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Hibba Kauser und Wolfgang Malik wollen weiter nah an den Menschen dran bleiben, die sie gewählt haben.
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Hibba Kauser und Wolfgang Malik wollen weiter nah an den Menschen dran bleiben, die sie gewählt haben.

Offenbach

Belohnung für großes Engagement

Hibba Kauser (SPD) und Wolfgang Malik (Grüne) sind bei der Wahl weit nach oben kumuliert worden und werden erstmals in der Offenbacher Stadtverordnetenversammlung sitzen.

Hibba Kauser (SPD) und Wolfgang Malik (Grüne) sind sich in den vergangenen Jahren häufiger über den Weg gelaufen. Auch wenn sie aus unterschiedlichen Parteien und Generation kommen, gehen sie für die gleichen Themen auf die Straße. Demonstrationen gegen Rechtsextremismus und gegen Rassismus, für echte Veränderungen in der Klimapolitik oder Kundgebungen am 1. Mai. „Früher waren es die üblichen Verdächtigen“, sagt Malik, 62 Jahre alt. Durch die junge Generation sei ein neuer Elan da. „Die Älteren unterstützen uns, wenn wir wieder etwas ungeduldig sind“, sagt Kauser, 21 Jahre.

Es ist dieses Engagement – zumal es bei weitem nicht das einzige ist –, das in der Offenbacher Bevölkerung ankommt. Bei der Kommunalwahl sind beide auf den zweiten Platz ihrer Parteilisten hochkumuliert worden. „Ich konnte es erst gar nicht realisieren“, sagt Kauser, die auf Listenplatz vier angetreten war. Exakt 20 624 Stimmen hat sie erhalten und damit die zweitmeisten hinter SPD-Spitzenkandidat und Oberbürgermeister Felix Schwenke (27 941). „Es zeigt mir, dass sich etwas verändern muss“, sagt Kauser, die Philosophie und Geschichte auf Gymnasiallehramt studiert.

Malik ist sogar von Platz sechs auf zwei geklettert. „Mir haben viele gesagt, dass sie nicht die Grünen, aber mich gewählt haben“, sagt er. Das hat in erster Linie mit seiner jahrzehntelangen Arbeit als Jugendsozialarbeiter im Nordend zu tun. Als Quereinsteiger landete er 1978 in der offenen Jugend- und Integrationsarbeit und leitete bis vor kurzem das JUZ Nordend. Er ist Präsident des Boxclubs Nordend, der weit über die Stadt hinaus bekannt ist. Außerdem sitzt er im Expertenrat der Industrie- und Handelskammer (IHK) für Bildung und Fachkräfte. Seit 2011 gibt er zusammen mit seiner Frau Petra Baumgardt das Offenbacher Stadtmagazin „Mut und Liebe“ heraus. Kurzum, Malik ist in Offenbach bekannt wie ein bunter Hund und engagiert sich vielfältig für seine Stadt.

Auch seine Behinderung bremst ihn dabei nicht aus. Er leidet an Morbus Bechterew, einer chronisch entzündlichen Rheuma-Erkrankung, die Rücken und Becken beeinträchtigt. Anfang des Jahres ist Malik in den Vorruhestand gegangen, eine Voraussetzung, um für die Stadtverordnetenversammlung zu kandidieren. Als städtischer Mitarbeiter durfte er das nicht. Bei den Grünen war Malik viele Jahre lang Sprecher des Kreisvorstands; diesen Posten wird er aber abgeben, um sich ganz auf seine neue Aufgabe konzentrieren zu können.

Hibba Kauser wollte eigentlich gar nicht in die Politik gehen. „Ich sehe mich immer noch nicht als Politikerin, sondern als Aktivistin, die versucht, politisch Einfluss zu nehmen“, sagt die Juso-Vorsitzende. Sie habe es trotzdem gemacht, weil ihr die Diversität in der Stadtverordnetenversammlung fehle und gerade junge Menschen eine Inspiration brauchten. „Jemand muss einen Schritt voranmachen, dann werden andere folgen.“

Hibba-Tun-Noor Kauser, wie sie mit vollem Namen heißt, wurde in einer Flüchtlingsunterkunft in Brandenburg geboren. Ihre Eltern waren als Ahmadiyya in Pakistan verfolgt worden. Mit acht Jahren kam sie mit ihrer Familie nach Offenbach, mit 15 trat sie den Jusos bei, ein Jahr später der SPD. Sie war Stadtschulsprecherin und ist aktiv bei der Black-Lives-Matter-Bewegung und bei Fridays for Future. Nach dem Abi machte sie ein freiwilliges soziales Jahr in Kambodscha. „Ich habe in der Landesschüler:innenvertretung mit Politikern diskutiert, ich war im Bundestag, um eine Petition zur Abschiebung zu übergeben, die gewirkt hat. Ich weiß ganz genau, womit ich es zu tun habe“, sagt Kauser, die bei der Tafel hilft und an einer Grundschule Vertretungsstunden gibt. Sie empfindet es als abwertend, wenn andere Menschen sie für ihre Visionen und Ziele naiv halten oder sie vor den anstehenden Aufgaben in der Politik warnen wollen. „Ich weiß, dass auch Entscheidungen kommen, wo ich verzweifeln werde“, sagt sie. „Ich werde viel dazulernen.“

Das Gleiche gilt für Malik, der sein Mandat als Dienst an den Offenbacher:innen begreift. Er will sich für soziale Arbeit, Integration und Inklusion einsetzen. Kauser ist unter anderem für eine Anti-Diskriminierungsstelle in der Stadt. „Die jungen Leute werden eine neue Kultur ins Stadtparlament reinbringen“, glaubt Malik. Hibba Kauser macht den Anfang, indem sie zur konstituierenden Sitzung am Donnerstag Baklava für ihre Fraktion mitbringen will. Vielleicht bleibt auch ein Stück für Wolfgang Malik übrig, dem sie jetzt noch öfter über den Weg laufen wird.

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