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Offenbach: EVO baut bundesweit erste Klärschlammverbrennung

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Die Energieversorgung Offenbach baut die bundesweit erste Klärschlammverbrennungsanlage.

Große Pläne für das Müllheizkraftwerk an der Dietzenbacher Straße: Die Energieversorgung Offenbach (EVO) AG baut dort die bundesweit erste Klärschlammverbrennungsanlage, die an ein Müllheizkraftwerk angeschlossen ist. In der Schweiz seien solche Anlagen schon die Regel, sagte Technikvorstand Günter Weiß anlässlich der Vorstellung der Unternehmensbilanz am Donnerstag. „In Deutschland ist die EVO also Vorreiter.“

Bisher wurde der in Kläranlagen anfallende Schlamm als Dünger für die Landwirtschaft genutzt. Seit Jahren steht dieses Verfahren in der Kritik von Umwelt- und Naturschutzverbänden, da die im Schlamm enthaltenen Nitrate, Schwermetalle und Pharmaka Grundwasser und Boden belasten. In der Schweiz ist es bereits seit 2003 gesetzlich verboten, Böden mit Klärschlamm zu düngen. Durch die Verbrennung wird das Grundwasser laut EVO nicht mehr belastet.

„Der Genehmigungsbescheid für die Verbrennungsanlage liegt seit Januar vor“, sagte Christoph Meier, Vorstandsvorsitzender der EVO. Ende März oder Anfang April sollen die ersten Vorbereitungsarbeiten für den Bau im laufenden Betrieb am Müllheizkraftwerk beginnen, im Herbst 2020 soll die Anlage in Betrieb gehen. Rund 40 Millionen Euro investiert die EVO insgesamt in das 1970 errichtete Müllheizkraftwerk, dazu zählt auch die im vergangenen Jahr begonnene Modernisierung der kompletten Anlage.

Eine neue Turbine und Rauchgasreinigung wurden bereits eingebaut, im Laufe des Jahres werden die Anschlüsse für den Klärschlamm an die Verbrennungskessel gelegt. Rund 80 000 Tonnen Klärschlamm sollen nach Inbetriebnahme pro Jahr verbrannt werden. Zum Vergleich: Im Geschäftsjahr 2017/18 wurden 251 904 Tonnen Müll im Heizkraftwerk verbrannt. „Hessenweit fallen pro Jahr rund 650 000 Tonnen Klärschlamm an, in der Rhein-Main-Region gut 200 000 Tonnen“, sagte Weiß.

Um Staus bei der Anlieferung des Klärschlamms aus der Region zu verhindern, plant die EVO eine eigene Spur an der Einfahrt für Lkw mit Klärschlamm. „Wir werden auch eine zweite Lkw-Waage bauen“, so Christoph Meier.

Sorgen um Geruchsbelastung müssten sich die Menschen in den Wohngebieten um das Kraftwerk keine machen, versicherte Meier. Neue Abluftanlagen mit Unterdruck würden Gerüche verhindern. „Der Klärschlamm, der angeliefert wird, ist außerdem stichfest und riecht nicht sonderlich – wer es nicht weiß, würde ihn für Blumenerde halten“, berichtete Günter Weiß.

Während die Zukunft des Müllheizkraftwerks somit langfristig gesichert ist, wird noch überlegt, wie es mit dem Heizkraftwerk an der Andréstraße am Hafen weitergeht. 1986 hatte der damalige grüne Umweltminister Joschka Fischer noch den Grundstein für die Anlage gelegt, inzwischen ist die Kohleverbrennung verpönt. In rund zehn Jahren sei das Heizkraftwerk am Ende seines Lebenszyklus angekommen. sagte Meier. „Für eine Festlegung auf eine bestimmte Variante der Energiegewinnung ist es noch zu früh.“. Allerdings würden schon jetzt rund 55 Prozent des bei der EVO erzeugten Stroms aus erneuerbaren Energien gewonnen. Im vergangenen Geschäftsjahr verkaufte die EVO über 900 000 Megawattstunden Strom.

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