CoronaKontrolle9_080820
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Auch Offenbachs OB Felix Schwenke (SPD, rechts) ist bei einigen Kontrollen dabei.

Offenbach

Stadtpolizei kontrolliert Maskenpflicht

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Wegen der vielen Neuinfektionen kümmern sich Offenbachs Ordnungshüter fast nur noch um den Mund-Nasen-Schutz.

Ist das ein Witz?“, will der junge Mann wissen, den ein Stadtpolizist am Freitagmittag daran hindert, unbehelligt die S-Bahn-Station am Offenbacher Marktplatz zu verlassen. Der Vorwurf: Nutzung des ÖPNV ohne Mund-Nasen-Schutz. Der Betroffene scheint sich auch nach kurzer Diskussion keiner Schuld bewusst – er habe doch eine Maske dabei, erklärt er. Zum Beweis kramt er ein schick ausschauendes schwarzes Stück Stoff aus der Tasche seiner Jogginghose hervor. Doch den Ordnungshüter stimmt das nicht um: „Das ist der falsche Ort dafür��, sagt er nur – und kassiert auf der Stelle 50 Euro.

„Wir registrieren permanent Verstöße gegen die Maskenpflicht“, sagt der neue Leiter der Offenbacher Stadtpolizei, Lothar Haack, der bei den Kontrollen am Freitag dabei ist. Aus „psychologischen Gründen“ sei es gut, wenn die Leute ihre Strafe direkt bezahlten, erklärt der Ex-Polizist – auch, weil es dann andere mitbekommen. Am Freitag hätten vier bis fünf Beamte in der S-Bahn-Station am Marktplatz binnen einer Stunde 45 Verstöße gegen die Maskenpflicht geahndet, teilt die Stadt im Nachhinein mit – am Donnerstag waren es 49.

Manche Leute tragen gar keine Maske, manche bedecken lediglich Mund oder Kinn. „Aufgrund der schieren Masse derer, die ihre Maske falsch oder gar nicht tragen, gehen uns einige durch die Lappen“, gibt Haack zu. So auch am Freitag: Während vier Leute gleichzeitig ihre Personalien abgeben und so das Personal der Stadtpolizei binden, laufen etliche Menschen ohne Mundschutz an den beschäftigten Kontrolleurinnen und Kontrolleuren vorbei. Ehrenamtliche des „Freiwilligen Polizeidienstes“ unterstützen die Stadtpolizei deshalb jetzt bei den Kontrollen.

Noch vorige Woche wurden Bus- und Bahnfahrende oder Einkaufende ohne Maske von der Offenbacher Stadtpolizei meist lediglich verwarnt und aufgeklärt – und ohne Bußgeld wieder laufen gelassen. Doch seit die Corona-Neuinfektionen in der Stadt vor rund einer Woche in Folge zahlreicher infizierter Reiserückkehrer sowie einer anscheinend hochinfektiösen Busreise in eine niederländische Käsefabrik hochgeschnellt sind, handhabt die Stadtpolizei das Thema strenger. „Es geht auch um den Abschreckungseffekt“, sagt Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD), der die Kontrollen diese Woche mehrfach begleitet hat.

Nächste Woche sind die Stadtteile dran

Die Stadtpolizei kümmert sich in den nächsten Tagen ausschließlich um das Thema Corona: Die Beamten kontrollieren seit Donnerstag von früh bis spät in Supermärkten, Friseursalons und Bars – und an Bushaltestellen und eben in S-Bahn-Stationen. Nächste Woche sind dann die Stadtteile dran. Meist versuchten sich die Leute damit herauszureden, dass sie von der Maskenpflicht nichts wüssten, erzählt Stadtpolizeichef Haack. Unter den Maskenlosen seien viele Jüngere und viele Ältere – aber vergleichsweise wenige im mittleren Alter.

Oberbürgermeister Schwenke betont, dass man nach dem rasanten Anstieg der Infektionszahlen schnell ein „Gesamtpaket an Maßnahmen“ geschnürt habe – die verstärkten Kontrollen gehörten dazu. Zu den weiteren Schritten zählen etwa neuerliche Einschränkungen bei Pflegeheimbesuchen und beim Sport, wo nur noch zehn Personen kontaktfrei gemeinsam trainieren dürfen.

Beim Durchschreiten von Gaststätten müssen in Offenbach nun wieder Masken getragen werden. Zudem hat die Stadt eine mehrsprachige Infokampagne gestartet und Flyer in Geschäften, Bussen, Unternehmen, Vereinen und religiösen Gemeinden verteilt. Alle Verschärfungen gelten bis 19. August – wohl am Vortag werde man anhand der Infektionslage entscheiden, wie es weitergeht, sagt Schwenke.

Am Freitag meldete Offenbach zwei Neuinfektionen mit dem Coronavirus – die Zahl der aktuell Infizierten lag bei 64, wie schon vor einigen Tagen. Die 7-Tage-Inzidenz bezifferte die Stadt mit 28,7 Fällen auf 100 000 Personen – noch am Dienstag lag der Wert bei 39,4. Die Zahlen steigen also nicht mehr sprunghaft, sind aber dennoch so hoch wie seit Beginn der Pandemie nicht.

Die Verkehrsbetriebe und die Ordnungsbehörden sind sich nicht einig, wer die Corona-Masken-Verordnung in Hessen kontrollieren soll.

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