Bunte Keramikplatten sollen die neue Schule schmücken.  
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Bunte Keramikplatten sollen die neue Schule schmücken. 

Offenbach

Offenbach: Neubau der Fröbelschule verzögert sich

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Wegen des schlechten Baugrunds neben einem Altarm des Mains ist mit einem verzögerten Baubeginn für die neue Fröbelschule in Offenbach zu rechnen. Von der SPD kommt Kritik.

Die Offenbacher Fröbelschule ist eine Ganztagsschule mit Förderschwerpunkt geistige Entwicklung. Auch körperlich-motorisch behinderte Kinder und Jugendliche besuchen die Einrichtung im Offenbacher Nordend. Weil das alte Gebäude zu eng und nicht behindertengerecht ist, soll im Osten der Stadt ein Neubau entstehen. Doch auf dem Grundstück an der Mühlheimer Straße tut sich nichts. Nun ist klar: Der ursprüngliche Zeitplan für den Neubau kann wohl nicht gehalten werden – und die Kosten steigen.

Offenbachs Kämmerer Peter Freier (CDU) drückt es so aus: Der angesetzte Eröffnungstermin im Sommer 2021 sei „äußerst sportlich“. Der Hauptgrund dafür, dass die Arbeiten noch nicht wie geplant angelaufen sind, liege unter der Erde: Ein Gemisch aus Sand und Ton mache das Bauen auf dem 10 000 Quadratmeter großen Grundstück zur Herausforderung – und die Planung auch. Man müsse 1000 Pfähle je acht Meter tief in den Boden rammen und befüllen, bevor man darauf bauen könne. Dazu kommen mögliche Kriegsreste, da in der Nachbarschaft mal ein Flakgeschütz stand. Doch in den letzten Monaten durfte der Boden coronabedingt – wegen möglicher Evakuierungen – nicht untersucht werden.

„Wir erwarten den ein oder anderen Fund und das wird sich auf die Bauzeit auswirken“, sagt Daniela Matha von der städtischen Offenbacher Projektentwicklungsgesellschaft OPG, die das Projekt im Auftrag einer weiteren Tochtergesellschaft der Stadt – der Wohnungsbaugesellschaft GBO – entwickelt. „Wir haben nicht damit gerechnet, dass der Baugrund so problematisch ist“, gibt Freier zu. Matha sagt, eine „seriöse Schätzung“, wann der Bau stehe, sei „nicht möglich“.

Könnte eine Grundschule werden: Das bisherige Schulgebäude im Nordend.  

Und dann sind da die Kosten: Statt 24,5 Millionen Euro ist nun die Rede von „unter 30 Millionen“ (Freier). Die GBO sucht derzeit noch Geldgeber. Und womöglich muss das Regierungspräsidium eingebunden werden – auch wenn Freier hofft, dass das nicht nötig sein wird. Er hofft, dass die Vorarbeiten im August beginnen.

Stadtverordnete Heike Habermann (SPD) sieht sich in ihren Sorgen, dass sich der Neubau verzögert – was bisher verneint wurde – bestätigt. „Ich bin stinksauer“, sagt sie. Denn die Situation am alten Schulstandort sei skandalös: Jeden Morgen gebe es vor dem einzigen Aufzug des Gebäudes einen Rollstuhl-Stau. Und die Jugendlichen, die Windeln tragen, müssten am Boden gewickelt werden, weil geeignete Sanitäranlagen fehlten. Auch dass die GBO die Schule schneller bauen könne als die Stadt – mit diesem Argument wurde die Gesellschaft beauftragt – bezweifelt Habermann.

So oder so wird sich die Situation der 100 Schülerinnen und Schüler samt Lehrerschaft und Betreuungspersonal im von der Frankfurter „Architektei Mey“ geplanten Neubau verbessern: Die Räume werden barrierefrei und zwölf kleine Innenhöfe sollen trotz des stark ausgenutzten Grundstücks Zugang ins Freie für alle garantieren. Fünf Wasch- und Wickelräume entstehen sowie ein Schwimmbecken für Therapiezwecke, das auch andere Schulen nutzen können. 150 Menschen können im Neubau unterrichtet werden. Er sei auf „wachsenden Bedarf ausgerichtet“, sagt Freier.

Verworfen wurde wegen des Baugrunds aber die Idee, Wohnungen über der Schule zu bauen, und auch auf eine Solaranlage verzichtet die GBO. Es entsteht ein Gründach. Regenwasser landet im renaturierten Kuhmühlgraben – ein Kanal dorthin sei in Planung.

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