Offenbach

Alle lieben den Wilhelmsplatz

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Die Bürgerbeteiligung zur Innenstadt ist gestartet. Leerstand und Müll werden als Problem identifiziert.

Der Wilhelmsplatz ist der mit Abstand beliebteste Ort der Innenstadt, ansonsten suchen die Menschen den Weg in Offenbachs Mitte vor allem für Behördengänge, Arztbesuche und zum Einkauf. Diese wenig überraschende Feststellung ist eines der Ergebnisse der Bürgerwerkstatt vom Donnerstag zum Auftakt des Zukunftskonzeptes Innenstadt.

Das Interesse der Bürger war groß, rund 250 Teilnehmer zählte Citymanagerin Birgitt Möbus. „Es gibt ein deutliches Interesse an der Innenstadt“, sagt sie. Die deutschen Innenstädte seien im Wandel, die „Versorgungsinnenstadt“ der 60er und 70er Jahre nicht mehr gefragt, sagt Urbanista-Chef Julian Petrin. Offenbach sei da keine Ausnahme. „Angebot und Nachfrage passen nicht mehr recht zusammen: Einerseits brummt die Wirtschaft und andererseits stehen Läden leer“, sagt er. Allerdings gebe es viel Potenzial in Offenbach, die Stadt sei im Wandel.

Wo Potenzial und wo die Probleme liegen, können die Teilnehmer an fünf Mitmachstationen sowie mittels eines Fragebogens beschreiben. Müll, Leerstand und Sortiment der Läden werden dabei als die drängendsten Probleme beschrieben. „Es liegt zu viel Müll rum, alle Sitzgelegenheiten sind verschmutzt – da will ich nicht lange bleiben“, sagt eine Teilnehmerin. „Kriminalität wird von den meisten gar nicht als Problem wahrgenommen“, sagt ein Besucher erstaunt mit Blick auf die Problem-Vorschläge. „Gibt ja auch kein Kriminalitätsproblem hier“, die schlagfertige Antwort anderer Teilnehmer.

Interessant auch die Antworten nach Konkurrenten um die Gunst der Innenstadt-Besucher: Frankfurt mit der Zeil erhält erwartungsgemäß die meisten Stimmen, aber auch das Offenbacher Ringcenter, das Isenburg-Zentrum und das Sulzbacher Main-Taunus-Zentrum werden häufig genannt. Ebenso wie die Stadt Hanau: Deren langjähriger Innenstadt-Umbau hat sich aus Sicht der Offenbacher ausgezahlt, Hanau ist als Einkaufsstandort attraktiv. Das einst von Händlern aus dem ganzen Rhein-Main-Gebiet gefürchtete Einkaufszentrum Loop 5 dagegen spielt als Konkurrenz keine Rolle.

Dass der Wilhelmsplatz mit dem Wochenmarkt und der hochwertigen Gastronomie das Pfund ist, mit dem die Stadt wuchern kann, darin sind sich die Besucher einig. Mehr Gastronomie wird auch für die restliche Innenstadt gewünscht. Gerade rund um die Frankfurter Straße fehle es abends an Ausgehmöglichkeiten. „Früher wurde Innenstadt mit Einzelhandel gleichgesetzt, heute braucht es andere Anreize“, sagt Frank Achenbach von Offenbach offensiv. Folgerichtig wird auch ein breiteres Kulturangebot für die Innenstadt von den Teilnehmern gewünscht.

Allerdings fallen bei der Auftaktveranstaltung auch die Schwächen des Mitmachangebots auf: Barrierefreiheit und eine behindertengerechte Innenstadt kommen an den Stationen fast nicht vor, auch den Teilnehmern scheinen Nöte und Anliegen von Behinderten fremd.

Und dass Besucher aus der Region in Sachen Wegeverbindungen und Verkehrsmittel andere Ansprüche haben als Innenstadtbewohner, kann naturgemäß bei einem Abend, bei dem hauptsächlich Offenbacher ihre Wünsche und Ideen formulieren, nicht mit einfließen. So bleibt zu hoffen, dass auch deren Anliegen berücksichtigt werden. Dass Händler und Eigentümer sich aber so engagiert einbrachten, ist ein gutes Zeichen für die Akzeptanz des Zukunftskonzepts. Bis Juni soll es der Stadt vorliegen.

Das Zukunftskonzept Innenstadt wird von der Stadt und dem Verein Offenbach offensiv in Kooperation mit dem Büro Urbanista erarbeitet.

Die nächste Bürgerwerkstatt ist für Samstag, 6. April, angesetzt. som

www.offenbach.de/zukunft-innenstadt

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