Die Kuhglocke bimmelt, ein Dutzend Jugendliche steht auf und wechselt den Platz: Speeddating bei der Suche nach einer Lehrstelle - ein Versuch der Arbeitsagentur Offenbach mit "Event-Charakter".
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Die Kuhglocke bimmelt, ein Dutzend Jugendliche steht auf und wechselt den Platz: Speeddating bei der Suche nach einer Lehrstelle - ein Versuch der Arbeitsagentur Offenbach mit "Event-Charakter".

Speeddating bei der Arbeitsagentur

Ausbildungsplatz auf die Schnelle

  • Wiebke Rannenberg
    vonWiebke Rannenberg
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So kommen sich sonst flirtwillige Singles näher: In drei Minuten präsentiert man sich von seiner Schokoladenseite, dann wechselt man. Das könnte auch bei der Jobsuche funktionieren.

Die Kuhglocke scheppert. "Wechsel", ruft Tina Fincke. Ein Dutzend junger Leute steht auf, geht zum nächsten Tisch, sagt Guten Tag und setzt sich. Drei Minuten Zeit haben sie, um bei ihrem Gegenüber einen guten Eindruck zu hinterlassen.

Was sich wie Speed-Dating, also die geordnete Kontaktaufnahme mit möglichst vielen Menschen in kurzer Zeit, anhört, ist auch welches. Doch hier in der Arbeitsagentur Offenbach geht es nicht um Liebesbeziehungen. Eher um geschäftliche Bindungen.

Auf der einen Seite der Tische sitzen Arbeitgeber, die einen Ausbildungsplatz zu vergeben haben, auf der anderen Seite junge Frauen und Männer, die einen solchen im kaufmännischen Bereich suchen. 16 Arbeitgeber haben das Angebot für diesen Donnerstagnachmittag angenommen, 250 Jugendliche sind eingeladen worden.

Mit diesem ersten Speed-Dating gehen Bereichsleiterin Tina Fincke, Geschäftsführer Klaus Gumpp und ihr Team ganz neue Wege bei der Vermittlung von Ausbildungsstellen. Denn obwohl das Schuljahr bald endet und das Ausbildungsjahr beginnt, gibt es noch immer zahlreiche Betriebe mit offenen Stellen.

Bewerbungsgespräche sind weit aufwendiger

Gleich neun Plätze hat Bernd Leipold von der Axa-Versicherung zu vergeben. Er hofft, in dem Drei-Minuten-Rhythmus "unkompliziert einen ersten Eindruck" von den Bewerbern zu bekommen. Auch Michael Wagner von der Handelsgesellschaft Heco in Rodgau ist gekommen, weil er so ohne großen Aufwand viele potenzielle Bewerber für die Ausbildung im Groß- und Außenhandel kennenlernen kann. Oft stelle sich in einem aufwendig arrangierten Bewerbungsgespräch schon nach kurzer Zeit heraus, "dass es nicht passt".

Bettina Schmidt und Astrid Küchler vom Softwareentwickler Giegerich&Partner in Dreieich sind zu zweit gekommen. Auch für sie ist es eine Premiere, eine Auszubildende zur Bürokauffrau suchen sie zum ersten Mal. Zur Vorbereitung haben sie sich Fragen überlegt, zum Beispiel nach den Erwartungen. Ganz spezielle Fragen hat Oliver Feldmann. Der Geschäftsführer des Online-Versands Casual Fashion in Neu-Isenburg interessiert sich für die Computer-Fähigkeiten der Bewerber.

Um keine Zeit mit Formalien zu verschwenden, haben die Berufsberater Adressaufkleber für die Jugendlichen vorbereitet. Unterschiedlich vorbereitet sind die Jugendlichen. Die einen sitzen den Arbeitgebern wie beim Vorstellungsgespräch in Sakko oder weißer Bluse gegenüber, andere lässig in T-Shirt oder pinken Turnschuhen. "Sehr nervös" sei sie, sagt eine junge Frau - cool hingegen gibt sich ein 21-Jähriger, der sein Studium abbrechen und eine Ausbildung anfangen will.

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