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Ein bestens gelaunter Oberbürgermeister vor dem riesigen Urkundentext der Bürgeler Akte. michael Schick

Offenbach

Ein 2700-köpfiger Karnevalszug in Offenbach

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85 Vereine finden sich beim 66-jährigen Jubiläum des Offenbacher Karnevalvereins als Dachorganisation der örtlichen Fassenacht ein.

Wenn Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) in aller Öffentlichkeit ungestraft als „rote Socke“ und als „Rathausknilch“ beschimpft werden darf – dann ist Rathaussturm und damit Karneval in Offenbach. Und wenn dann an der Berliner Straße gegenüber dem Rathaus auch noch eine Tribüne für 200 Personen aufgebaut wird, dann ist das der Hinweis auf ein ganz besonderes Ereignis: Vor 66 Jahren wurde der Offenbacher Karnevalverein (OKV) zur Dachorganisation aller Offenbacher Karnevalsvereine erhoben. Und da 66 nichts Anderes ist als sechsmal Elf – die magische Zahl des Karnevals –, muss das natürlich gefeiert werden.

Das tat der OVK denn auch ganz groß: Am Sonntagnachmittag wälzte sich ein langer Jubiläumszug mit 85 Vereinen durch die Straßen von „Lederanien“. Um 13.11 Uhr startete der närrische Lindwurm mit 124 Zugnummern. Der OKV als Veranstalter hatte Glück mit dem Wetter: Nach dem Dauerregen am Vormittag blieb es während des Umzugs trocken.

Rund 2700 Mitwirkende präsentierten sich, umsäumt von zahlreichen Zuschauern, mit fantasievollen Kostümen. Befreundete Karnevalisten aus dem Umkreis und weit darüber hinaus, Offenbacher Vereine und Parteien gaben den „Fassenachtern von Lederanien“ die närrische Ehre. Sogar aus Biblis, Emstal und dem nordrhein-westfälischen Siegburg waren Karnevalsgruppen angereist. Komiteewagen rollten durch die Straßen, Musikzüge intonierten Gassenhauer, Gardemädchen schwangen die Beine, es regnete Kamellen. Oberbürgermeister Schwenke hatte auf dem Verdeck eines offenen Cabrios Platz genommen, mehrere Etagen höher grüßten Prinz Klaus VII. und Prinzessin Natalie I. auf dem blau-orangen OVK-Prinzenwagen in die Menge.

Naomi Grabowski zog als Drag-Queen auf der Straße die Blicke auf sich, genauso wie die Mitglieder des Boxclubs Nordend, die sich als Schattenboxer präsentierten. Die Stammtischgruppe „Freie Radikale und andere Bakterien“ hatte sich, als Hexen und Teufel verkleidet, wohl das aktuellste Thema ausgesucht. Andrea Desch tat den Zugteilnehmern Gutes: Sie hatte in einer Plastikbox selbst geschmierte Schmalzbrote dabei, die sie unter den Mitwirkenden verteilte.

Die Geschichte

Vor 84 Jahrengründete sich der Offenbacher Karnevalsverein (OKV).

Vor 66 Jahren, im Juni 1954, wurde in der „Bürgeler Akte“ festgelegt, dass der OKV künftig als Dachorganisation für die Offenbacher Karnevalsvereine fungiert.

Damit sollte,so der OVK-Vorsitzende Klaus Kohlweyer, vermieden werden, dass jeder der 20 angeschlossenen Karnevalsvereine sein eigenes Prinzenpaar kürt.

Seitdemstellt der OVK das Prinzenpaar für die gesamte Stadt.

Der OVKveranstaltet auch den Rathaussturm, das „Feuerwerk der guten Laune“ und den Seniorenvormittagsfasching in der Stadthalle. ann

So unterschiedlich wie die Zugnummern und Kostüme waren auch die Narrenrufe, die durch die Straßen hallten: Vom bekannten „Helau“ und „Alaaf“ über das Offenbacher „Hallau“ und das Bürgeler „Gut Stuss“ bis hin zum „Ho ruck“ aus Biblis.

Die Ehrengäste durften auf der überdachten VIP-Tribüne Platz nehmen, hatten den besten Blick auf das närrische Geschehen und bekamen ihre Getränke in einem der aufgebauten Partyzelte dargereicht. Die Stadtgarde Offenbach sorgte vor ihren Plätzen mit „Cordula grün“ für beste Stimmung.

Das „Fußvolk“ konnte sich dagegen auf dem Aliceplatz vergnügen. Vor dem Einkaufszentrum Komm war eine Bühne aufgebaut, auf der eine Band live spielte. Wer Hunger hatte, konnte sich an Buden stärken, die auf dem Aliceplatz, vor dem Rathaus und im Büsingpark aufgebaut waren.

Sechsstellig sei der Betrag, den der OKV für sein närrisches Jubiläum aufgewendet habe, verriet 1. Vorsitzender Klaus Kohlweyer gegenüber der FR. Die Kosten habe der Verein über die Eintritte zu seinen eigenen Veranstaltungen, über Sponsorengelder und die Jahresspenden der Ehrenräte und Senatsmitglieder finanziert.

So eine große Summe wird aber nicht jedes Jahr ausgegeben. Die Offenbacher Karnevalisten organisieren ihre Karnevalszüge nämlich nur zu besonderen Anlässen. „2005 hatten wir nach vielen Jahren wieder einen anlässlich 150 Jahren Straßenfastnacht in Offenbach, 2010 fand einer mit 102 Zugnummern statt anlässlich 75 Jahren OKV“, sagt Kohlweyer. Zwei Jahre lang sei der Jubiläumszug geplant worden, erklärt er. Zehn bis zwölf Mann hätten die Köpfe zusammengesteckt, in zwei Kampagnen sei dafür geworben worden.

Entlang des Zugwegs waren Halteverbotsschilder aufgestellt worden, die sonst zugeparkten Straßen waren somit autofrei. Dafür sorgte noch am Sonntagvormittag der Abschlepper, der jede Menge zu tun hatte.

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