Offenbach

Bedarf nach mehr Förderung

Die Eichendorffschule hat den höchsten Sozialbelastungsindex in der Stadt.

Von Meike Hickmann

Die Eichendorffschule weist nach Angaben der Stadt die höchste Sozialbelastung auf. Trotzdem wird zum nächsten Schuljahr die Schulsozialarbeit gekürzt. Gleichzeitig fehlen die Räume, um für alle Kinder, für die es nötig wäre, Vorlaufkurse und Ganztagsprogramme anzubieten. „Wir geben hier trotz aller Herausforderungen unser Bestes“, sagt die stellvertretende Schulleiterin Alma Obradovac.

Die 350 Schüler stammen aus etwa 30 verschiedenen Nationen. Es gibt Förderkurse für Deutsch als Fremdsprache, Deutschlernen mit Hilfe des Computers, Zusatzunterricht und pro Jahrgang eine ganztägig unterrichtete Klasse sowie die Vorschule.

Zur Unterstützung gab es in den vergangenen 15 Jahren die Schulsozialarbeit. Sie bietet für Schüler eine wöchentliche Stunde zur interkulturellen Verständigung an und für die Eltern zweimal pro Woche Beratung im Elterncafé.

Lehrer als Dolmetscher für die Eltern

Zum kommenden Schuljahr gibt es dafür aber vom Land kein Geld mehr. Für die Schule ist das ein großer Verlust. „Es ist ganz wichtig, schon im Grundschulalter präventive Arbeit zu leisten“, findet Obradovac. Denn hier würde der Grundstein für die weitere Entwicklung der Kinder gelegt.
Die Beratung der Eltern sei dabei von besonderer Bedeutung.

Denn ohne deren Unterstützung falle es den Kindern schwer. „Aber viele Eltern verstehen unsere Briefe einfach nicht“, erzählt Obradovac. Oft müsse deshalb zusätzlich bei ihnen angerufen werden, all das kostet die Lehrer Zeit. „Bei den Elternabenden sitze ich oft mit fünf Leuten da, obwohl 25 Kinder in der Klasse sind“, sagt Lehrer Sascha Ried. „Wenn man die Sprache nicht versteht, bringt das ja auch nichts.“ Die Lehrer mit Migrationshintergrund müssen oft als Dolmetscher aushelfen, wie Obradovac selbst, sie spricht kroatisch, bosnisch und serbisch.

Die Lehrerin kam mit 12 Jahren aus Bosnien hierher, ohne ein Wort Deutsch zu können und kennt deshalb die Probleme solcher Familien aus eigener Erfahrung. „Die Sprache zu können ist einfach das Allerwichtigste“, sagt sie. Obradovac sieht ihre Schule bei diesen Sprachproblemen als „Ausnahmeerscheinung“, weil sie so viele sogenannte Seiteneinsteiger aufnimmt.

Das sind Kinder die gerade erst nach Deutschland gekommen sind, eigentlich zu alt für die erste Klasse sind und wegen ihrer Sprachschwierigkeiten trotzdem dort anfangen müssen.

„Der Sozialbelastungsindex dient auch einer fairen Bewertung der Schulleistung“, betont Michael Franger von der Jugendhilfeplanung der Stadt. Denn diese Zahl wird auch in Bezug mit Wiederholer- und Gymnasialquote gesetzt. Von den 13 Grundschulen in Offenbach liegt die Eichendorffschule auf Rang acht, was die Klassenwiederholungen angeht und auf Platz sechs beim Anteil der Kinder, die nach der vierten Klasse auf das Gymnasium wechselt. Und vor allem: Bei kaum einer anderen Schule liegt der Anteil von knapp 45 Prozent von Abgängern ans Gymnasium bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund so eng beieinander.

Alma Obradovac wünscht sich für ihre Schüler, das Ganztagsprogramm auf zwei Klassen ausdehnen zu können. Anfragen hat sie genügend, es fehlen nur die Räume. Zurzeit müssen die Kinder in der Cafeteria in Schichten essen. Deshalb werden die Schüler ganztags unterrichtet, die es am dringendsten brauchen: Oft auf Empfehlung des Jugendamtes, weil ein Elternteil krank ist oder alleinerziehend oder weil zu Hause kein Deutsch gesprochen wird. Zudem hofft sie, die Schulsozialarbeit irgendwie anders weiter finanzieren zu können. „Integration und die Arbeit mit den Eltern ist an so einer Schule nun mal das Wichtigste“, sagt sie.

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