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Ungewöhnliches Wahrzeichen: Vier Jahre lang schmückten die neun Buchstaben den „Feldherrnhügel“ am Offenbacher Marktplatz.

Offenbach

Neue Bleibe für Offenbach-Schriftzug gesucht

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Der Schriftzug am Offenbacher Marktplatz wurde wegen eines Neubauprojekts abmontiert und eingelagert. Ein Architekt schlägt vor, eine Umfrage zum neuen Standort durchzuführen.

Er stand nur vier Jahre lang, doch ist der große Offenbach-Schriftzug am nördlichen Abschluss des Marktplatzes in dieser kurzen Zeit vielen Leuten sehr ans Herz gewachsen. „Offenbach Hills“ nennen manche die Sehenswürdigkeit – in Anlehnung an den in gleicher Schriftart gestalteten Schriftzug in den kalifornischen Hollywood Hills. Nun wurden die neun menschengroßen Metall-Buchstaben am Rande der Berliner Straße abmontiert und in einer Halle eingelagert – weil an ihrer Stelle ein Wohn- und Geschäftskomplex entsteht. Darüber, wo der Schriftzug wieder aufgestellt werden soll, wird in der Stadt nun diskutiert.

Man prüfe „kreativ und ergebnisoffen alle potenziell in Frage kommenden Standorte“, heißt es dazu bei der Pressestelle der Stadt. „Sollte sich nicht sofort ein idealer Standort auf lange Sicht finden lassen, werden wir auch eine neue temporäre Installation ins Auge fassen“, sagte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD). Denn dass die Buchstaben nicht ewig auf dem „Feldherrnhügel“ genannten Erdhaufen am Marktplatz thronen können, war von Anfang an bekannt. Noch in diesem Monat soll dort auch der Teilabriss des benachbarten Parkhauses beginnen. Die Büsche und Bäume, die den Hügel inmitten von viel Beton zu einem grünen Flecken gemacht haben, wurden bereits gerodet.

Mehrere Standorte  im Gespräch

Mehrere Standorte sind für den Schriftzug im Gespräch: Unter anderem die Spitze der Hafen-Halbinsel, wo ab Herbst ein neuer Park angelegt wird, sowie ein weiterer neuer – kleiner – Park zwischen Dom- und Berliner Straße am Südrand des Nordends.

Oliver Kremershof findet, dass sich der Schriftzug wieder gut an einem urbanen Ort machen würde – etwa auf dem Kreisel am Max-Willner-Platz: Dort, an der Schnittstelle zwischen Nordend und Kaiserlei könne „Offenbach Hills“ von Frankfurt aus kommend wie eine Begrüßung fungieren – ohne im Abseits zu stehen. Kremershof ist Mitbegründer der Agentur Urban Media Project, die seinerzeit daran beteiligt war, Sponsorengelder für die Buchstaben aufzutreiben. Entworfen hat sie Heinrich Zimmermann, damals Student an der Hochschule für Gestaltung (HfG).

Dass der Schriftzug längst auch Teil des Offenbacher Stadtmarketings ist, im Rahmen dessen sich die schnell wachsende Stadt als kreative und unkonventionelle Alternative zu Frankfurt positioniert, machen die Äußerungen von OB Schwenke deutlich: Der „zu einem Wahrzeichen gewordene Schriftzug“ stelle „für viele Menschen ein stolzes Bekenntnis und Ausdruck eines besonderen Offenbacher Lebensgefühls dar“, sagte er. Manche sehen diesen Maketingaspekt aber auch kritisch – weil ein hipperes Image angesagte Stadtteile verteuere.

Statement mit Selbstironie

Kremershof weist darauf hin, dass die Beteiligten das Projekt immer auch „mit einem Augenzwinkern gesehen“ haben – schließlich habe man die Lettern „am hässlichsten Ort der Stadt“ aufgestellt und nicht, wie in Hollywood, vor einem idyllischen Hügelpanorama. „Diese Selbstironie steht auch für die Stadt Offenbach“, sagt Architekt Fabian Riemenschneider. Er kümmerte sich vor vier Jahren unter anderem darum, dass die Fundamente für die später weiß getünchten Buchstaben gegossen wurden. Riemenschneider schlägt eine Umfrage vor, die klärt, wo die Menschen in der Stadt ihr liebgewonnenes Wahrzeichen künftig stehen haben wollen. „Das würde auch nochmal eine ganz andere Identifikation mit dem Schriftzug schaffen“, sagt Riemenschneider.

Wobei: Das Thema Identifikation schien auch bislang schon ganz gut zu funktionieren. Darauf deutet jene Armada an Fotos hin, die alle möglichen Leute vor den Buchstaben gemacht haben und die im Netz zu finden sind – darunter sind auch sieben grimmig dreinschauende bärtige Männer. Erst der zweite Blick zeigt: Es ist die Werbung einer Offenbacher Firma für Bartpflegeprodukte.

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