Haben mit Abstandsregeln in ihrem Theaterraum kaum Platz für Publikum: Sarah C. Baumann und Frank Geisler.  
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Haben mit Abstandsregeln in ihrem Theaterraum kaum Platz für Publikum: Sarah C. Baumann und Frank Geisler.  

Offenbach

Offenbach: Stadt stellt Raum für Kulturschaffende bereit

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Unter anderem die Abstandsregeln gefährden Existenzen im Kulturbereich. Die Stadt Offenbach springt hier nun in die Bresche und stellt einen Veranstaltungssaal für lokale Kulturschaffende bereit.

Wie sieht eine Liebesszene im Theater aus, wenn dabei Abstandsregeln eingehalten werden müssen? Es sind keineswegs nur solche inhaltlichen Fragen, die Kulturschaffenden dieser Tage Kopfzerbrechen bereiten. Zwar hat das Land im Zuge der Corona-Krise jüngst ein weiteres Hilfsprogramm für die Kulturszene aufgelegt, mit einem Volumen von 50 Millionen Euro – doch gibt es weiterhin Kulturschaffende, die durch das Raster der Förderbedingungen fallen.

So zum Beispiel das Theater „t-Raum“ in Offenbach. Im Kern besteht das Team der freien Bühne aus Sarah C. Baumann und ihrem Mann Frank Geisler. Die bisherigen Fördertöpfe konnte das Paar nicht anzapfen – unter anderem, weil der t-Raum nicht als Verein organisiert ist.

Und jetzt? Baumann und Geisler leben von ihrem Theater, sind aber nicht in der Künstlersozialkasse registriert. Doch eine Mitgliedschaft dort ist Bedingung, um eines der jüngst vom Land in Aussicht gestellten Kulturstipendien zu erhalten. Und in einen weiteren Fördertopf – einen neuen Kulturfonds – kann wohl nur greifen, wer regelmäßig Veranstaltungen anbietet. Geisler aber sagt, im t-Raum gebe es keine zehn Vorstellungen pro Monat, außer man rechne zum Beispiel Workshops hinzu. Das Paar wartet nun ab, ob zumindest der letztgenannte Förderweg gangbar ist – oder ob der t-Raum auch dort leer ausgeht.

Ortswechsel

Die erste Aufführung des Theaters t-Raum im Offenbacher Capitol ist am Freitag, 26. Juni geplant. Aufgeführt wird Schillers „Die Räuber“. Mehr Informationen: www.of-t-raum.de.

Zur Unterstützung Offenbacher Kulturorte hat die Stadt die Kampagne „#futureOFculture“ ins Leben gerufen: offenbach.de/future-of-culture. fab

Hoffnung macht den beiden Theatermachenden nun ausgerechnet die klamme Kommune Offenbach. Die Stadt hat beschlossen, einen Saal im städtischen Capitol-Theater für die lokale Kulturszene zu öffnen. Geisler ist sehr glücklich darüber. Denn im eigenen Theater könnten unter Wahrung der geltenden Abstandsregeln seiner Schätzung nach lediglich einige wenige Zuschauer Platz nehmen.

Im Max-Dienemann-Saal des Capitols hingegen sei Platz für 35 Gäste. Ende Juni geht es los, von da an spielen Geisler und Baumann jeden Freitag in dem neuen Saal. Einige bequeme Stühle und Sofas haben sie schon dorthin transportiert, um für Atmosphäre zu sorgen. „Wir sehen zu, so viel wie möglich der Betriebskosten durch Unterstützer abdecken zu können“, sagt Capitol-Geschäftsführerin Birgit von Hellborn, die auf die Idee kam, den Saal lokalen Kulturschaffenden zur Verfügung zu stellen. Man hoffe, dass „möglichst das gesamte Eintrittsgeld bei den Künstlern bleiben kann“.

Offenbachs Oberbürgermeister und Kulturdezernent Felix Schwenke (SPD) betont, dass die Bühne in dem Saal „prioritär den kleinen Offenbacher Kulturtreibenden zur Verfügung stellen soll“ – jenen also, die wie Baumann und Geisler derzeit sonst keine Auftrittsmöglichkeiten hätten, aber von ihrer Kultur leben.

Ein paar Sorgen machen sich die t-Raumler dennoch: So wisse man etwa noch nicht, wie man eine längere Aufführung spannend genug halten kann, wenn die Vorgabe eigentlich besagt, dass alle 30 Minuten durchgelüftet werden soll. Beim Thema Nähe zumindest müssen sich Baumann und Geisler keine Gedanken machen: Als zusammenlebendes Paar gelten für sie keine Abstandsregeln. Auch nicht auf der Bühne.

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