Offenbach

Offenbach: Ausbildungen in Teilzeit eher unbekannt

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Das kommunale Jobcenter Mainarbeit in Offenbach bringt überdurchschnittlich viele Alleinerziehende in Arbeit. Manche Ausbildungsbetriebe müssen erst überzeugt werden.

Bei Unternehmen“, sagt Judith Becker, „ist das noch gar nicht so bekannt.“ Becker ist Ausbildungsvermittlerin bei Offenbachs kommunalem Jobcenter Mainarbeit und sie spricht von der schon lange bestehenden Möglichkeit, Ausbildungen in Teilzeit zu absolvieren. Die Mainarbeit fördert solche Ausbildungen finanziell und unterstützt so Alleinerziehende, die Leistungen beziehen. Auf diesem Wege sollen sie eine bezahlte Arbeitsstelle finden.

Eine interne Erhebung der Mainarbeit zeigt, dass Offenbach bei der Integration von Alleinerziehenden in den Arbeitsmarkt im hessenweiten Vergleich recht erfolgreich ist: So konnten 2018 bei rund 25 Prozent der betroffenen Personen Stellen oder Ausbildungsplätze vermittelt werden – alle hessischen Jobcenter lagen im Durchschnitt bei rund 22 Prozent, in Frankfurt lag der Wert bei etwa 21 Prozent.

Hintergrund

Beim Offenbacher Jobcenter
Mainarbeit kümmert sich seit 2010 ein eigenes Team um die berufliche Integration von Alleinerziehenden.

1418 Alleinerziehendebeziehen in Offenbach derzeit Leistungen des Jobcenters. 147 konnte in der ersten Jahreshälfte eine Ausbildung vermittelt werden. Von der Mainarbeit gefördert wurden bis Ende Juli 33 Ausbildungsverhältnisse – 13 davon in Teilzeit. Die Zahlen der letzten Jahre sind ähnlich.

Drei Organisationenhelfen den alleinerziehenden Auszubildenden im Auftrag der Mainarbeit bei der Bewältigung ihrer vielfältigen Aufgaben: Das Berufsbildungswerk Südhessen , die Lernwerkstatt und die Lehrerkooperative des Arbeiter-Samariter-Bunds. fab

Einen weiteren Artikel zum Thema finden Sie hier: https://www.fr.de/rhein-main/arbeiter-samariter-bund-org26228/chance-junge-muetter-vaeter-11007613.html

Die Alleinerziehenden, die in Offenbach Leistungen vom Jobcenter erhalten, sind zu 95 Prozent junge Mütter. So wie Sara Gegnoso: Die heute 25-Jährige hatte ihre Ausbildung abgebrochen als sie mit 17 Jahren schwanger wurde. Mittlerweile hat sie zwei Kinder, aber keinen Partner mehr. Trotzdem ist es ihr gelungen, eine Ausbildung in Teilzeit zur zahnmedizinischen Fachangestellten zu absolvieren.

Gegnoso arbeitet jetzt 30 Stunden die Woche in einer Offenbacher Zahnarztpraxis. „Das ist der Beleg, dass man auch unter widrigen Umständen beruflich erfolgreich sein kann“, sagt der Leiter der Mainarbeit, Matthias Schulze-Böing. Er macht aber auch klar, dass dieses Modell nicht für alle geeignet sei. Gegnoso sagt: „Am Anfang wusste ich nicht, ob ich das schaffe.“ Sie bestätigt, dass eine Teilzeitausbildung trotz der reduzierten Stundenzahl sehr anspruchsvoll sei – auch wenn sie gut damit klar kam. Denn die Anzahl der Stunden, die man zur Berufsschule geht, gleichen einer Vollzeitausbildung. Dazu kommen die Kinder, um die man sich kümmern muss. Bei alledem helfen Organisationen wie die Lernwerkstatt oder die Lehrerkooperative des Arbeiter-Samariter-Bunds, die mit der Mainarbeit kooperieren.

Die Auszubildenden besuchen diese Organisationen jede Woche – zusätzlich zur Ausbildung und zur Berufsschule. „Wenn du Probleme hast, komm zu uns“, habe man ihr bei der Lernwerkstatt stets gesagt, erzählt Gegnoso. Ganz konkrete Unterstützung gab es beispielsweise bei der Suche nach einem Betreuungsplatz für ihre Tochter. Probleme gebe es allerdings häufig zu Beginn der Schulzeit, da Hortplätze fehlten, erzählt Régine Bozon, die bei der Mainarbeit die Abteilung Vermittlung von Alleinerziehenden leitet.

Den Lohn der geförderten Teilzeitausbildenden und die Arbeit der Träger zahlt die Mainarbeit: Trotzdem müsse man manche Arbeitgeber erst davon überzeugen, eine junge Mutter in Teilzeit auszubilden, erzählt Bozon.: „Die Hürden in den Berufseinstieg sind für Alleinerziehende viel höher.“

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