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Beschränkt begehrt

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Von: Danijel Majic

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Die Offenbacher City ist zweigeteilt – ein Teil ist beim Einzelhandel beliebt, der andere wird verschmäht

Giovanni und Antonia Membola stehen auf Gold. Golden leuchten die schalenförmigen Kronleuchter von der Decke. Gold schimmert durch das Rot, das eine Wand ihres künftigen Restaurants bedeckt. Die andere Wand haben sie gleich ganz in der Farbe des Edelmetalls gestrichen. „Zwei Wochen noch, vielleicht drei“; dann, so Giovanni Membolas Hoffnung, soll an der Ecke Frankfurter Straße/Kaiserstraße nichts mehr an die Baustelle erinnern. Im La Corona sollen Spezialitäten aus der italienischen Region Region Apulien auf der Speisekarte stehen. Bis dahin wird auch der Schriftzug der BB Bank an der gläsernen Eingangstür verschwunden sein. Und mit etwas Glück gehört ein weiteres Stück Leerstand in der Offenbacher Innenstadt der Geschichte an.

Es scheint aufwärts zu gehen rund um die Fußgängerzone. „Einige positive Trends“, möchte Birgitt Möbus vom City-Management bereits ausgemacht haben. Die Leerstandszeit habe sich bei den meisten Objekten deutlich verkürzt. Das La Corona ist nur ein Beispiel. Im Geschäftshaus Marktplatz Offenbach (GMO), dem ehemaligen Kleider-Frei, soll sich zum Hauptmieter – der Wohnaccessoire-Kette Depot – demnächst ein Fast-Food-Restaurant gesellen. Damit endet ein Leerstand, der beinahe ein Jahr andauerte, nachdem der Vormieter, eine Filiale der Sportwarenkette Intersport, Insolvenz anmelden musste.

Es sind kleine Erfolge, die nicht zuletzt mit der Fertigstellung der Fußgängerzone und der Eröffnung des Einkaufszentrums KOMM vor vier Jahren in Zusammenhang stehen. Durch die Erhöhung der Besucherfrequenz ist die Innenstadt für den Einzelhandel deutlich attraktiver geworden. „Wir haben das Gefühl, dass wir die Leerstände relativ schnell vermietet bekommen“, sagt Peter Bauer Mitglied im Vorstand des Gewerbevereins Treffpunkt Offenbach. Doch wie schnell Gewerbeflächen vermietet sind, sagt allein wenig über Qualität und Dauerhaftigkeit der Nutzung aus.

Die hohe Fluktuation bleib ein Wesensmerkmal der Offenbacher Innenstadt. „Was den Einzelhandel angeht dominieren hier natürlich die Ketten“, gibt Bauer zu bedenken. Und so gut die Entwicklung im Kernbereich sein mag, außerhalb der attraktiven A-Lage in der Fußgängerzone gibt es noch einigen Leerstand.

Etwa 20 Objekte sind laut City-Management derzeit ohne Mieter, wobei ein Objekt durchaus mehrere Ladenlokale umfassen kann. Oft sind es ältere Immobilien, die den Ansprüchen speziell von Filialisten nicht mehr genügen. Das City-Management bemüht sich um Abhilfe, unterhält seit Jahren eine Flächendatei, um Anfragen möglicher Investoren gezielt beantworten zu können. Die aber konzentrieren sich zumeist auf eben jene A-Lage an der Frankfurter Straße zwischen Alice- und Markt-Platz, die eh schon komplett vermietet ist.

Theoretisch könnte die begehrte A-Lage bereits größer sein, zumindest um den Abschnitt zwischen Alice-Platz und Kaiserstraße. Doch da gibt es ein Problem, ein Dauerproblem, um genau zu sein: Die City-Passage. Das Ladenzentrum aus den 70ern hat bis auf einen Metzger und eine Spielothek keine festen Mieter mehr. Der lang geplante Abriss und Umbau des „städtebaulichen Schandflecks“ – wie der Bau in der Stadtpolitik gerne tituliert wird – lässt seit Jahren auf sich warten (siehen unten). „Das steht einer Ausweitung der A-Lage natürlich im Weg“, erklärt Birgitt Möbus.

Ein anderes oft angeführtes Hindernis sind Ein-Euro-Läden, Call-Shops und Spielotheken im weiteren Kernbereich der Innenstadt. Die FDP im Offenbacher Rathaus möchte diesen am liebsten per Bausatzung zu Leibe rücken. Ein Vorgehen, das Gewerbevereins-Vorstand Bauer skeptisch betrachtet. „Ich finde auch, dass wir mehr als genug dieser Läden haben. Das Problem aber sollte man mit Augenmaß angehen.“ In jedem Fall bleibt die Innenstadt auch in den kommenden Jahren in Bewegung. Auch wenn noch nicht ganz klar ist, wohin die Reise geht.

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