Eine Spielhalle.
+
Eine Spielhalle.

Offenbach

Offenbach: Stadt will Jugend vor Glücksspiel schützen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
    schließen

Die Offenbacher Stadtverordneten haben ein Konzept gegen Spielsucht bei Jugendlichen beschlossen.

Mehr als 18 Millionen Euro wurden 2018 in Offenbacher Spielhallen und Wettbüros verspielt, das sind rund 148 Euro pro Person – im Landesdurchschnitt sind es „nur“ 99 Euro. Die Stadtverordneten haben in ihrer gestrigen Sitzung nun ein Konzept beschlossen, das vor allem junge Menschen vor den Folgen der Spielsucht schützen soll.

Gesundheitsdezernentin Sabine Groß (Grüne) zufolge bestehe bei Jugendlichen – gerade in Offenbach – großer Bedarf an „aufsuchender Glücksspielprävention“. Man müsse daher „Wege finden, diese Menschen zu erreichen“. Studien zufolge habe die betroffene Altersgruppe trotz des gesetzlichen Verbots bereits „breiten Zugang zu Glücksspielen“, heißt es bei der Stadt.

Das Spielsucht-Konzept sieht vor, dass Fachpersonal aus Jugend- und Suchthilfe auf die junge Zielgruppe zugeht und dabei „durch aktive Ansprache“ für Risiken und Erscheinungsformen von Spielsucht sensibilisiert. Für zunächst vier Jahre stehen dafür je 25 000 Euro bereit. Ein Träger muss noch gesucht werden.

Die Stadt verdient an den Spielhallen seit der Einführung einer Wettaufwandsteuer im Juli 2018 gutes Geld: Rund eine halbe Million Euro waren es 2019. Stadtsprecher Fabian El-Cheikh verweist jedoch darauf, dass Wettbürobetreibende schon „etliche Widersprüche“ gegen die neue Steuer eingelegt haben. Kritisiert werde von ihnen, dass die Begriffe „Veranstaltungsstätte“ und „Mitverfolgen des Wettereignisses“ durch die Rechtsprechung noch nicht klar genug definiert seien.

Ordnungsdezernent Peter Freier (CDU) hatte bei Einführung der Steuer gesagt, dass auch sie als „präventives Lenkungsmittel“ dabei helfen solle, „die Spielsucht zu bekämpfen“. Dass das nicht alle in der Offenbacher Rathauskoalition so sehen, machte im Vorfeld der gestrigen Sitzung der grüne Stadtverordnete Tobias Dondelinger auf Twitter deutlich. Dort schrieb er: „Mir kam das eher so vor wie: Die Stadt will auch was von der Kohle abhaben, die in den Wettbuden verzockt wird.“ Mit dem neuen Konzept wolle man nun dafür sorgen, dass „zumindest ein Teil des eingenommenen Geldes“ für „echte Prävention“ genutzt werde.

Dominik Imeraj von der Wählervereinigung Junges Offenbach kritisierte in der Sitzung der Stadtverordneten am Donnerstag, dass das Konzept nur zwei Seiten umfasse. Es sei eher eine „Beschreibung der Ausgangslage“ und weniger ein Konzept, sagte er. Ein Änderungsantrag der Linken, der ein „richtiges“ Konzept forderte, fand bei den Abgeordneten keine Mehrheit.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare