+
Autofahrer sind genervt: Seit 2018 versperrt ein Bauzaun in der Bieberer Straße nahe des Wilhelmplatzes eine ganze Fahrspur. 

Offenbach

Offenbach: Mit neuer Software gegen Verkehrschaos

  • schließen

Offenbach will in der Bauverwaltung die digitale Akte für Planung und Genehmigung von Baustellen einführen. Genervte Autofahrer brauchen Geduld: Besser wird es wohl erst 2022.

Die vielen Baustellen und die damit verbundenen Staus sorgten im vergangenen Jahr für Ärger bei Autofahrern und Anwohnern, deren Straßen als Schleichweg genutzt wurden. Betroffene warfen der Stadt miserables Baustellenmanagement vor. Der Magistrat hat nun auf die Kritik reagiert und die Einführung der digitalen Akte in der Bauverwaltung beschlossen.

Von der Software namens „Kommunalregie“, die in Frankfurt seit 2017 im Einsatz ist, erhoffen sich die Verantwortlichen eine Beschleunigung der Verfahren, eine bessere Abstimmung und Koordination der Baustellen, das frühzeitige Erkennen möglicher Konflikte und eine bessere Information der Bürger über Verkehrsbeeinträchtigungen. Zudem sollen Bauvorhaben online beantragt und genehmigt sowie in einem geographischen Informationssystem visualisiert werden.

Bau- und Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) sprach jüngst bei der Vorstellung des Programms von einem „erheblichen Fortschritt“. Die Umstellung auf eine vollständige digitale Bearbeitung sei aber auch ein „großer Kraftakt“. Beschäftigte müssten geschult und Arbeitsprozesse überdacht und neu aufgesetzt werden. Das könne nur schrittweise funktionieren, schließlich gebe es nicht mehr Personal.

Das bedeutet für die Offenbacher, dass sie sich weiter in Geduld üben müssen. Denn bis die Digitalisierung wirkt, werden noch Jahre vergehen. Erst Mitte 2022 würde der große Effekt spürbar, wenn verkehrsrechtliche Anordnungen mit den Baugenehmigungen ineinandergreifen würden, sagte Sigrid Pietzsch vom Verkehrs- und Baumanagement der Stadt. Bis dahin werden Staus, Sperrungen und Umleitungen wohl weiter den Verkehr in Offenbach prägen.

Denn der Bauboom in Offenbach hält an. Derzeit würden im Jahr mehr als 1000 private Bauvorhaben begonnen, sagte Weiß. Zum Vergleich: Im fünfmal größeren Frankfurt sind es rund 2000 jährlich. Hinzu kommen in Offenbach etwa 130 Anträge von Versorgern für die Verlegung von Leitungen und bis zu 15 große Projekte zur Straßensanierung. „Das wird in nächster Zeit auch so bleiben“, sagte der Dezernent.

Mobilitätsportal geplant

Momentan erfolgt die Bearbeitung der Anträge, der verkehrsrechtlichen Anordnungen für Baustelleneinrichtungen oder temporäre Halteverbote in einem aufwendigen schriftlichen Verfahren per Mail oder in Papierform. Für Trassengenehmigungen (Strom, Wasser, Gas, Telekom) werden die beteiligten Ämter einzeln um Stellungnahmen gefragt, Rückläufe müssen händisch bearbeitet t werden. Eine vernetzte Datenhaltung gibt es nicht.

Mit der Neuen Software können alle Bauvorhaben elektronisch erfasst und in einem geographischen Informationssystem visualisiert werden. Mit der Einführung soll in diesem Sommer begonnen und das Programm dann stufenweise bis Ende 2022 auch auf die Straßenverkehrsbehörde ausgeweitet werden.

Pietzsch machte deutlich, dass ein besseres Baustellenmanagement dringend nötig ist. Auch deshalb, weil es bisher allein von der Kommunikation zwischen den Beteiligten und deren „gutem Gedächtnis“ abhänge, ob Probleme wie mehrfache Aufbrüche einer Straße kurz nacheinander rechtzeitig erkannt würden.

Der Eigenbetrieb der Stadt Offenbach (ESO Stadtservice), der die Software bereits seit 2018 nutzt, wurde mit dem Kauf und der Betreuung der Hard- und Software beauftragt. Die Gesamtkosten für Anschaffung und Wartung bis 2023 belaufen sich auf 580 000 Euro. Die Aufwendungen für Pflege, Wartung und Unvorhergesehenes beziffert die ESO auf 361 000 Euro.

Geplant ist auch der Aufbau eines Mobilitätsportals auf der städtischen Webseite, das aktuelle und vorhersehbare Verkehrsbehinderungen auf Offenbacher Straßen darstellt. Es ist allerdings nicht Teil des Beschlusses und der Kosten und wird erst dann zum Einsatz kommen, wenn die anderen Module vollständig in die Arbeitsprozesse eingebunden sind.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare