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Aufregung um Corona-Fälle an der Offenbacher Leibnizschule

Offenbach

Eltern klagen über verwirrende Infos vom Gesundheitsamt

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Eltern fühlen sich nach Infektionen am Offenbacher Leibnizgymnasium von den zuständigen Behörden im Stich gelassen. Gespräche über ein eigenes Offenbacher Testzentrum laufen.

Es sind harte Worte, die Sabine Albrecht-Eflanli in Bezug auf die Arbeit des Offenbacher Gesundheitsamts findet. „Wenn du nicht selbstbestimmt handelst, nicht so gut Deutsch sprichst oder keine eigenen Ideen entwickelst, dann hilft dir hier kein Mensch“, sagt die Mutter eines 13-jährigen Schülers der Leibnizschule. An dem Gymnasium im Offenbacher Westend waren in den vergangenen Wochen mehrere positive Corona-Fälle bekannt geworden. Doch der Umgang der Stadt mit der Situation hat manche Eltern verunsichert und verärgert.

Albrecht-Eflanli, deren Sohn einen Mitschüler hat, der positiv auf Corona getestet wurde, erzählt von der Unerreichbarkeit des Amts, von angekündigten Anrufen, die nicht erfolgten, und von mitgeteilten Terminen zu Corona-Tests, bei denen Datum und Wochentag nicht zusammenpassten. Zudem sollte die Schülerschaft einer Klasse mit Corona-Fall getestet werden und die einer anderen nicht. Albrecht-Eflanli macht sich auch Sorgen, weil sie mit alten Menschen arbeitet. Vor einigen Wochen gab es eine ähnliche Situation – wo die Mutter dann selbst einen Test für sich und ihren Sohn organisierte.

Zum Eklat kam es am Mittwoch, als Eltern und Kinder des Leibnizgymnasiums zum Corona-Test ans Frankfurter Uniklinikum fuhren – und dort teils zurückgewiesen wurden, weil zu viel los war. „Die Schulklasse wurde ohne vorherige Anmeldung ans Testcenter geschickt, so dass leider nicht alle Schüler getestet werden konnten“, erklärt Karl Roth, der Sprecher der Kassenärztlichen Vereinigung Hessen (KVH), die das Zentrum betreibt, die Situation. Die Kinder wurden dann am Donnerstag in einem mobilen Testcenter auf dem Pausenhof ihrer Offenbacher Schule getestet, eine „unter großem personellen Zeitaufwand organisierte absolute Ausnahmeaktion“, wie der Sprecher der Stadt Offenbach, Fabian El Cheikh, betont.

Kein eigenes Testzentrum

Zu den Vorwürfen aus der Elternschaft sagt El Cheikh, man habe „Verständnis, dass Eltern umfassend über die Situation an der Schule informiert sein möchten“, aber das Gesundheitsamt könne einen solchen Informationsdienst nicht leisten. Eltern könnten sich bei Fragen an die jeweilige Schulleitung wenden. Direkt Betroffene, also Menschen, die in Quarantäne müssen oder die zu einem Test geschickt werden, würden aber „immer vom Gesundheitsamt informiert“.

Die Frage, ob getestet werde, hänge „von den Kapazitäten bei den Testcentern und Arztpraxen ab“. Anspruch auf einen Test gebe es nicht. Aufgrund der begrenzten Testkapazitäten werde zudem – wenn überhaupt–– nur noch zum Ende der Quarantäne getestet, da man mit einem negativen Ergebnis zu diesem Zeitpunkt sicherstellen könne, dass „keine Infektionsgefahr mehr für andere besteht und die Quarantäne beendet werden kann“, so El Cheikh.

Ein anderer Punkt, der viele Betroffene ärgert, ist die Tatsache, dass es in Offenbach trotz hoher Infektionszahlen nach wie vor kein Corona-Testzentrum gibt, lediglich Praxen, die in bestimmten Fällen Tests durchführen. „Wir wünschen uns ein Testzentrum und sind deshalb auch schon in Gesprächen mit der KVH“, sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) der FR am Freitag. Stadtsprecher El Cheikh zufolge habe man auch schon Standortvorschläge gemacht: Darunter die Stadthalle und der Musikklub MTW. Noch stieß aber keine Idee auf Zustimmung. „Die bisher ins Gespräch gebrachten Örtlichkeiten waren, vor allem aus hygienischer Hinsicht, nicht für den Betrieb eines Testcenters geeignet“, so KVH-Sprecher Roth.

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