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Gut lachen: Bulgarische Delegation in Offenbach.
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Gut lachen: Bulgarische Delegation in Offenbach.

Offenbach Polizei

Amtshilfe vom Balkan

  • Danijel Majic
    VonDanijel Majic
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Bulgarische Beamte unterstützen die Behörden im Rhein-Main-Gebiet bei Migrationsfragen. Eine Delegation schaut sich in Offenbach und im Frankfurter Bahnhofsviertel um.

In einem Punkt ist sich Vasil Kolev Yalnazov sicher: „Die Arbeit der Polizei ist überall auf der Welt gleich“, sagt der Kommissaroberrat aus der bulgarischen Stadt Dobritsch Die Dolmetscherin übersetzt, die Kollegen von der Offenbacher Polizei nicken bestätigend und auch Offenbachs Stadtrat Felix Schwenke, unter anderem für Sicherheit und Ordnung zuständig, scheint nicht widersprechen zu wollen. „Natürlich“, fügt er hinzu, „machen wir dasselbe mit weniger Mitteln.“ Im Offenbacher Stadthaus hat er damit die Lacher auf seiner Seite.

Man hat sich kennengelernt in den letzten Tagen. Bereits seit vergangenem Montag weilt auf Initiative der bulgarischen Botschaft eine Delegation aus dem Balkanstaat im Rhein-Main-Gebiet. Zwei Polizisten, eine Vertreterin des Nationalrates für Integrationsfragen und eine Mitarbeiterin der Abteilung für soziale Unterstützung. Es ist mehr als ein Höflichkeitsbesuch und vermutlich auch mehr als ein einfacher Erfahrungsaustausch. Die bulgarischen Beamten sind gekommen, um ihren deutschen Kollegen zu helfen, den Blick zu schulen für die Probleme bulgarischer Zuwanderer.

Der Hintergrund wird bereits seit gut zwei Jahren medial breit getreten und manchmal auch für politische Scharfmacherei missbraucht. Seitdem auch die EU-Staaten des östlichen Balkans in den Genuss der Arbeitnehmerfreizügigkeit kommen, steigt naturgemäß auch die Zahl der Zuwanderer aus Bulgarien. Ein Trend, der sich mit dem Andauern der dortigen Wirtschaftskrise verstärkt.

„Uns interessieren natürlich die Hintergründe“, sagt Polizeihauptkommissar Thomas Baier. Beim Polizeipräsidium Südosthessen ist er für die sogenannte „importierte Kriminalität“ zuständig. Auf dieser negativen Begleiterscheinung der Zuwanderung, ruht das Hauptaugenmerk während des Austauschs.

Ausflug ins Bahnhofsviertel

Neben kurzen Stippvisiten in deutschen Ämtern stand am Donnerstag auch ein Ausflug ins Frankfurter Bahnhofsviertel auf dem Programm. Vermutlich der richtige Anlaufpunkt, wenn „der Schwerpunkt des Besuchs auf Kriminalität“ liegt, wie es Baier formuliert. Die Idee: Durch überwinden der Sprachbarriere mehr über Hintergründe und Lebenssituation jener bulgarischen Migranten zu erfahren, die im Rhein-Main-Gebiet in die Kriminalität abrutschen oder schon mit kriminellen Absichten eingereist sind.

„Natürlich haben wir Statistiken“, sagt Rositsa Ivanova, vom Nationalrat für Integrationsfragen. Aus denen geht etwa hervor, dass besonders die Angehörigen der benachteiligten ethnischen Minderheiten des Landes, Türken und Roma, ihr Heil in der Migration suchen. Ein Befund, der sich bei dem kurzen Abstecher in die Realität des Bahnhofsviertels bestätigt hätte, betont Ivanova. „Und kaum einer hatte einen festen Wohnsitz, viele arbeiten schwarz auf dem Bau.“ Wieder andere hätten offen zugegeben, ihren Lebensunterhalt mit Kriminalität zu bestreiten.

Die bulgarischen Beamten sehen nur einen Teil der Migrationsgeschichten aus ihrem Heimatland. Eben jenen, der deutschen Behörden und Politikern am stärksten unter den Nägeln brennt. Das lässt sich schon an dem einhelligen Lob für das Programm ablesen. „Wichtige Einblicke“ hätten ihre Mitarbeiter gewonnen, erklärt die Frankfurter Sozialdezernentin Daniel Birkenfeld (CDU). Felix Schwenke bedankt sich ebenso wie der Frankfurter Polizeipräsident Achim Thiel und dessen Amtskollege in Südosthessen, Roland Ullmann. Alle glauben, etwas gelernt zu haben. Ganz so gleich scheint die Arbeit in Deutschland und Bulgarien dann doch nicht zu sein.

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