Die private Fähre Rumpenheim (Bild) fährt nach wie vor, die Mühlheimer Fähre, die vier Kilometer flussaufwärts schipperte, wird dagegen eingestellt. r. oeser
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Die private Fähre Rumpenheim (Bild) fährt nach wie vor, die Mühlheimer Fähre, die vier Kilometer flussaufwärts schipperte, wird dagegen eingestellt. 

Mühlheim/Maintal

Maintal: Das Aus für die Fähre in Mühlheim besiegelt

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Kreistagsmehrheit hat am Mittwoch beschlossen, den Fährbetrieb zwischen Mühlheim und Maintal einzustellen. Ein Weiterbetrieb scheitere am fehlenden Fährpersonal.

Mühlheim - Das Aus für die Mühlheimer Mainfähre ist besiegelt. Mit der Stimmenmehrheit von SPD und CDU beschloss der Kreistag am Mittwoch, dass die Fährverbindung zwischen Mühlheim und Maintal-Dörnigheim nach mehr als 115 Jahren dauerhaft eingestellt wird; das Schiff soll verkauft oder verwertet werden. Das Problem sei in erster Linie, dass es auf dem Arbeitsmarkt kein Fährpersonal gebe – schon gar nicht für den Betrieb eines solchen technisch sehr anspruchsvollen Fährmodells, erklärte die Erste Kreisbeigeordnete Claudia Jäger (CDU).

„Für diese Fähre gibt es keine Zukunft“, sagte Alexander Krey (CDU), der auch Erster Stadtrat von Mühlheim ist. Grüne, Freie Wähler, Linke, AfD und ALO votierten gegen die Vorlage des Kreisausschusses, den Fährbetrieb zu beenden, FL-NEV und FDP enthielten sich der Stimme.

Die Fähre habe nur lokalen, aber keinen regionalen Charakter und könne deshalb nicht auf Dauer mit Steuermitteln des Kreises Offenbach betrieben werden, sagte Hubert Gerhards (CDU). Der Stadt Maintal bleibe es unbenommen, „sich für die kommenden 115 Jahre der Aufgabe zu widmen, den Fährbetrieb aufrechtzuerhalten“, sagte er. Dort hatte die Mehrheit der Stadtverordneten am 8. Juni beschlossen, einen kommunalen Betrieb der Fähre prüfen zu lassen.

Der Betrieb der Mühlheimer Fähre scheitert primär, weil es kaum Personal mit Fährpatent gibt. 

Grüne, Linke und Freie Wähler hatten deshalb im Kreistag auch einen Änderungsantrag gestellt, erst einmal keinen Beschluss zu fassen. Der Kreisausschuss solle doch ein Personalkonzept für die Fähre erarbeiten und mögliche Förderprogramme eruieren, meinten die drei Fraktionen. Dieser Antrag fand aber ebenso keine Mehrheit wie jener der FDP, die Fähre und die zugehörigen Nebenanlagen erst einmal den Städten Mühlheim und Maintal für einen symbolischen Preis zum Kauf anzubieten. Erst wenn dieser Verkauf nicht realisiert werden könne, solle das Schiff auf dem freien Markt veräußert oder verwertet werden.

Das Defizit von jährlich 183 000 Euro, das der Kreisausschuss in einem Businessplan für einen Fährbetrieb in Eigenregie ins Feld führte, monierte Maria-Elisabeth Schefer (Grüne). Ihre Berechnungen ergaben ein Defizit von rund 75 000 Euro pro Jahr. Sie setzte nämlich um 6500 Euro geringere Gehälter an sowie nur 1000 Euro monatliche Rücklagen für Reparaturen. Der Businessplan kalkulierte dagegen mit 3500 Euro an monatlichen Rücklagen. So viel Geld sei nicht nötig, denn der Kreis habe ja versichert, dass die Fähre „tip-top saniert ist“.

Jeanette Hallmann (Linke) machte klar, dass selbst bei einer Fuß- und Radbrücke über den Main „mal locker zwei Millionen Euro“ an Kosten anzusetzen seien. Arno Groß (AfD) schlug vor, beim kommunalen Jobcenter Pro Arbeit nachzufragen, ob es nicht in den Zeiten von Corona Interessenten für den Beruf des Fährmanns gebe. Außerdem könne ein Baumarkt seine Werbung auf der Fähre platzieren; das bringe Einnahmen. Am Ende halfen aber alle Argumente nichts.

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