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Über der Deponie Grix auf dem Offenbacher Schneckenberg produziert die EVO seit 2012 Strom.

Offenbach

Offenbach: Photovoltaik-Ausbau stockt

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Der Offenbacher Energieversorger EVO könnte neue Solaranlagen auf städtischen Dächern betreiben – wenn die Stadt denn danach fragt. Wie Offenbachs Strategie aussieht, bleibt unklar.

Beim Offenbacher Stadtplanungsamt heißt es, dass es derzeit schwierig sei, Betreiber für Photovoltaikanlagen zu finden. So wird erklärt, warum auf dem großen Dach eines Neubaus auf dem Gelände der Geschwister-Scholl-Schule in Offenbach-Bieber statt einer neuen Photovoltaikanlage zunächst „nur“ ein Gründach entsteht. Bei der Energieversorgung Offenbach (EVO) heißt es hingegen, man betreibe „im Prinzip immer gerne“ neue Photovoltaikanlagen. Auch auf Schuldächern. Nur habe sich die Stadtplanung diesbezüglich noch nicht gemeldet.

Damit konfrontiert reagiert die Stadt ausweichend. Eine Anfrage lässt das Planungsdezernat über die Pressestelle beantworten: Man wolle beim Neubau der Geschwister-Scholl-Schule „im Rahmen der Projektrealisierung“ einen Betreiber für eine Solaranlage suchen. Also in den kommenden Jahren. Ungeklärt bleibt, warum die Stadt dennoch plant, das Dach auf dem Neubau dort zunächst „extensiv“ zu begrünen – wenn man nach Fertigstellung des Neubaus doch eigentlich auf dem Dach eine Photovoltaikanlage installieren lassen will.

Der Ausbau der Solarenergie ist in Offenbach in den vergangenen Jahren so gut wie zum Erliegen gekommen. Vor 2013 entstanden in der Stadt noch – oft in Zusammenarbeit mit der EVO – mehrere teils sehr große Solaranlagen, zum Beispiel auf dem Dach des Stadions am Bieberer Berg und auf dem Schneckenberg. Doch wurde seitdem lediglich auf dem städtischen Alten- und Pflegeheim eine neue Solaranlage der EVO in Betrieb genommen – 2019. Schulneubauten am Hafen und in Bieber-Waldhof sowie mehrere Kitas entstanden ohne Photovoltaik auf den Dächern – auf dem Dach einer neuen Kita in der Brandenburger Straße ist jetzt aber wieder Photovoltaik geplant.

Strom vom Dach

22 Photovoltaikanlagenexistieren in Offenbach auf städtischen Bauten und Grundstücken – plus sechs Anlagen auf Gebäuden von Tochtergesellschaften.

In Frankfurtproduzieren auf städtischen Gebäuden 80 PV-Anlagen Strom (Wiesbaden: 45; Darmstadt: 35).

Mehr Informationenzu den Solarprojekten der EVO, deren zweitgrößte Anteilseignerin die Stadt Offenbach ist, gibt es unter www.evo-ag.de/ technik-und-umwelt/photovoltaik. fab

Offenbach ist im regionalen Vergleich Schlusslicht beim Ausbau der Solarenergie: Das zeigt der Blick auf die in den vergangenen Jahren geplanten und errichteten Anlagen in Großstädten wie Frankfurt, Wiesbaden und Darmstadt. Vorreiter ist derzeit die Landeshauptstadt, wo alleine im vergangenen Jahr sieben neue Anlagen auf städtischen Gebäuden errichtet wurden. Kleinere Anlagen betreibt das Umweltamt dort laut einem Beschluss aus dem Jahr 2019 sogar selbst.

Auch in Frankfurt entstehen trotz sinkender Einspeisevergütung jedes Jahr neue Anlagen, auch Kita-Dächer werden regelmäßig mit Photovoltaikplatten bestückt. Mit der Ausstattung des Dachs auf der Messehalle 12 entstand zudem vor zwei Jahren die zweitgrößte Anlage der Stadt, deren Energieerzeugung alleine dem Jahresverbrauch von rund 240 Vier-Personen-Haushalten entspricht. Die jüngste Anlage Frankfurts hat im vergangenen Jahr ein Bürgersonnenkraftwerksverein aus Marburg auf der IGS Eschersheim errichtet.

In Darmstadt entstanden in den vergangenen Jahren ebenfalls mehrere neue Anlagen – darunter auf der Lichtenbergschule die bislang zweitgrößte Solaranlage auf einem öffentlichen Darmstädter Gebäude.

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