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Protest mit Klebeband: Auch am temporär abgesperrten Goetheplatz hatte der Künstler – ebenfalls temporäre – Spuren hinterlassen. 

Offenbach

Offenbach: Ordnungsamt bestraft Künstler

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Der Künstler Lutz Jahnke hatte mit einer Aktion am Hafenplatz gegen die Sperrung öffentlicher Plätze in Offenbach protestiert - und wurde dabei vom Ordnungsamt aufgegriffen.

Lutz Jahnke konnte sein Werk am Freitagabend nicht mehr beenden: Kurz bevor der Offenbacher Künstler und Designer die Buchstaben „c“ und „h“ des Schriftzugs „#offen_bach“ mit orangefarbenem Klebeband auf den Asphalt des Hafenplatzes anbringen konnte, stoppten ihn Mitarbeiter des Ordnungsamts. Denn Jahnke hatte für seine Aktion die temporäre Absperrung der Hafentreppe – normalerweise ein beliebter Aufenthaltsort – ignoriert und den verbotenen Bereich betreten. Der Platz am Hafenbecken war während der Ausbreitung des Coronavirus vor einigen Wochen gesperrt worden, Jahnke wollte dagegen protestieren.

Seine Idee: Da Offenbach an dieser Stelle schon seit einer Weile vom Main getrennt wird, sollte das „offen“ auf der Stadtseite des Zauns stehen und das „bach“ auf der Flussseite. Auch am Goetheplatz im benachbarten Nordend, wo Jahnke das Kulturzentrum „afip“ betreibt, hatte er ein paar Tage zuvor einen Schriftzug mit Klebeband angebracht: „#Grundgesetz“ war dort inmitten eines Kreises aus rot-weißem Flatterband zu lesen. Auch der Goetheplatz war von der Stadt wegen Menschenansammlungen gesperrt worden, ist mittlerweile aber wieder geöffnet.

„Wo sollen die Leute denn hingehen, wenn die Stadt mit den Absperrungen den öffentlichen Raum noch verkleinert?“, fragt Jahnke, den die Begegnung mit dem Ordnungsamt mitgenommen hat. Er ist mit seiner Überlegung wohl nicht alleine: Eine Leserin der FR hatte sich nach der Aktion am Goetheplatz bei dem Künstler gemeldet und gefragt, ob er etwas Ähnliches nicht auch am Hafen machen könne, erzählt Jahnke. So kam es zu der Aktion.

Mehr Infos und Kommentar

Mehr Infos zu der Kunstaktion gibt es hier: https://jahnkedesign.com/grundgesetz/

Die Stadt Offenbach beschränkt den öffentlichen Raum während der Corona-Pandemie stärker als andere Städte in der Region. So wurden temporär nicht nur ein Teil des Hafen- sowie des Goetheplatzes gesperrt, sondern auch der Martin-Luther-Park im Stadtzentrum. Und auf dem Wochenmarkt am Wilhelmsplatz wurden Sitzbänke abmontiert. „Wir machen das auch, um den Leuten vor Augen zu halten, wohin es führt, wenn man sich nicht mal ein paar Tage zusammenreißen kann“, rechtfertigt Stadtsprecher Fabian El Cheikh die Vorkehrungen, die allesamt dem Gesundheitsschutz dienten.

Die beliebte Hafentreppe am Hafenplatz ist seit Wochen Corona-bedingt gesperrt.

Alleine in der ersten Woche ihres neu eingeführten Rund-um-die-Uhr-Dienstes Ende April habe die Stadtpolizei 122 Einsätze und Kontrollen im Zusammenhang mit Corona vorgenommen, teilte die Stadt mit. In der Innenstadt sei sie zum Beispiel jungen Männern begegnet, die als Gruppe unterwegs waren – und die trotz Ermahnung einige Stunden später wieder als Gruppe aufgegriffen wurden.

Ein Problem ist, dass es gerade in Offenbachs dichtbesiedelten Quartieren, in denen ärmere Familien oft auf engstem Raum leben, nur wenige Aufenthaltsmöglichkeiten im Freien gibt. Wenn in dort noch die Plätze wegfallen, wird es eng. Die Kritik an den Sperrungen ist aber verhalten.

In Offenbach wurden bisher 115 Menschen positiv auf das neuartige Coronavirus getestet, acht Infizierte starben, 64 haben die Infektion – Stand gestern – hinter sich. Im hessenweiten Vergleich ist die Infektionsrate in der Stadt pro Kopf gesehen niedrig.

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