacher Büsingpark von 16 bis 19 Uhr zu sehen ist.

Acht große Porträtfotos werden an Bäumen hängen. Auf der Rückseite sind die Rassismuserfahrungen der Personen nachzulesen. Ein Betroffener wird am Samstag selbst vor Ort sein. Es wird eine kleine Bühne geben auf der auch die SPD-Stadtverordnete Hibba Kauser, die selbst aktiv in der Black-Lives-Matter-Bewegung ist, sprechen wird. Zudem wird es ein paar Getränke geben.

Bene erzählt am Samstag seine Geschichte.

„Vieles ist als Außenstehender nicht greifbar, andere Geschichten hauen einen total um“, findet Peterek. Die Geschichten erzählten Erlebnisse aus dem Alltag. Was für manche nur ein dummer Spruch ist, ist für andere etwas, das tief sitzen bleibt und jemanden psychisch belastet. Deshalb sollte man seine Schubladen und sein eigenes Handeln hinterfragen, fordert Peterek. Mit der Kamera und seiner Ausstellung will er die oftmals als Einzelfälle abgetanen Situationen darstellen; und den Menschen eine Stimme geben.

Arbeit nicht abgeschlossen

„Was Zino macht, ist total zeitgemäß“, findet Alipour. Als die 26-Jährige die Bilder im März im Onlinemagazin Vice gesehen hat, hat sie sich kurzerhand bei Peterek gemeldet. „Ich war ohnehin dabei, mir Förderungen für andere Projekte anzuschauen und bin dann auf das Programm ,Demokratie leben‘ gestoßen“, erzählt Alipour. Die Förderung wurde genehmigt, dann konnte es in die Ausstellungsplanung gehen.

Ursprünglich war Zino Peterek erst einmal nur auf Spurensuche gegangen. Er hat NSU-Tatorte und Kolonialdenkmäler besucht. Er war in Mörfelden-Waldorf, wo eine NS-Gedenkstätte geschändet worden war. Und er hat sich mit vielen Menschen im Rhein-Main-Gebiet getroffen, sie fotografiert und sie ihre Geschichte erzählen lassen. „Es war zu breit im fotografisch-visuellen Kontext. Ich musste es ein bisschen bündeln und es greifbar machen“, erzählt Peterek, der in Darmstadt Kommunikationsdesign mit Schwerpunkt Fotografie studiert hat. Seine Diplomarbeit „beyond the fence“ – jenseits des Zauns – beschäftigte sich mit der Gentrifizierung im Ostend im Zusammenhang mit dem Bau der Europäischen Zentralbank (EZB).

Zu diesem Zeitpunkt war Alipour in einem leerstehenden Gebäude für eine künstlerische Zwischennutzung auf der Hanauer Landstraße tätig. „Dort ging es darum, das Viertel mit Kultur aufzuwerten“, erzählt die Künstlerin. So hat sie auch Peterek kennengelernt. Den Büsingpark haben die beiden in erster Linie wegen der Pandemie gewählt, da es nach wie vor schwierig ist, Ausstellungen in Innenräumen zu organisieren. „Es ist ein niedrigschwelliger Zugang, man muss sich nur registrieren“, sagt Alipour. Der Ausstellungsort wird am Samstag, so die Vorgabe, mit Absperrbändern umgeben sein. Er hofft, dass er die Ausstellung in naher Zukunft auch über einen längeren Zeitraum zeigen kann. „Ich sehe meine freien Arbeiten nicht als abgeschlossen an“, sagt Peterek. Er sei offen dafür, noch weitere Menschen zu treffen und ihre Rassismuserfahrungen zu erzählen. Leider gibt es von ihnen genügend.

Die Bilder und Geschichten gibt es auch auf Instagram zu sehen.

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