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Auf einer Empore übe der Schalterhalle des Bürgerbüros (im Bild) werden nun Migranten beraten. 

Offenbach

Offenbach: Migrationsberatung nach langer Pause wieder am Start

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Nach über einem Jahr ist es der Stadt Offenbach jetzt gelungen, einen neuen Arbeitsplatz für die Migrantenberatung im Bürgerbüro einzurichten. Diese hat ihre Arbeit gerade wieder aufgenommen - ist aber nicht mehr barrierefrei und nicht mehr kindgerecht.

Fast 55 000 Menschen mit ausländischem Pass leben in Offenbach. Und diese Gruppe wächst jedes Jahr um rund 1500 Personen. Viele dieser Menschen, die neu in Offenbach und oft auch neu in Deutschland sind, haben Beratungsbedarf. „Fragen, die oft gestellt werden, sind: Wo gibt es Deutschkurse? Wo kann ich meine Kinder betreuen lassen? Wie finde ich den passenden Arzt?“, sagt Alexandra Tomaš, die als Integrationslotsin für das Freiwilligenzentrum Offenbach neu Zugezogene betreut. Tomaš ist erleichtert: Denn nach mehr als einem Jahr Pause gibt es seit zwei Wochen wieder eine unabhängige Erstberatung für Migrantinnen und Migranten im Bürgerbüro. Das sei praktisch, da sie manche Leute erst einmal dorthin schicken könne, um zu klären, wobei genau sie Unterstützung benötigen.

Das Angebot war Anfang 2019 ausgesetzt worden, als sich der dafür genutzte Arbeitsplatz im neu eröffneten Bürgerbüro an der Kaiserstraße nach kurzer Zeit als ungeeignet erwies. Direkt am Eingang sei es zu zugig und zu unruhig gewesen, erzählt Ali Karakale von der Offenbacher AWO, die das Angebot mit weiteren Trägern aus der Wohlfahrtspflege organisiert. „Es war wichtig, dass wir einen Raum finden, in dem mit Diskretion gesprochen werden kann“, sagt Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne).

Telefoniert wird mit Handys

Ein solcher Ort ist nun auf einer Empore im Beratungssaal des Bürgerbüros gefunden, etwa 30 Meter vom ursprünglichen Beratungsplatz entfernt. Ein Schreibtisch steht dort, ein paar Stühle und ein PC. Ein Drucker kommt noch. Telefoniert wird mit Handys. Ein Banner im Foyer weist auf das Angebot hin, das mittwochs von 9 bis 12 Uhr offensteht. Warum es so lange gedauert hat, um den neuen Beratungsplatz einzurichten, erklärt Integrationsdezernent Peter Freier (CDU) mit Abstimmungsbedarf: Unter anderem habe man klären wollen, ob es in der Stadtverwaltung einen geeigneteren Ort gebe, sei aber zu dem Schluss gekommen, dass Zugezogene die Erstberatung weiterhin im Bürgerbüro erhalten sollen.

„Es ist richtig und wichtig, das Angebot dort anbieten zu können, wo sich die Menschen an- und ummelden“, sagt Thomas Ruff vom AWO-Kreisverband Offenbach-Stadt. Im Bürgerbüro ist die Erstberatung seit zwölf Jahren – in verschiedenen Gebäuden und mit besagtem Jahr Pause – ansässig. Die Beratenden erstellen mit den Zugezogenen einen Förderplan, der auch das Aufsuchen weiterer Beratungsangebote, etwa im Bereich Wohnungssuche, beinhalten kann. Barrierefrei ist der neue Ort allerdings nicht. Und auch eine Spielecke – viele Ratsuchende kommen mit Kindern – gibt es nicht mehr. „Die 15 Minuten, die eine Erstberatung im Schnitt dauert, kann ein Kind auch auf dem Schoß seiner Eltern sitzen“, findet Dezernent Freier.

Wer neu Zugezogene in Offenbach unterstützen will, kann sich vom Freiwilligenzentrum zur Lotsin oder zum Lotsen ausbilden lassen. Infos : www.fzof.de.

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