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Senay Öztürk leitet ein Pilotprojekt zur Sprachförderung an einer Offenbacher Innenstadt-Kita. Foto: Michael Schick

Offenbach

Offenbach: Mehr Deutsch in Kitas

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Dezernentin Groß will die Sprachförderung an Offenbacher Kitas ausbauen - der Bedarf ist groß.

Ab Spätsommer sollen in allen städtischen Kindertagesstätten Offenbachs zusätzliche Sprachförderkurse angeboten werden. Das teilte Sozialdezernentin Sabine Groß (Grüne) auf Nachfrage der FR mit. Geplant ist, ein seit 2019 an einer Kita in der Innenstadt laufendes Pilotprojekt auszuweiten, so Groß. Konkret geht es um rund eine Stunde gezielte Sprachförderung pro Tag, die jedes Kind im letzten Kita-Jahr in Gruppen von rund zehn Kindern erhalten soll. Das Angebot soll mit dem bestehenden Personal realisiert werden. Daher seien mit dem Angebot keine zusätzlichen Kosten verbunden, erklärt Groß.

Der Bedarf für zusätzliche frühkindliche Sprachförderung ist in Offenbach enorm. Das zeigen die Sprachtests, die regelmäßig bei Kindern im Jahr vor deren geplanter Einschulung vom Gesundheitsamt durchgeführt werden: Während 2015 noch 44 Prozent der Kinder mit Migrationsgeschichte vor ihrer Einschulung fehlerfrei Deutsch sprechen konnten, waren es 2016 noch 32 und 2017 noch 28 Prozent. 2018 sprachen noch 17 Prozent der Kinder aus dieser Gruppe fehlerfrei Deutsch. Rund zwei Drittel der Sechsjährigen in Offenbach sind entweder selbst nicht in Deutschland geboren oder haben mindestens ein Elternteil, das in einem anderen Land geboren wurde. Laut einer Amtsärztin bildeten sich in manchen Kitas „muttersprachliche Gruppen“ – mehr Deutsch-Förderung sei also vonnöten, damit die Kinder in der Grundschule am Unterricht teilnehmen können.

Deutschkenntnisse

Alle Kinder eines Jahrgangs werden in Hessen neun Monate vor Schuleintritt untersucht. Der Fokus liegt neben Gesundheit auf Sprachentwicklung.

Grundschulen bieten Vorlaufkurse für Kinder an, die bei der Anmeldung zur Einschulung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. fab

An besagter Pilot-Kita wurde für den Zeitraum von einem Jahr die Erzieherin Senay Öztürk eingestellt. Sie konzipiert die neuen Förderkurse und berät ihre Kolleginnen und Kollegen bei der Umsetzung. Der Verein „Kinder Zukunft fördern“ hat für diese Arbeit 75 000 Euro bereitgestellt.

Der Leiter des Eigenbetriebs Kindertagesstätten Offenbach (EKO), Roberto Priore, geht dennoch wie Groß davon aus, dass das bestehende Personal die Sprachkurse leiten kann – denn das Angebot werde ja in den normalen Tagesablauf eingebaut. Dank eines Bundesprogramms stehen den etwa 320 regulären EKO-Erzieherinnen und -Erziehern in Offenbach sowieso etwa zehn Sprachförderkräfte zu Schulungs- und Beratungszwecken zur Seite. Falls man merke, dass man zusätzliches Personal brauche, müsse man aber dementsprechend reagieren, stellt Priore klar.

Außerdem soll das neue Konzept an manchen Standorten in Kooperation mit Schulen umgesetzt werden. Eine Arbeitsgruppe kläre derzeit, wo das sinnvoll sei.

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