An Markttagen ist auf einem Teil des Wilhelmsplatzes Parken verboten.
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An Markttagen ist auf einem Teil des Wilhelmsplatzes Parken verboten.

Offenbach

Abschleppen in Offenbach kann teuer werden: „Schon ein bisschen Abzocke“

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
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Ein Fahrzeughalter aus Offenbach muss 339 Euro fürs Abschleppen zahlen, weil er am Markttag verbotswidrig auf dem Wilhelmsplatz geparkt hat.

Offenbach - Als Herr P., der anonym bleiben möchte, am Samstagmorgen mit seinem Wagen wegfahren möchte, ist der bereits weg. Abgeschleppt, weil samstags Markttag ist und auf einem Teil des Wilhelmsplatzes ein Parkverbot gilt. Als Anwohner hätte er das wissen müssen. Er räumt seinen Fehler „aus Schusseligkeit“ auch ein, fühlt sich aber ungerecht behandelt.

Ein Polizist habe ihm am Telefon gesagt, es würden um die 180 Euro fällig. Doch das Frankfurter Abschleppunternehmen Safar verlangt fast das Doppelte: 339 Euro. Der 40-Jährige ist geschockt. Zähneknirschend zahlt er die Summe, „denn ich brauche mein Auto“. Aber er sagt auch: „Das ist ein bisschen Abzocke.“

Offenbach: Abschlepp-Dienst verlangt fast das doppelte der eigentlich kommunizierten Gebühr

Der Offenbacher wendet sich an die FR. „Denn ich bin sicher nicht der Einzige, dem das passiert.“ Er verweist auf einen Zeitungsbericht über Safar, das 2019 von der Stadt den Zuschlag für das Abschleppen in Offenbach erhalten hatte. Darin war von 175 Euro die Rede.

Geärgert hat er sich auch, weil er ins zwölf Kilometer entfernte Frankfurt-Preungesheim fahren musste, um sein Auto „freizukaufen“. Und: Dass die Stadt befugt war, das Fahrzeug abschleppen zu lassen, ist Herrn P. klar. Dennoch hätte man ihn als Fahrzeughalter auch herausklingeln können, schließlich wohne er um die Ecke.

Abschleppkosten

Die Firma Auto-Service Safar aus Frankfurt hatte 2019 die europaweite Ausschreibung für das Abschleppen von Falschparkern in Offenbach für sich entschieden. Es gab nur zwei Bewerber. Abgeschleppte Autos müssen in Preungesheim abgeholt werden.

Der Vertrag mit der Stadt Offenbach regelt detailliert nach Uhrzeit, Tagen und Fahrzeugart, wie hoch die Abschleppkosten sein dürfen. Los geht es mit 175 Euro, hinzu kommen Zuschläge fürs Abschleppen abends und nachts sowie an Sonn- und Feiertagen (jeweils plus 50 Euro), die tägliche Standgebühr und 70 Euro Verwaltungsgebühr, die an die Stadt geht.

Abgeschleppt wurden 2019 in Offenbach 874 Fahrzeuge und 157 nicht zugelassene Autos. In diesem Jahr waren es bislang 153 Schrottfahrzeuge und 791 Fahrzeuge.

Aber ist der Vorwurf der Abzocke gerechtfertigt? Die Antwort lautet: nein. Und auch der Umstand, dass eine Kollegin des Offenbachers, deren Auto am Sana-Klinikum ebenfalls von Safar abgeschleppt wurde, jüngst „nur“ 250 Euro zahlen musste, beweist ihn nicht. Der Vertrag zwischen der Stadt und Safar sehe unterschiedliche Zeitzonen für Werktage von 7.01 Uhr bis 18 Uhr, von 18.01 bis 7 Uhr sowie für 24 Stunden an Sonn- und Feiertagen vor, erklärt Stadtsprecher Fabian El Cheikh. Weitere Differenzierungen treiben den Preis in die Höhe. Demnach werden Zuschläge für die Abholung des Fahrzeugs nach Geschäftsschluss und die tägliche Standgebühr fällig. „Daher kann man von keiner festen Abschlepppauschale in Höhe von 175 Euro ausgehen“, sagt El Cheikh.

Abschleppen in Offenbach: Die Zone entscheidet über den Preis

Die 339 Euro kommen so zustande: 225 Euro fürs Abschleppen eines Pkw in der Zeitzone 2 (Samstag vor 7 Uhr), 35 Euro für die Abholung außerhalb der Geschäftszeiten am Samstag, 9 Euro Standgebühr für den ersten Tag plus 70 Euro Verwaltungsgebühr, die die Stadt erhebt. Letztere wird fällig, sobald ein Abschleppwagen angefordert wird. El Cheikh rechtfertigt die Verwaltungsgebühr mit dem Zeitaufwand für die Erstellung des Kostenbescheids und die Wartezeit auf den Abschleppdienst. Beides nehme in der Regel 45 bis 75 Minuten Arbeitszeit der Streife in Anspruch.

Günstiger wird es für den Falschparker nur, wenn sein Wagen noch nicht an den Haken genommen wurde, bevor der Halter auftaucht: Für Leerfahrten verlangt Safar zwischen 65 Euro an Werktagen und 165 Euro an Sonn- und Feiertagen.

Von Abschlepp-Abzocke in Offenbach ist die Rede

Safar ist seit 2017 in Offenbach tätig. Damals hatte das Unternehmen vom Sana-Klinikum den Auftrag erhalten, falsch geparkte Fahrzeuge vom Privatgelände zu entfernen. Weil das Unternehmen sehr rigoros gegen Falschparker vorgegangen sein soll, war in der Lokalzeitung von „Abschlepp-Abzocke“ die Rede.

Eine Kliniksprecherin sagte der FR, die Situation habe sich durch die Zusammenarbeit mit Safar deutlich gebessert. Die Zufahrten für Rettungsfahrzeuge oder die Feuerwehr würden rund um die Uhr freigehalten. Auch bei den Kurzzeitparkplätzen, die früher stundenlang belegt waren, habe sich die Situation entspannt.

Abschleppen in Offenbach: Safar ist günstiger als anderes

Der bei Safar für Pressefragen zuständige Markus Reichart erklärte, das Unternehmen habe die Ausschreibung gewonnen, „weil wir günstiger waren als der frühere Anbieter“. Er hält die Kritik für ungerechtfertigt, es handele sich um „übliche Preise“. Sie lägen sogar unter den Gebühren, die Private zahlen müssten, die ihr defektes Auto abschleppen lassen müssten.

Reichart weist auch auf die Personalkosten hin, die anfielen, weil Safar rund um die Uhr besetzt sei. Hinzu kämen die Ausgaben für den Fuhrpark. Ein Abschleppwagen koste 175 000 Euro, er sei nach fünf Jahren „totgefahren“. Zudem fielen jährlich allein bei Safar eine Viertelmillion Euro an Versicherungsprämien an.

Herr P. muss übrigens noch mit einem Knöllchen rechnen. Das ist mit 15 Euro vergleichsweise günstig. El Cheikh betont, die Verwaltungsgebühr habe nichts mit dem Verwarngeld für ordnungswidriges Parken zu tun.

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