+
Die Offenbacher Hafentreppe ist wegen Corona gesperrt - und eindeutig plakatiert. 

Kommentar

Offenbach: Sperrung öffentlicher Plätze trifft die Ärmsten

  • schließen

Die Anti-Corona-Maßnahmen sind in Offenbach härter als in anderen Städten. Die Beschränkungen treffen Jugendliche aus Innenstadtvierteln besonders hart. Ein Kommentar.

Die Platzsperrungen in Offenbach treffen vor allem die Jugendlichen und jungen Erwachsenen, die mit ihren Familien auf engstem Raum im Nordend oder in der Innenstadt leben. Junge Leute, die teils nicht mal ein eigenes Zimmer haben, sondern im Wohnzimmer der Eltern auf der Couch schlafen. Nachdem ihre Lieblingsorte abgesperrt wurden, sammeln sie sich nun auf dem – enger gewordenen – verbliebenen Raum. Oder sie treffen sich illegal in geschlossenen Bars. Das ist seit Beginn der Sperrungen mehrfach vorgekommen. Das Absperren öffentlicher Räume wirkt nicht gerade wie eine Anti-Corona-Strategie, die alle mitdenkt.

Stattdessen scheint es fast so, als erhebe sich die Stadt über einen Teil ihrer Bewohnerschaft: „Stadtpolizei greift gegen schwarze Schafe durch“, war neulich etwa in einer Mitteilung der Stadt zu lesen, als auf einen Hinweis hin eine heimlich geöffnete Shishabar ausfindig gemacht wurde.

Klar: Manche Jugendliche halten sich nicht an die bestehenden Abstandsregeln. Manchmal hilft auch eine Ermahnung nicht. Wenn dann ein Bußgeld folgt, ist das konsequent. Aber die Flächen, wo sich junge Leute treffen, sollten offen bleiben. Denn sie haben meist keine Gärten oder große Wohnungen, in denen sie sich entspannt aufhalten können. Die nun im 24-Stunden-Einsatz tätige Stadtpolizei könnte auf den Plätzen Überzeugungsarbeit leisten und hartnäckig an die Verantwortung der Einzelnen appellieren. Das wäre aufwendig. Aber es würde die soziale Kluft in Offenbach nicht noch vergrößern.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare