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Mehr Platz für Radler und Fußgänger; Nur noch wenige Autos dürfen die Seitenstraßen befahren . Foto: Monika Müller

Offenbach

Offenbach: Verkehrsberuhigung am Wilhelmsplatz gestartet

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die testweise Sperrung zweier Seitenstraßen am Offenbacher Wilhelmsplatz polarisiert. Am Dienstag gab es vor Ort etliche Diskussionen und Streits.

Alle scheinen sie miteinander zu diskutieren an diesem Dienstagmorgen auf dem Offenbacher Wilhelmsplatz: Die Stadtpolizistin mit dem Autofahrer, der Geschäftsmann mit der Radfahrerin – und die Landwirtin mit ihrer Kundin. Der Grund: Die testweise Sperrung der Seitenstraßen des Platzes für den motorisierten Durchgangsverkehr zu Marktzeiten. Am Dienstag, acht Uhr, hat sie begonnen. Bis Mitte November dauert sie an. Mehrere Umfragen begleiten die Sperrung – davor, währenddessen und danach.

Die Stadtverordneten werden wohl im Winter entscheiden, wie es langfristig weitergeht mit dem Platz, der mit seinem Markt und vielen Gastronomiebetrieben als Aushängeschild der Offenbacher Innenstadt gilt. Niemand will sich dort eine Fehlentscheidung leisten. Schon gar nicht so kurz vor der Kommunalwahl im Frühjahr.

Dreimonatiger Test

Die Verkehrsberuhigung der westlichen und östlichen Seitenstraßen am Wilhelmsplatz gilt an den Markttagen Dienstag, Freitag und Samstag, jeweils von 8 bis 16 Uhr – bis 18. November. Umfragen begleiten den Verkehrstest. Durchfahren darf noch, wer am Platz wohnt oder Waren anliefert – dafür stellt die Stadt Genehmigungen aus. Auch mit dem Rad darf man passieren – auf bisherigen Autoparkplätzen wurden zusätzliche Fahrradbügel montiert. Umfassendere Informationen gibt es auf offenbach.de/verkehrsberuhigung- wilhelmsplatz. fab

Der Sperrung waren dementsprechend lange Diskussionen auf politischer Ebene und in der Stadtgesellschaft vorausgegangen: Die einen – etwa die Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern – wollen dem Platz durch die Verbannung des Durchgangsverkehrs mehr Aufenthaltsqualität verschaffen und in Zeiten von Corona mehr Abstand ermöglichen. Die anderen befürchten, dass die Sperrung Geschäfts-treibenden und Marktbeschickern schade – diese Befürchtung teilt auch die SPD, die die Seitenstraßen am Platz von Marktzeiten sehr gerne sperren würde.

Kritisch ist auch Petra Heckelmann vom gleichnamigen Bürgeler Gärtnereibetrieb, die dem Marktverein mit 55 Mitgliedern vorsteht. Heckelmann sitzt am Rand des Wilhelmsplatzes und kann sich vor Wut kaum halten. Sie erzählt, dass der Platzumbau vor zehn Jahren die Anzahl der Marktbeschicker von 80 auf 60 reduziert habe. Ähnliches werde wieder passieren, wenn niemand mehr mit dem Auto vorfahren könne, um schwere Einkäufe einzuladen. Richtig sauer ist am Dienstag auch Friedrich Pusch, der am Platz einen Weinhandel mit Weinbar betreibt. Er sagt, dass ihm schon am ersten Vormittag der Sperrung ein Drittel der üblichen Kundschaft fehle. Seine Prognose für den Platz ist düster: „Die Marktbeschicker werden gehen und das war’s.“

Auch Heinrich Maus vom Otzberger Kartoffelhof Jäger ist kritisch: Er weiß nicht, wie die vielen Gastronomen aus Stadt und Kreis künftig ihre Kartoffelsäcke bei ihm auf dem Markt holen sollen. Er beobachtet am Dienstag zwei Stadtpolizistinnen, die am Eingang zur westlichen Seitenstraße Autos abweisen und den Insassen Infozettel überreichen. Stadtpolizistin Dagmar See betont, dass man zu Beginn der Sperrung kulant vorgehe – also Anwohner und Marktbeschicker auch ohne Ausnahmegenehmigung einfahren lasse. Aber alle anderen dürfen nicht mehr rein – auch niemand, der Kartoffelsäcke oder Weinkisten holen will.

Doch viele äußern am Dienstag auch Freude darüber, dass man zwischen den Marktständen und den Cafés am Platzrand nun flanieren, Rad fahren und die Kinder spielen lassen kann – zumindest zu Marktzeiten. „Es ist viel ruhiger und weniger stinkig als sonst“, sagt Ursula Franz, die direkt am Platz über einer Brasserie wohnt. „Von mir aus“, sagt sie, „könnte das hier immer so sein.“

Die Einfahrt zu den Seitenstraßen wird am Dienstag kontrolliert. Foto: Monika Müller
Wo vorher Autos waren, kann man nun flanieren. Foto: Monika Müller
So wie hier sah es vor der tesweisen Verkehrsberuhigung ost aus. Foto: Monika Müller
Marktbeschicker und Anwohner dürfen weiterhin auf den Wilhelmsplatz. Foto: Monika Müller

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