Stadt und Kreis OFFENBACH

„Die Lage ist sehr ernst“

Angesichts steigender Anforderungen sind auch Gymnasial- und Gesamtschullehrer überlastet.

Seit Jahresbeginn haben mehrere hundert Lehrer von fünf Gymnasien und fünf Gesamtschulen in Stadt und Kreis Offenbach zusammen Überlastungsanzeige beim hessischen Kultusministerium eingereicht. Das teilt der Gesamtpersonalrat des Staatlichen Schulamtes mit. Weitere Schulen hätten angekündigt, noch Anzeige stellen zu wollen.

Vor allem der Einsatz der Lehrer außerhalb des Unterrichts habe in den vergangenen Jahren sehr zugenommen. So sehr, „dass Lehrkräfte einerseits um ihre Gesundheit fürchten, andererseits aber auch den ihnen anvertrauten Schülern immer weniger gerecht werden können“, sagt Birte Krenz, Vorsitzende des Gesamtpersonalrats. Mit den sinkenden Leistungen der Schüler steige die Belastung für die Lehrer, die nun im Unterricht noch viel mehr fördern müssen und darüber hinaus mehr und mehr dokumentieren, beraten und konferieren. „Es ist sehr ernst“, so Krenz.

„Die Öffentlichkeit denkt, an den Gymnasien ist die Welt noch in Ordnung“, sagt die Personalrätin der FR. „So ist es aber schon lange nicht mehr.“ Auch dort säßen viele Schüler mit Förderbedarf, für die umfangreiche Förderpläne geschrieben werden müssen. Und das sei nur eine von sehr vielen Aufgaben, die Lehrer über ihre Pflichtunterrichtsstunden hinaus zusätzlich leisten müssten. Am Ende stehe eine 50-Stunden-Woche plus Wochenendarbeit.

Gemeinsam mit ihrem Personalrat fordern die Lehrkräfte, dass ein Lehrer weniger Schüler unterrichten muss, kleinere Klassen, eine bessere finanzielle Ausstattung der Schulen, in denen es oft an Materialien fehle, sowie die Sanierung von Schulgebäuden besonders in der Stadt Offenbach. Auch wünschen sich die Lehrer mehr Unterstützung bei der Inklusion von Schülern durch Dolmetscher und die Senkung des Pflichtstundenanteils, damit sich auch die außerunterrichtlichen Aufgaben reduzieren.

Zu den bislang betroffenen Schulen gehören die Gymnasien „Einhard“ in Seligenstadt, „Goethe“ in Neu-Isenburg, „Leibniz“, „Albert Schweitzer“ und „Rudolf Koch“ in Offenbach. Bei den Gesamtschulen sind das „Ernst Reuter“ in Dietzenbach, die Weibelfeldschule in Dreieich, „Adolf Reichwein“ und „Albert Einstein“ in Langen sowie Oswald-von-Nell-Breuning in Rödermark. Angestellte und Beamte des öffentlichen Dienstes sind laut Arbeitsschutzgesetz verpflichtet, Überlastung bei ihrer Behörde anzuzeigen. Nach Einschätzung des Gesamtpersonalrats sind die derzeitigen Berichte aber „nur die Spitze des Eisberges“. bil

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