Zijad Dolicanin will mit seinem Team das Potential vieler junger Leute in Offenbach wecken.
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Zijad Dolicanin will mit seinem Team das Potential vieler junger Leute in Offenbach wecken.

Offenbach

Offenbach: Neuer Verein will das Potenzial junger Menschen mit Migrationsgeschichte wecken

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die neue Initiative „Vair“ will die gesellschaftliche Teilhabe von Offenbacherinnen und Offenbachern verbessern. Zielgruppe sind vor allem junge Menschen mit Migrationsgeschichte.

Du kannst dir nicht aussuchen, woher du kommst, aber wohin du gehst!“ So lautet der Leitspruch einer neuen Offenbacher Initiative – dem „Vair e.V.“. Dessen Gründungsteam will die gesellschaftliche Teilhabe vor allem junger Menschen in der Stadt verbessern, von denen in Offenbach fast 80 Prozent eine Migrationsgeschichte haben. „Bei dem Thema ist noch viel Luft nach oben“, sagt Mitbegründer Zijad Dolicanin.

Ein Beispiel: Die etwa zehn Leute, die seit der Gründung im Herbst 2019 bei „Vair“ gemeinsam an Projekten feilen, seien fast alle in Offenbach geborene Söhne und Töchter von Eltern, die einmal aus dem Ausland in die Stadt kamen. Fast alle haben sie studiert. „Doch in unserem Freundeskreis gibt es nicht viele, die das geschafft haben“, erzählt Dolicanin. Ein weiteres Beispiel: Im Offenbacher Stadtparlament sind Menschen mit Migrationserfahrung immer noch extrem unterrepräsentiert.

Daran, dass sich solche Strukturen verändern, will „Vair“ mitwirken. In einer Villa im Offenbacher Westend hat die Initiative einen Raum bei einer Agentur angemietet. Der Blick streift von dort über die Kronen ausladender Platanen. Eine Reihe dicker Kissen lädt zum Platz nehmen, Nachdenken und Diskutieren ein. Zunächst läuft das Projekt auf eigene Kosten, Förderer werden noch gesucht.

Gleich mehrere Vorhaben will das Team, nachdem die größten Corona-Beschränkungen überstanden sind, angehen. Ein Fußballturnier mit pädagogischem Schwerpunkt ist geplant (Projektname „Vair Play“). Außerdem will man jungen Menschen Kulturveranstaltungen in der Stadt nahebringen und ihnen den Eintritt dafür zahlen („Vair Teilen“) – Gespräche mit Ämtern und Kulturschaffenden laufen bereits.

Auch ein Mentoringprogramm soll bald beginnen, in dem Dolicanin und seine Mitstreitenden mit jungen Offenbacherinnen und Offenbachern zusammenkommen. „Wir wollen Jugendliche begleiten und uns als Vorbilder anbieten“, erklärt er. Von Vorteil dürfte dabei sein, dass die bei „Vair“ versammelten Juristen, Ingenieure und Künstler nicht nur fast alle selbst Migrationsgeschichte haben, sondern auch sehr gut in ihrer Stadt vernetzt sind.

Der 35-jährige Sozialpädagoge Dolicanin etwa sitzt für die Grünen im Stadtparlament und ist Mitbegründer des Boxclubs Nordend, der preisgekrönte Jugendarbeit betreibt. „Wir haben Superkontakte in diverse Communities und Sportvereine, wir sind ja selbst da sozialisiert“, erzählt Dolicanin, dessen Eltern vor seiner Geburt aus Jugoslawien nach Deutschland kamen.

„Vair“ will Räume schaffen, in denen Leute zusammenkommen, die sonst nicht zusammenkämen. Corona brachte nun noch die Idee zu einem Podcast – weil man den auch von zu Hause aus hören kann. Gedacht sei an eine Sendung in eher einfacher Sprache, in der interessante Leute aus Offenbach zu Wort kämen.

Zum Beispiel Lehrende der Hochschule für Gestaltung oder Personen aus der Lokalpolitik. Über passende Kanäle wie Social Media solle der Podcast beim jungen Zielpublikum beworben werden.

Im Gespräch auf den Kissen im Vereinsbüro kritisiert Dolicanin auch Grundsätzliches. Etwa, dass die deutsche Gesellschaft bis heute keinen Begriff von Heimat entwickelt habe, der ihrer Geschichte – also auch ihrer Einwanderungsgeschichte – gerecht werde. Das belaste viele Menschen mit Migrationsgeschichte. Wenn man es dennoch schaffe und sein Potenzial entfalte, mache das anderen Mut. Genau das wolle man mit „Vair“ erreichen.

Mehr Informationenunter vairein.de und auf Instagram unter @vair_ev

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