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Bianca Shah leitet die Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen der Arbeiterwohlfahrt (AWO) Frankfurt.

Offenbach

Offenbach: Zuhause für Mütter nach der Haft

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Die Frankfurter AWO vermietet in Offenbach eine neu gekaufte Wohnung an haftentlassene Frauen mit Kindern.

Man stelle sich eine gerade aus der Haft entlassene, alleinerziehende Frau vor, die maximal einen Teilzeitjob hat und Schufa-Einträge. „Welcher Vermieter würde dieser Person unter einer Vielzahl an Bewerbern den Zuschlag geben?“, fragt Bianca Shah. Es ist eine rhetorische Frage, die die Leiterin der Frankfurter AWO-Anlaufstelle für straffällig gewordene Frauen stellt. Denn die Antwort liegt auf der Hand: Kaum jemand würde besagter Frau eine Wohnung vermieten – nicht in einer Region, wo man sich die Wunschmieter wegen hoher Nachfrage aussuchen kann.

Die Frankfurter AWO hat deshalb in Offenbach eine Wohnung gekauft, die sie ab sofort zur ortsüblichen Miete an aus der Haft entlassene Mütter mit Kindern vermietet – so lange, bis diese eine andere Wohnung gefunden haben. Zwei Zimmer hat die kleine Wohnung, eine neue Küche und Balkon. Möglich gemacht hat den Kauf eine Spende des Frankfurter Gefangenenhilfe-Vereins in Höhe von 100 000 Euro. Diesen stolzen Betrag hatte der Verein zuvor über ein Bußgeld erhalten. Die AWO legte dann noch einmal rund 70 000 Euro drauf. „In Frankfurt war es unmöglich, dafür eine Wohnung zu finden“, erzählt Shah. In Offenbach wurde man nach einer Weile fündig.

Hilfsangebote

Die Anlaufstellefür straffällig gewordene Frauen existiert seit 1977. Die Büros befinden sich in der Mainkur-straße 35 in Frankfurt-Bornheim.

Frauen erhaltendort psychosoziale Beratung sowie Hilfe bei der Existenzsicherung und alltagspraktischen Dingen. Telefon: 069/448 967. E-Mail: anlaufstelle@awo-frankfurt.de.

Gefangenenhilfe e.V.setzt sich ebenfalls für straffällige Frauen im Frauengefängnis Preungesheim ein. Kontakt: sigrid.dueringer@t-online.de. 

Sigrid Düringer von der Gefangenenhilfe hält das Angebot auch wegen des Kindeswohls für sehr wichtig: Denn in der Regel landen Männer wie Frauen und somit auch Mütter nach der Haft zunächst in einer Notunterkunft – da die Wohnungssuche aus dem Gefängnis heraus noch schwieriger ist als sowieso schon. Und Kinder dürften in eine solche Unterkunft meist nicht mitkommen.

Die Unterbringung in einer Notunterkunft verlängert also oft die Trennung von Mutter und Kind – da bereits im Gefängnis nur kleine und keine schulpflichtigen Kinder bei ihren Müttern leben können. „Die Inhaftierung der Mutter hat tiefgreifende Auswirkungen auf das Leben der Kinder. Im schlimmsten Fall verlieren sie die wichtigste Bezugsperson, das vertraute Wohnumfeld und ihre sozialen Kontakte“, erklärt Shah. Deshalb sei es so wichtig, dafür zu sorgen, dass Mutter und Kind zumindest nach der Haft gemeinsam leben können. Shah findet, dass für Mütter mit Kindern nach der Entlassung grundsätzlich geeigneter Wohnraum bereitgestellt werden sollte.

Schon länger mietet die AWO drei Frankfurter Wohnungen, die sie an aus der Haft entlassene Mütter mit Kind untervermietet. Die Wohnung in Offenbach ist nun die erste solche Unterkunft im AWO-Eigenbesitz.

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