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Nicht schön – aber bald einsatzfähig: temporäre Schule im Offenbacher Neubaugebiet Bieber-Nord. 

Offenbach

Offenbach: Unterricht in Bieber-Nord vorerst nur im Container

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Die Stadt Offenbach mietet 62 Raummodule für temporäre Grundschule in Bieber-Nord an. Ab Sommer soll auch ein mobiles Heizkraftwerk im Einsatz sein.

Es sieht aus wie eine temporäre Behausung für die Bauarbeiter einer Großbaustelle, ist aber in Realität die neue Grundschule in Offenbachs Neubaugebiet Bieber-Nord. 62 Container – die Stadt spricht lieber von Raummodulen – wurden dort gerade am Rande des Baugebiets aufgebaut. Auch der Innenausbau hat begonnen. Es folgt bis Juni noch die Anlage der Außenfläche, dann ist die neue Schule mit ihren sechs Klassenzimmern einsatzbereit. Bis zu 150 Schülerinnen und Schüler können dort künftig unterrichtet werden. Auch Sekretariat, Schulleitungsbüro und Lehrerzimmer, Toiletten sowie ein überdachter Pausenraum sind in dem Containerbau untergebracht.

In den kommenden Jahren soll in Bieber-Nord, wo zwischen S-Bahn-Linie und Autobahn derzeit Wohnraum für 2100 Menschen entsteht, auch eine „richtige“ Schule gebaut werden. Doch dieser Neubau wird wohl erst 2023 fertig. Offenbachs Planungs- und Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) spricht von einer „planerischen Herausforderung“, die man sich mit dem Vorhaben gestellt habe. Denn in der neuen Schule sollen mehrere Nutzungen in einem Komplex untergebracht werden: Neben einer dreizügigen Grundschule sind das eine sechsgruppige Kita, eine in den Boden eingelassene Zweifeldturnhalle und ein Blockheizkraftwerk für das Neubaugebiet.

So sieht die neue Containerschule aus. 

Zudem kommt das Bauamt mit der Bearbeitung der zahlreichen Schulneubau- und -sanierungsprojekte im stetig wachsenden Offenbach kaum nach – von zehn Stellen im Hochbaumanagement sind fünf unbesetzt. Die Anmietung von Containern war somit die einzige Option, um in Bieber rechtzeitig die nötigen Schulkapazitäten für die kommenden Jahre bereitzustellen. Auch weil die Kapazitäten der bestehenden Mauerfeld-Grundschule im alten Ortskern ausgeschöpft sind.

Die Zwischenlösung einer Containerschule bringt für die Stadt aber erhebliche Mehrkosten mit sich. Allein die Miete der Raummodule beläuft sich pro Jahr auf 359 000 Euro. Bis September 2022 summieren sich die Gesamtkosten auf über 1,5 Millionen Euro. Da der Neubau dann wohl noch nicht fertig sein wird, sind zusätzliche Kosten absehbar.

Weiß kann der Containerschule aber auch etwas Positives abgewinnen: So habe man in den nächsten Jahren, solange Bieber-Nord noch nicht voll bebaut ist, Überkapazitäten. Das sei gerade in Zeiten von Corona wertvoll, da man dadurch gut Unterricht mit Abstandsregelungen realisieren könne. „Der neue Schulbau hilft uns dabei, diese schwierigen Zeiten zu meistern.“

Da die Stadt schneller wächst als im Schulentwicklungsplan vorgesehen und viele Klassen während Schulsanierungen ausgelagert werden, musste die Stadt schon an mehreren Schulen Container aufstellen – und die dafür nötigen Mietkosten in den Haushalt einplanen.

Temporärer Natur wird auch die mobile Heizzentrale sein, die der Offenbacher Energieversorger EVO im Mai in Bieber-Nord aufstellen will. Im Juni wird die Anlage an das fast drei Kilometer lange Rohrleitungssystem des Baugebiets angeschlossen, um die neuen Haushalte zu versorgen. 2023 sollen dann zwei unterirdische Erdgas-Blockheizkraftwerke Wärme für bis zu 920 Wohneinheiten und die neue Schule produzieren.

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