450 Bäume mussten in den letzten anderthalb Jahren im Schlosspark gefällt werden. Foto: Monika Müller
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450 Bäume mussten in den letzten anderthalb Jahren im Schlosspark gefällt werden. 

Offenbach

Offenbach: Umstrittener Trinkwasser-Einsatz im Schlosspark

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Umweltverbände kritisieren die von der Stadt Offenbach geplante Bewässerung neuer Bäume im Rumpenheimer Schlosspark mit Trinkwasser.

Eine Wasserleitung unter den Parkwegen, etwa 1000 Meter lang, mit mindestens elf Wasserentnahmestellen – Kostenpunkt 150 000 Euro: So stellen sich die Planenden in Offenbach die Rettung des Rumpenheimer Schlossparks vor. In den letzten anderthalb Jahren hatte die Stadt in der historischen Grünanlage am Main 450 von etwa 1500 Bäumen fällen lassen müssen – sie waren infolge von Hitze, Trockenheit und der dadurch begünstigten Rußrindenkrankheit eingegangen. Doch daran, dass die Stadt neue Bäume im Park künftig dauerhaft mit Trinkwasser gießen will, gibt es Kritik.

„Es ist problematisch, wenn zum Wässern der Bäume kostbares Trinkwasser genutzt wird“, gibt der Sprecher des Naturschutzbunds (Nabu) Hessen, Berthold Langenhorst, zu bedenken. Die Bewässerung sei zwar sinnvoll, doch solle unbedingt Brauchwasser verwendet werden – etwa in Zisternen eingefangenes Regenwasser. Langenhorst zufolge führe das vermehrte Abzapfen von Trinkwasser in Wassergewinnungsregionen wie dem hessischen Ried zu Problemen für Flora und Fauna.

Eine Aufnahme aus besseren Zeiten: Der Rumpenheimer Schlosspark vor zehn Jahren. 

Ähnlich bewertet die Sache Lynn Sophie Anders vom hessischen Landesverband des BUND. Zwar könne das Gießen mit Trinkwasser „als Übergangslösung akzeptiert werden“, so Anders – langfristig fordert sie die Stadt Offenbach aber dazu auf, „ein nachhaltiges Wassermanagement einzusetzen, das kostbares Trinkwasser nicht für die Baumbewässerung einsetzt“. Sie schlägt vor, Wasser aus dem nahe gelegenen Main zu pumpen.

Das hält auch Peter Schneider für einen womöglich gangbaren Weg. Der ehemalige Offenbacher Bürgermeister und Grünen-Politiker wohnt in Rumpenheim und kann den Niedergang des Parks aus nächster Nähe beobachten – und als Vorsitzender des Zweckverbands Wasserversorgung Stadt und Kreis Offenbach (ZWO) ist er vom Fach. Schneider erinnert an Zeiten, in denen es Usus war, dass ein Tankwagen morgens im Main Wasser zapfte und damit Stadtbäume goß. „Trinkwasser ist eine kostbare Ressource“, sagt er. Bäume damit zu gießen, könne „nicht die Lösung sein“.

Die Stadt arbeitet derzeit noch an einem Konzept, das aufzeigen soll, wie in den nächsten Jahren wieder möglichst viele unterschiedliche, klimawandelresistente Parkbäume nachgepflanzt werden können. Im Herbst sollen in einem ersten Schritt 120 neue Bäume dazukommen. Auch die Parkwege, unter denen die künftige Wasserleitung verlaufen soll, werden für 50 000 Euro saniert. Auf Nachfrage der Frankfurter Rundschau heißt es weiterhin, dass Trinkwasser durch die Bewässerungsrohre im Park fließen soll.

Dabei gibt es daran auch in der eigenen Verwaltung Kritik. Umweltamtsleiterin Heike Hollerbach etwa fände die Verwendung von Regenwasser besser, auch wenn das ebenfalls rar sei. Wichtig sei vor allem, dass man durch Entsiegelung dazu beitrage, dass im Stadtgebiet wieder mehr Wasser im Boden versickere, anstatt im Kanalsystem zu verschwinden – weil nur so der stark abgesunkene Grundwasserspiegel wieder steigen könne. Entsiegelung sei Teil der städtischen Klimaanpassungsstrategie. Zur Verwendung von Mainwasser äußert sich Hollerbach indes vorsichtig: Es sei fraglich, ob die Wasserqualität gut genug sei.

Abpumpen von Mainwasser muss vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Aschaffenburg genehmigt werden. Dort heißt es auf Nachfrage, dass man regelmäßig Genehmigungen erteile – unter anderem für die Landwirtschaft oder für Kleingartenvereine, die mit Flusswasser gießen.

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