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Den ungeliebten Offenbacher Marktplatz durchschreiten viele am liebsten mit großen Schritten.

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Marktplatz-Umbau in Offenbach abermals verschoben

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Die Bauarbeiten für den Marktplatz-Umbau sollen nun erst im Frühjahr 2021 beginnen. Neu in der Planung sind mehr Grün und ein Trinkwasserbrunnen.

Eine Bushaltestelle mit begrüntem Dach und ein Brunnen mit kostenlosem Trinkwasser: Um diese Elemente hat die Offenbacher Stadtverwaltung die Pläne für den Marktplatzumbau ergänzt. Womöglich auch deshalb verschiebt sich der Baubeginn des Großprojekts um ein weiteres halbes Jahr: Statt in diesem Herbst sollen die Bagger nun erst im Frühjahr 2021 anrollen.

Die Stadtverordneten stimmten dem Vorhaben am Donnerstagabend mehrheitlich zu, dagegen votierten vor allem SPD und AfD. Für etwa 5,5 Millionen Euro – 3,2 Millionen trägt die Stadt – soll der Kernbereich des Marktplatzes zwischen Frankfurter Straße und Geleitsstraße umgebaut werden. Um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen, werden die Bürgersteige verbreitert und die Oberflächen barrierefrei umgebaut. Mit dem Fahrrad darf man künftig auf einem Teilstück der von Bussen und Autos befahrenen „Tempo 20“-Zone in beide Richtungen fahren. Sichtbarste Änderung wird das neue, begrünte Stahldach der Bushaltestelle, das an ineinander verschränkte Baumkronen erinnern soll. Wo der Trinkwasserbrunnen aufgestellt wird, steht noch nicht fest.

Die aufgrund der Corona-Pandemie beschränkten Redezeiten im Offenbacher Stadtparlament – man will sich nicht zu lange gemeinsam in einem Saal aufhalten – ließen am späten Donnerstagabend keine lebhafte Debatte zum geplanten Umbau mehr zu. Die SPD-Stadtverordnete Maria Böttcher kritisierte aber, dass die Planung „keine Rückbesinnung auf den ursprünglichen Marktplatz“ erkennen lasse. Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) entgegnete, dass man keinen „Sand ins Getriebe“ streuen, sondern sich doch „auf das Gemeinsame besinnen“ solle.

Ein langer Weg

Die ersten Pläne für den Marktplatzumbau stammen aus der Zeit von Ex-OB Horst Schneider (SPD). Er wollte Busse und und den Auto-Durchgangsverkehr verbannen, um die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und die trennende Wirkung zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz zu beseitigen. Nach der Kommunalwahl 2016 und der neuen Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Freien Wählern gab es dafür keine Mehrheit mehr. Im November 2017 wurde dann eine kleinere Variante beschlossen, die Autos und Busse beibehält. Im Juli 2018 sollte es losgehen. Doch kurz davor kam das Aus: Auf die Ausschreibung hatte es nur ein Angebot gegeben, das mit 8,5 Millionen Euro rund 70 Prozent über den geplanten Kosten lag. Im Dezember 2019 stimmte das Stadtparlament dann für eine wiederum überarbeitete Planung, die nun nochmals ergänzt wurde und ab 2021 umgesetzt werden soll.

Fakt ist, dass die SPD unter Ex-OB Horst Schneider einen viel weitreichenderen Umbau des Marktplatzes inklusive Verlegung der Bushaltestelle und Verbannung des Auto-Durchgangsverkehrs zur Waldstraße hatte. Dieser Durchgangsverkehr gilt als ein Grund dafür, dass der langgezogene Platz zwischen Fußgängerzone und Wilhelmsplatz so abweisend wirkt.

Kritik hatte es im Vorfeld an den Kosten für die Ergänzungen, Gründach und Trinkwasser, gegeben. Das Dach, auf dem Kräuter, Gräser und Mauerpfeffer wachsen sollen, schlägt samt Beleuchtung mit 76 000 Euro zu Buche. Für den Brunnen sind 39 000 Euro angesetzt. 90 Prozent der Kosten übernimmt das Land. „Die Begrünung des Dachs wertet das Erscheinungsbild auf und verbessert das Mikroklima“, lobte Dezernent Weiß das Projekt.

Ebenfalls am Donnerstag haben die Stadtverordneten auch den Bebauungsplan für das siebengeschossige Wohn- und Geschäftshaus beschlossen, das am nördlichen Ende des Marktplatzes an der Berliner Straße entstehen soll.

Diesem Projekt wurde mit deutlich größerer Mehrheit zugestimmt als dem Marktplatzumbau. Der FDP-Stadtverordnete Oliver Stirböck fasste seine Freude so zusammen: „Ein verrotteter Klotz wird durch etwas Neues ersetzt!“

www.marktplatz-umbau.de

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