+
Die Seifenproduktion im vergangenen Oktober. Die Schließung trifft 72 Angestellte.

Insolvenz

Kappus Offenbach wird geschlossen

  • schließen

Das Werk des Seifenherstellers in Waldhof wird nicht weitergeführt. 72 Mitarbeiter verlieren ihren Arbeitsplatz.

Vor dem Amtsgericht Offenbach begann am Freitag um 11 Uhr der letzte Akt für das Traditionsunternehmen M. Kappus: Insolvenzverwalter Franz-Ludwig Danko musste nach einer Gläubigerversammlung die Schließung des Werks des Seifenherstellers in Waldhof verkünden. Für 72 Angestellte und zehn Aushilfen bedeutet das den Verlust ihres Arbeitsplatzes. Die drei weiteren Produktionsstandorte Krefeld, Riesa und Heitersheim sind von der Schließung nicht betroffen.

„Man hat zu lange auf den weißen Ritter gehofft, der alles ins Reine bringt“, sagt Aman Yoseph, Gewerkschaftssekretär der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie und Energie (IG BCE) auf Nachfrage der FR. Der Offenbacher Seifenhersteller sei schon seit einigen Jahren in Schieflage. „Wie es in Offenbach läuft, so konnte es nicht weitergehen. Das war leider abzusehen“, sagt er, „Offenbach hat zu viele Klein-Klein-Aufträge gehabt, es fehlte an Großaufträgen.“

Zwar verfügt die Kappus-Gruppe über Großkunden, doch seien deren Aufträge in den vergangenen Jahren an die drei übrigen Produktionsstandorte verlagert worden. „Und nun fehlen genau diese Aufträge, um das Stammwerk zu halten“, sagt Yoseph.

Schon vergangenen Freitag, als Insolvenzverwalter Danko die drohende Schließung ankündigte, deutete er an, dass die Gläubiger kein Interesse am Erhalt des Offenbacher Werks hätten, da es unrentabel sei. Zwar habe es kurz die Hoffnung gegeben, dass ein Investor einsteigen wolle, doch sei dieser angesichts der Auftragslage und der Zahlen abgesprungen, sagt Yoseph. Eine weitere Fortführung der Produktion in Offenbach würde die Insolvenzmasse schmälern, sagt der Insolvenzverwalter, daher hätten die Gläubiger die Schließung beschlossen.

Johann Martin Kappusgründete 1848 in Offenbach die „M. Kappus Feinseifen und Parfümeriefabrik“. Das Unternehmen wurde bis zur Insolvenz als Familienbetrieb geführt, zuletzt in fünfter Generation.

Mit einem Jahresumsatzvon rund 80 Millionen Euro und einer jährlichen Produktion von mehr als 70 000 Tonnen Seife gehörte Kappus zu den größten Seifenherstellern in Westeuropa.

Ende September 2018stellte die Kappus-Gruppe Insolvenzantrag. Als Grund wurden gestiegene Rohstoffpreise und hoher Preisdruck genannt.  som

Noch im Oktober hatte Seniorchef Wolfgang Kappus sich im Gespräch mit der FR kämpferisch gegeben, aber auch Fehler eingeräumt. So habe man sich mit dem Kauf der Seifenfabrik in Heitersheim wohl übernommen. Auch der Umzug nach Waldhof habe sich als „Nullsummenspiel“ erwiesen, da die Firma vor allem für den Brandschutz hohe Beträge zu zahlen hatte.

Vonseiten der Gewerkschaft wird man deutlicher, die gesamte Produktionsanlage sei veraltet, zu viel werde noch händisch gefertigt. „Man hat den Standort leider nicht konkurrenzfähig gemacht in den letzten Jahren“, sagt Betriebsrat Goran Kostadinovic. „Als wir von der Innenstadt 2017 ins Industriegebiet nach Waldhof gezogen sind, haben wir alle gehofft, dass der Maschinenpark modernisiert wird, aber so kam es nicht“, sagt er.

Für die betroffenen Arbeitnehmer sei die Schließung ein Schock, sagt Kostadinovic. Denn nachdem zuletzt die Mitarbeiterzahl von 55 auf 72 aufgestockt worden seien, habe man gehofft, die Talsohle durchschritten zu haben. Vor zwei Jahren sei bereits der Tarif abgesenkt worden, um dem Unternehmen zu helfen, viele Angestellte hätten zudem Überstunden gearbeitet.

„Die Schließung trifft vor allem Frauen mittleren Alters, die meisten sind gering qualifiziert und nur angelernt“, sagt Yoseph. „Viele mussten nie eine Bewerbung schreiben, Kappus galt als sicherer Arbeitgeber“, fügt Kostadinovic hinzu, „für die wird es nun besonders hart.“

Der Insolvenzverwalter und der Betriebsrat haben für kommende Woche Verhandlungen angesetzt, der Betriebsrat hofft, dass noch genug Geld für eine Übergangsgesellschaft für die Mitarbeiter zur Verfügung steht. „Wir haben einen Wirtschaftsprüfer beauftragt, die Lage zu klären“, sagt Betriebsratsvorsitzender Roland Weber. Die Gewerkschaft geht davon aus, dass die endgültige Schließung zum 30. Juni erfolgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare