Hat mittlerweile zehn Angestellte und braucht mehr Platz: das Ingenieursbüro „LAO“. Foto. Rolf Oeser.
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Hat mittlerweile zehn Angestellte und braucht mehr Platz: das Ingenieursbüro „LAO“. 

Offenbach

Offenbach: Start-ups suchen Platz

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Büroräume in Offenbachs Gründerzentrum „Ostpol“ sind durchweg ausgebucht. Doch bis ein weiteres Zentrum entsteht, dauert es noch. Die Stadt will die Szene derweil mit einem neuen Mentoringprogramm fördern.

Welche Leitungen, Rohre und Wurzeln sind eigentlich so alles unter der Oberfläche eines potenziellen Baugrundstücks versteckt? Diese oft zu Überraschungen führende Frage versucht das Start-up „LAO“ zu beantworten. Anscheinend mit Erfolg: Aus dem kleinen Büro im Offenbacher Gründungszentrum Ostpol ist in nur wenigen Jahren ein Betrieb mit zehn Mitarbeitenden geworden.

Elisabeth Neumann (links) und Petra Bünz von KIZ Sinnova im Ostpol-Foyer. Foto: Rolf Oeser

Genau solche Unternehmensgeschichten will die Stadt mit ihrem vor 14 Jahren eröffneten Gründerzentrum fördern – ein zu Büros, Ateliers und Studentenwohnungen umgebautes ehemaliges Verlagshaus im zentrumsnahen Mathildenviertel. Doch das Haus platzt aus allen Nähten: 76 Büros und Ateliers mit kompakten Größen zwischen 20 und 65 Quadratmetern gibt es in dem Komplex – alle sind sie belegt. Man führe eine Warteliste, erzählt Elisabeth Neumann von der Firma KIZ Sinnova, die im Auftrag der Stadt vom Ostpol aus die Vernetzung der Gründerszene in der Stadt vorantreibt. „Wenn die Gründer hier herauswachsen, brauchen sie größere Flächen“, sagt Neumann.

Doch solche Flächen finden sich in der Stadt nicht mehr so leicht – zumal keine attraktiven. Dabei hilft auch hier die Stadt: So hat die kommunale Wirtschaftsförderung dem Ingenieursbüro LAO eine Liste mit zehn verfügbaren größeren Flächen im Stadtgebiet zukommen lassen. Unbedingt will man die wachsenden und Gewerbesteuer zahlenden Start-ups in der Stadt behalten. Manchmal gelingt das. Oft genug gelingt es aber auch nicht – trotz der Büromieten, die in anderen Städten der Region teils noch höher sind als in Offenbach und die jungen Firmen laut einer aktuellen Umfrage in der Region besonders zu schaffen machen. Ein Klebstoffentwickler, der im Ostpol angefangen hat, zog mit seinem Unternehmen zum Beispiel vor ein paar Jahren nach Dreieich, weil er dort passende halb-industrielle Räume fand.

Das tut die Stadt

Ein altes Verlagsgebäudeim Offenbacher Mathildenviertel hat die Gemeinnützige Baugesellschaft Offenbach (GBO) vor 14 Jahren zum kommunalen Gründerzentrum „Ostpol“ umgebaut. Auch Wohnungen für Studierende entstanden. Mehr Infos gibt es auf der Seite www.ostpol-gruendercampus.de.

Die „Gründerstadt Offenbach“ist ein von der Stadt mitinitiiertes Netzwerk, das Existenzgründungen fördern soll. Mehr Informationen hier: www.gruenderstadt-offenbach.de.

Tarek Mazrouhist Offenbachs neuer Ansprechpartner für Gründerinnen und Gründer, die Büros im Stadtgebiet suchen. Er ist unter 069/8065 2797 und per E-Mail an tarek.mazrouh @offenbach.de zu erreichen. 

Das lokale Standortmarketing bezeichnet Offenbach gerne als „Gründerhauptstadt“ – denn hier gibt es im Verhältnis zur Einwohnerzahl besonders viele Gewerbeanmeldungen – allerdings nicht nur von Start-ups. Nur München hat Offenbach in diesem Ranking gerade überholt und auf Platz zwei verdrängt.

Neues Zentrum geplant

Schon einmal hat die Stadt Offenbach zusätzlich zum Ostpol mehr Raum für die Kreativ- und Gründerszene geschaffen: Mit der Gründung der Zollamt-Studios gegenüber des Ledermuseums im Jahr 2014. In 52 Ateliers und Büros haben sich dort kleine Unternehmen und Kunstschaffende aus den Bereichen Fotografie, Musik, Kunst, Grafikdesign und Werbung angesiedelt. Und es ist ein dritter solcher Ort geplant: Auf dem ehemaligen Allessa-Chemiewerk im Osten der Innenstadt soll in einem Altbau am Main ein weiteres Gründungszentrum à la Ostpol entstehen. Im vergangenen Jahr ist es der Stadt nach langen Verhandlungen gelungen, sich das Areal zu sichern. „Dort können wir Gründern dann zusätzlichen Raum zur Verfügung stellen“, sagt der Leiter des Amts für Arbeitsförderung, Statistik und Integration, Matthias Schulze-Böing. Doch das wird noch einige Jahre dauern.

Derweil gib es im Ostpol schon einmal etwas kleinere Neuigkeiten zu verkünden: Gerade hat der Offenbacher Magistrat die Verlängerung der Gründungsförderung in Offenbach durch KIZ Sinnova um zwei weitere Jahre beschlossen. Entschieden wurde auch, dass die Gesellschaft in den nächsten Monaten ein Netzwerk aus Mentorinnen und Mentoren aus der Wirtschaft aufbaut, das Gründungsinteressierten mit seiner Expertise beratend zur Seite stehen wird.

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