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Offenbach setzt bei der Verkehrswende auf Busse und auf Fahrradstraßen.

Offenbach

Radentscheid fordert ein Mobilitätskonzept

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Initiative Radentscheid Offenbach hat einen umfassenden Forderungskatalog erarbeitet und will ab September Unterschriften in der Stadt sammeln.

Ein „durchgängiges und leistungsfähiges“ Radwegenetz durch die ganze Stadt schaffen – das ist die Hauptforderung der Initiative Radentscheid Offenbach. Nach einem halben Jahr intensiver Abstimmung hat die Initiative nun ihren Forderungskatalog veröffentlicht, im September soll mit dem Sammeln von Unterschriften für ein Bürgerbegehren begonnen werden. So soll ein Bürgerentscheid und letztlich ein Rathausbeschluss herbeigeführt werden, der die Verbesserung der Fahrradinfrastruktur in der Stadt zur Folge hat. Die Mindestanzahl der Unterschriften von Wahlberechtigten, die gesammelt werden müssen, liegt in Offenbach bei 2686.

„Es geht um mehr Gleichberechtigung im öffentlichen Raum“, antwortet Harry Neß vorsichtig auf die Frage, warum er einen Radentscheid in Offenbach für nötig hält. Immer noch belegten Autos in der Stadt den meisten Straßenraum – trotz vieler Bekenntnisse von politischer Seite zur Verkehrswende. Es fehle an einer „Vision“ für den Radverkehr in der Stadt. Neß zählt zum engeren Kreis der etwa 150 bis 200 Leute, die in den letzten Monaten laut eigenen Angaben an dem Forderungskatalog der Initiative mitgearbeitet haben.

Obwohl Offenbach klein und flach ist, liegt der Anteil des Radverkehrs dort mit elf Prozent (Stand 2017) etwas niedriger als in vergleichbaren Großstädten. Die Stadt verfolge zwar seit ein paar Jahren mit „Bike Offenbach“ einen Plan zum Bau eines Fahrradstraßennetzes durch die Stadt – dies sei aber „noch kein Gesamtkonzept“ für den Radverkehr, findet Radentscheid-Sprecher Jochen Teichmann, der neue Fahrradstraßen dennoch gut findet. Sie könnten sich gut in das geforderte Radwegekonzept einfügen, sagt er.

Mitmachen und Mitfahren

Wer die Initiative Radentscheid Offenbach unterstützen möchte, kann eine Nachricht an die Adresse mitmachen@ radentscheid-offenbach.de senden. Mehr Informationen gibt es auf der Seite radentscheid-offenbach.de Eine Übersicht zu Radentscheiden in Deutschland gibt es unter changing-cities.org/radentscheide Mehr Informationen zum städtischen Fahrradstraßenprojekt „Bike Offenbach“ hat die Stadt auf bike-offenbach. de gebündelt. Um ihre Miet-Pedelec-Flotte zu bewerben, bietet die Stadt in diesem Jahr mehrere Fahrradtouren an. Die Fahrräder mit elektrischer Antriebshilfe werden dabei gestellt. Die Autorin Ida Todisco leitet die Touren durch Offenbach. „Wir lassen uns treiben, vorbei an vielen versteckten Schätzen, Alltagsschönheiten und kreativen Orten“, sagt sie. Die nächsten Touren gibt es am 8. und am 29. August. Mehr Infos unter offenbach.de/emobil-sommertouren und unter 069/840004170.

Konkret fordern die Radbewegten, dass 90 Prozent der Stadtbevölkerung die neu zu schaffenden Radhauptverbindungen in maximal 300 Metern erreichen können sollen. Auch auf den Hauptstraßen solle es sichere Radwege geben – die Stadt realisiert derzeit vor allem Radverbindungen auf Nebenstraßen. Die neuen Radwege an Hauptstraßen sollen baulich vom Autoverkehr geschützt werden – ohne dass Flächen für den Fußverkehr oder den ÖPNV wegfallen.

Im Forderungskatalog aufgeführt ist unter anderem auch die Einrichtung von „Superblocks“ – das sind Wohngebiete, die mit dem Auto künftig nur noch für Anlieger erreichbar sein sollen. Auch soll die Stadt mindestens 500 neue Fahrradbügel aufstellen und ein Lastenradkonzept erarbeiten – in Zusammenarbeit mit der Stadt Frankfurt und dem Main-Kinzig-Kreis sollen zudem zwei Fußgänger- und Fahrradbrücken über den Main „in die Planung“ genommen werden.

Jürgen Weil, Referent von Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) zufolge sei die Stadt mit der Initiative in Kontakt. Derzeit erstelle man für den Radentscheid eine Liste mit Kostenvoranschlägen für die geforderten Projekte. Wegen unbesetzter Stellen könne das aber dauern. „Bestimmte Dinge“ aus dem Forderungskatalog seien auch im Sinne der Stadt, ergänzt Weil.

Radentscheide gab es unter anderem schon in Darmstadt und Frankfurt – wo zwar die Bürgerbegehren an Formalitäten scheiterten, einige Forderungen aber dennoch umgesetzt wurden oder werden sollen.

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