Bitte deaktivieren Sie Ihren Ad-Blocker

Für die Finanzierung unseres journalistischen Angebots sind wir auf die Anzeigen unserer Werbepartner angewiesen.

Klicken Sie oben rechts in Ihren Browser auf den Button Ihres Ad-Blockers und deaktivieren Sie die Werbeblockierung für FR.de. Danach lesen Sie FR.de gratis mit Werbung.

Lesen Sie wie gewohnt mit aktiviertem Ad-Blocker auf FR.de
  • Zum Start nur 0,99€ monatlich
  • Zugang zu allen Berichten und Artikeln
  • Ihr Beitrag für unabhängigen Journalismus
  • Jederzeit kündbar

Sie haben das Produkt bereits gekauft und sehen dieses Banner trotzdem? Bitte aktualisieren Sie die Seite oder loggen sich aus und wieder ein.

Welches Verb passt zur Pose? Beim Deutschsommer vertiefen Kinder spielerisch Sprachkenntnisse.
+
Welches Verb passt zur Pose? Beim Deutschsommer vertiefen Kinder spielerisch Sprachkenntnisse.

Offenbach

Offenbach: Sprachförderung in Zeiten von Corona

  • Fabian Scheuermann
    VonFabian Scheuermann
    schließen

Statt in einem Feriencamp im Spessart verbringen Offenbacher Kinder ihren „Deutschsommer“ wegen Corona in diesem Jahr in der Schule.

Sechs Kinder zwischen acht und zehn Jahren sitzen mit der Pädagogin Nina Hess in der Offenbacher Eichendorffschule und überlegen. Hinter den Fenstern rascheln Platanenblätter. Es ist warm. Ein Kind, Benjamin, steht auf, hebt einen Arm und bewegt dabei den anderen. Er spielt Luftgitarre. Während die Lösung seiner „Verbpantomime“ für manche auf der Hand liegen mag – musizieren –, ist das Erraten und Aussprechen dieses Wortes für Kinder, die nicht so gut Deutsch sprechen, eine Herausforderung.

Von diesen Kindern gibt es in Offenbach viele. Das zeigen die Sprachtests, die bei Kindern im Jahr vor deren Einschulung durchgeführt werden: Während in der Stadt 2016 noch 32 Prozent der Kinder mit Migrationsgeschichte – das sind in Offenbach rund zwei Drittel der Sechsjährigen – vor ihrer Einschulung fehlerfrei Deutsch sprechen konnten, waren es 2017 noch 28 Prozent und 2018 nur noch 17 Prozent.

Sprachlernferien mit Tradition

Der Deutschsommer richtet sich an Kinder der dritten Klasse mit erhöhtem Sprachförderbedarf. 

Das Ferienangebot baut auf einem Pilotprojekt aus Bremen auf. In Hessen machen mittlerweile zehn Städte mit.

Umso wichtiger ist da ein Angebot wie der Deutschsommer, der in Offenbach gerade in sein elftes Jahr geht. Eigentlich ist das Programm, das unter der Ägide der Stiftung Polytechnische Gesellschaft 2007 in Frankfurt entstand, wie ein Feriencamp angelegt: In Offenbach sind es 30 Grundschulkinder der dritten Jahrgangsstufe, die mit einem zehnköpfigen Pädagogikteam in den Sommerferien drei Wochen im Landheim Wegscheide bei Bad Orb verbringen. Spielerisch lernen sie den ganzen Tag über Deutsch, und am Ende steht eine Theateraufführung und ein verbesserter Zugang zur deutschen Sprache. In Hessen bieten zehn Städte einen Deutschsommer an.

Doch in diesem Jahr ist wegen Corona alles etwas anders, abgespeckter. Der Leiter des Offenbacher Deutschsommers, Jörg Muthorst, ist froh, dass es das Feriencamp 2020 überhaupt gibt. Statt rund um die Uhr im Spessart findet das Programm vormittags an einer Schule statt, mit 24 statt 30 Kindern. Um die Hygieneregeln einzuhalten, fällt das Übernachten flach – und somit auch das totale Eintauchen in die deutsche Sprache, das viele Kinder, die zu Hause eine andere Sprache sprechen, so nicht kennen. Und statt an einem Theaterprojekt arbeiten die Kinder jetzt an einem Hörspiel. Die Stadt Frankfurt handhabt es ähnlich.

Die vierte Klasse, mit der die Kinder nach den Sommerferien beginnen, sei wichtig, sagt Offenbachs Bildungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) – weil dort die Weichen für die weitere Schullaufbahn gestellt werden. „Die Kinder brauchen da einen Schub“, sagt er. Zudem sei der Lernbedarf wegen der Schulschließungen in diesem Jahr besonders groß. Die Stadt kostet der Deutschsommer, der parallel zur Schule im Herbst und Winter weitergeht und stets ausgebucht ist, 50 000 Euro, die Erhard-Kunert-Stiftung legt denselben Betrag drauf. Eine Ausweitung der Kapazitäten ist derzeit nicht geplant.

In den Klassenräumen der Eichendorffschule ist die Stimmung am Dienstag gut. Beim Sitzen muss kein Mundschutz getragen werden. Es wird viel gelacht. Und die Gruppen sind in diesem Jahr kleiner als ohnehin schon: In der Hörspielgruppe kommen zwei Erwachsene auf sechs Kinder. Sie reden über das Buch „Zelten mit Meerschwein“ von Mareike Krügel. Darin geht es passenderweise um Sommerferien – die so ganz anders laufen als geplant.

Der Krisenstab hat in Offenbach getagt. Die Stadt Offenbach verzeichnet die höchste Zahl an Corona-Infizierten seit Ausbruch der Pandemie.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare