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Ahnte, dass es in der Stadt viele Unversicherte gibt: Matthias Zimmer im Malteser-Behandlungsraum.

Offenbach

Andrang in Praxis für Menschen ohne Krankenversicherung

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Die Nachfrage nach Behandlungen in der vor drei Monaten eröffneten Malteser-Ambulanz in Offenbach ist groß. Es werden noch Fachärzte gesucht, die mithelfen.

Das Angebot existiert erst seit drei Monaten, doch es hat sich unter den Betroffenen in Windeseile herumgesprochen: Die Malteser-Praxis für nicht krankenversicherte Menschen im Ketteler-Krankenhaus in Offenbach. „Wenn wir Sprechstunde haben, ist immer Betrieb“, erzählt Oberarzt Matthias Zimmer, der das Projekt mit seinem inzwischen verstorbenen Vater Gerhard Zimmer initiiert hat und nun leitet: „Der Druck in Offenbach ist anscheinend hoch.“

Ein „hoher Druck“, das heißt: Es gibt in der Stadt und im Landkreis viele Menschen, die eine medizinische Behandlung benötigen – sich eine solche wegen fehlender Krankenversicherung aber nicht leisten können. Zu den Betroffenen zählen EU-Staatsbürger aus Osteuropa, Migranten ohne gültigen Aufenthaltsstatus oder Wohnungslose sowie Selbstständige, die ihre Versicherungsbeiträge nicht mehr aufbringen können. Laut Matthias Zimmer kämen auch viele Schwangere: Etwa eine Frau aus Albanien, die ihrem in Deutschland geduldeten Mann gefolgt sei, sich aber keine Vorsorgebehandlungen – geschweige denn eine mehrere Tausend Euro teure Krankenhaus-Geburt – leisten könne. Einen legalen Aufenthaltsstatus hat sie nicht – und daher auch keine Krankenversicherung. Von den Maltesern wird sie nun finanziell unterstützt. Das Geld kommt aus einem Spendentopf – damit werden auch Medikamente finanziert.

Für zwei Stunden wird der kleine Raum der Betriebsärztin im Ketteler-Krankenhaus, den die Malteser angemietet haben, mittwochs zu einem Ort, wo oftmals verzweifelte Menschen Hilfe finden. Ein Dutzend Medizinerinnen und Mediziner haben dort seit Mitte April mit Unterstützung auch von Krankenschwestern, rund 40 Menschen behandelt – oder an Fachärztinnen oder -ärzte weitergeleitet. Dieses Netzwerk an Facharztpraxen müsse jedoch noch weiter ausgebaut werden, betont Zimmer: Dringend suche man derzeit in Offenbach zum Beispiel eine Gynäkologin oder einen Gynäkologen.

Nach Frankfurt schicken, wo es ein ähnliches Angebot gibt, will Zimmer die Patientinnen und Patienten nicht: Viel zu teuer sei die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln für viele. Eine kranke Person ohne Krankenversicherung werde sich auch „nicht aus dem Rodgau nach Frankfurt schleppen“, gibt Zimmer zu bedenken. Deshalb sei es so wichtig, auch vor Ort ein solches Angebot zu haben. Nicht immer ist die Hilfe medizinischer Art: Manche Leute benötigten auch Unterstützung bei behördlichen Dingen, erzählt Zimmer – etwa solche, die Anspruch auf Leistungen hätten, aber nicht wüssten, wie sie diese Ansprüche geltend machen können. Hier leiten die Malteser an passende Beratungsstellen weiter.

Anstoß zur Gründung der kleinen Ambulanz in Offenbach gab der Anruf eines örtlichen Pfarrers, der Zimmer von einer polnischen Frau aus seiner Gemeinde erzählte, die nicht versichert war. „Nach einem Hausbesuch sind wir auf den Trichter gekommen, dass diese Frau bestimmt nicht die Einzige in der Stadt ist“, erzählt Zimmer. Die Idee für eine weitere Zweigstelle der „Ärztlichen Ambulanz für Menschen ohne Krankenversicherung“ der Malteser war geboren.

Zwanzig solche Ambulanzen für Unversicherte haben die Malteser seit 2001 in Deutschland eingerichtet. Dazu kommen lokale Initiativen – sogenannte Medinetze – die oft von Medizinstudierenden gegründet worden sind. Auch in Hessen sind Malteser und Medinetze in Städten wie Frankfurt, Darmstadt oder Gießen aktiv. Das größte Angebot in der Region bietet wohl der Mainzer Verein „Armut und Gesundheit“, der mit dem örtlichen Medinetz kooperiert und mitten in der Stadt eine Poliklinik für Unversicherte aufgebaut hat. Unter der Ägide des Arztes und Aktivisten Gerhard Trabert werden dort regelmäßig auch Forderungen an die Politik laut, die Lücken im Sozialsystem – durch die bei der Krankenversicherung immer noch so viele Menschen fallen – zu füllen.

So kann man helfen

Die Offenbacher Sprechstunde für Unversicherte findet mittwochs von 17 bis 19 Uhr statt – im Ketteler-Krankenhaus, Lichtenplattenweg 85.

Ärztinnen und Ärzte, die das ehrenamtliche Team unterstützen möchten, können sich per E-Mail (mmm.offenbach@malteser.org) oder abends per Telefon (0175 / 764 602 6) bei Dr. Zimmer melden. Dringend gesucht werden Gynäkologinnen und Gynäkologen.

Die Spendendaten lauten: Malteser Hilfsdienst e.V., IBAN: DE13 3706 0193 4001 1552 16, BIC: GENODED1PAX, Stichwort: MMM Offenbach.

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