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Schüler im Unterricht. (Symbolbild)

Arbeitsmarkt

„YouBot“ verfasst für Schüler in Offenbach Bewerbungen

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Das Programm soll die Chance der Schüler bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz erhöhen.

In sozialen Netzwerken sind Bots bereits gang und gäbe: Programme, die selbstständig Texte verfassen und die sich kaum von von Menschenhand verfassten Kommentaren unterscheiden lassen. In Offenbach wurde nun „YouBot“ entwickelt, ein Bewerbungsassistent für Schüler.

„Die Hürde des Bewerbungsschreibens ist für viele Schüler sehr hoch“, sagt Salvatore Caruso, Schulleiter der Edith-Stein-Schule bei der Vorstellung des Bewerbungsassistenten am Freitag im Rathaus. Oft verhindere ein schlecht formuliertes Anschreiben, dass die Schüler überhaupt die Chance zur persönlichen Vorstellung erhielten.

„Durch YouBot wird diese Hürde genommen, die Schüler bekommen unkompliziert ein individuelles Bewerbungsschreiben“, sagt Brigitte Kümbel, Leiterin der Servicestelle KAUSA in der Stadt. Die Servicestelle unterstützt seit Juli 2017 Schüler bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Da KAUSA ein auf drei Jahre befristetes Projekt ist, das in diesem Sommer endet, der Bedarf in der Stadt aber unverändert hoch ist, war ihr an einer Verstetigung gelegen. Da war es günstig, dass der im Nordend beheimatete Verlag Ausbildungspark einen Bewerbungsassistenten entwickeln wollte: In Kooperation mit der Servicestelle entstand mit Morkramer Media der YouBot.

„Wir haben gut 4000 Bewerbungsschreiben von Schülern analysieren lassen“, sagt Kümbel. Die darin enthaltenen Formulierungen sind Grundlage des Programms, die Anschreiben wirken dadurch authentisch. „Wir haben die Ergebnisse von Personalern bewerten lassen – niemand konnte erkennen, dass sie von einem Programm erstellt wurden“, sagt Bülent Gültekin, der gemeinsam mit Marcus Mery Geschäftsführer des Ausbildungspark-Verlags ist.

Tatsächlich wirken die von YouBot erzeugten Anschreiben erstaunlich individuell: Das Programm erteilt im Namen der Schüler höfliches Lob, erklärt, wie sie auf die jeweilige Firma aufmerksam wurden, entschuldigt sich auch für mögliche schlechte Noten und gelobt Besserung. Ermöglicht wird dies durch einen umfangreichen Fragenkatalog, den die Schüler zu bearbeiten haben. Momentan gibt es Fragen zu 40 unterschiedlichen Berufen, die Datenbank soll aber kontinuierlich erweitert werden. „Nur die Entscheidung, welchen Beruf die Jugendlichen ergreifen wollen, die ersetzt YouBot nicht“, sagt Kümbel.

Da Offenbach bei der Entwicklung kooperierte, steht YouBot allen hiesigen Schülern unbegrenzt kostenfrei zur Verfügung, wie Mery betont. In den jeweiligen Schulsekretariaten können die Schüler das täglich wechselnde Passwort für die Software anfordern. Ab kommender Woche werde der Verlag den Assistenten landesweit bewerben, Ziel sei letztlich ein bundesweiter Einsatz. „YouBot sucht seinesgleichen am Markt“, sagt Mery.

Der Bewerbungsassistent sei einfach zu bedienen und schnell, lobt Schülerin Ikram Haddoudi das Programm. Ihr Schulleiter Salvatore Caruso wünscht sich einen Einsatz an sämtlichen Schulen. „Die Schulen brauchen diese Unterstützung dringend“, sagt er.

Dass der Bedarf für solche Produkte groß ist, zeigt sich auch daran, dass der Verlag schon an einem Assistenten für Lebensläufe und einer Hilfe für Einstellungstests arbeitet.

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