Offenbach

Manchmal mehr als ein Einkaufshelfer

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
    schließen

Die freiwillige Einkaufshilfe in Offenbach kommt inzwischen Menschen in Quarantäne zugute. Die Erfahrung zeigt, dass ein Teil der Leute mehr und langfristig Unterstützung braucht.

Zu Beginn der Corona-Krise hatte Oberbürgermeister Felix Schwenke (SPD) zur Vermeidung von Panikkäufen allen Bürgerinnen und Bürgern garantiert: „Niemand wird in Quarantäne hungern müssen.“ Sein Versprechen konnte er auch deshalb halten, weil sich die Offenbacher solidarisch mit denen zeigten, die sich aus Angst vor einer möglichen Ansteckung nicht mehr aus der Wohnung trauten.

Die Welle der Hilfsbereitschaft war groß. Beim Freiwilligenzentrum Offenbach, das die ehrenamtlichen Einkaufshilfen koordinierte, registrierten sich rund 350 Personen. Auch wenn der Corona-Lockdown vorbei ist, werden die Helferinnen und Helfer gebraucht, weil sich in Offenbach aktuell rund 500 Menschen in Quarantäne befinden, weit mehr als zu Beginn der Pandemie.

Julia Seider ist eine der vielen Einkaufshelferinnen. Sie lebt seit März in Offenbach. Hätte es Corona nicht gegeben, wäre die Beraterin der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit längst wieder im Irak. Als daraus nichts wurde, wollte sie sich mit ihrem Mitbewohner als Erntehelferin einbringen. Das scheiterte daran, dass sie kein Auto hatten.

Seider stieß dann auf das Angebot des Freiwilligenzentrums. Ihren ersten Einsatz hatte sie Ende März, weil anfangs das Angebot an Helfern deutlich höher war als die Nachfrage. Zu Beginn der Corona-Krise hätten sich vor allem ältere Menschen aus Risikogruppen gemeldet, die teils große Ängste vor einer Ansteckung gehabt hätten, sagt Monika Pöser vom Freiwilligenzentrum. Seitdem wurden 80 Hilfesuchende betreut, in den vergangenen Wochen seien es vor allem Menschen in Quarantäne gewesen.

Wie der nette Nachbar von nebenan

Seider hat auch mit solchen Leuten zu tun. Für einen älteren, kranken Mann geht sie nicht nur einkaufen, sondern hebt Geld ab, bringt den Müll runter und leert den Briefkasten. Als eine Operation anstand, kaufte sie ihm Bademantel und -schlappen. Nach der OP rief sie ihn im Krankenhaus an. „Wir sind nicht befreundet, aber er ist für mich wie der nette Nachbar von nebenan“, sagt sie.

Sie kümmert sich auch um eine obdachlose Frau, die von der Stadt in einem Hotel untergebracht wurde. Seider war als Einkaufshilfe engagiert worden, inzwischen ist sie in Kontakt mit vielen Stellen, um die Frau „wieder ins System zu bringen“. Sie hat beobachtet, dass ein immenser Hilfebedarf im Alltag besteht, der durch andere Dienste nicht abgedeckt ist. Zusammen mit dem Freiwilligenzentrum überlegt sie, wie man eine Hilfe über Corona hinaus sicherstellen kann.

Rosa Cirami sagt, es sei ihre Berufung, Menschen zu helfen. Die Italienerin geht für zwei kranke Menschen einkaufen. Weshalb sie sich engagiert? „Ich bin eine sehr gläubige Christin.“ Eine weitere Helferin ist die 33-jährige Projektmanagerin Lia P., die für eine Frau Einkäufe erledigte, die sich im Krankenhaus mit dem Coronavirus infiziert hatte. Später half sie einem Reiserückkehrer, der in Quarantäne musste. Wie lief es? Völlig reibungslos, sagt sie.

Eine Umfrage des Freiwilligenzentrums bestätigte diesen Eindruck. Es habe nur positive Rückmeldungen gegeben, sagt Pröse. Unter den Helfern seien viele junge Menschen aus verschiedenen Kulturen. „Das ist nicht nur Meier, Müller, Schmidt.“ Die Neu-Offenbacherin Seider betont, wie sehr ihr gefällt, dass das Miteinander in der Multikulti-Stadt so gut funktioniere.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare