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Mendel Gurewitz wurde in Offenbach schon viermal attackiert.
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Mendel Gurewitz wurde in Offenbach schon viermal attackiert.

Offenbach

Lob für Nachbarn nach antisemitischer Attacke

  • Annette Schlegl
    vonAnnette Schlegl
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Die Zivilcourage, die einige Offenbacher bei der antisemitischen Attacke gegen den Rabbiner Mendel Gurewitz an den Tag gelegt haben, ist auf viel Lob gestoßen.

Die antisemitische Verbalattacke gegen den Offenbacher Gemeinderabbiner Menachem Mendel Gurewitz am Neujahrstag hat eine Welle der Empörung ausgelöst. Zudem gab es zahlreiche Solidaritätsbekundungen für den jüdischen Geistlichen. Vor allem wurde aber die Zivilcourage von Anwohner:innen gelobt, die den Vorfall beobachtet und die Polizei benachrichtigt hatten.

Laut Polizeibericht war Gurewitz an Neujahr kurz nach 18 Uhr in der Offenbacher Innenstadt von einem 46-jährigen Wohnsitzlosen mit antisemitischen Parolen beleidigt worden. Der Verdächtige wurde gefasst und kam nach einem Alkohol-Schnelltest mit 1,3 Promille in Polizeigewahrsam, ist aber schon wieder entlassen. Wie ein Polizeisprecher erklärte, sei der Mann ohne feste Meldeanschrift schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt gekommen.

Weil ihn die zahlreichen Medienanfragen belasteten, wollte sich Gurewitz zu den antisemitischen Beleidigungen gestern nicht selbst äußern. Er beauftragte aber Henryk Fridman, den geschäftsführenden Vorstand der Jüdischen Gemeinde Offenbach, mit der Schilderung der Ereignisse am Neujahrsabend.

Der Rabbi sei demnach mit seinen zwei Söhnen auf dem Nachhauseweg vom Gottesdienst in der Synagoge gewesen und habe in der Bettinastraße einen Kiosk passiert. Als er dort vorbei war, habe ihm der Täter in voller Lautstärke Worte wie „Sieg Heil“ und „Scheiß Juden“ hinterhergerufen. „Er hat auch versucht, sich unserem Rabbi zu nähern“, sagte Fridman. Anwohner:innen auf den Balkonen und an den Fenstern hätten die Szene aber beobachtet, den Angreifer angeschrien und die Polizei gerufen. „Zwei Nachbarn sind direkt raus und haben den Mann verfolgt, um zu sehen, wo er hingeht“, so Fridman. Dann seien auch schon zwei Polizeistreifen da gewesen. Strafanzeige sei mittlerweile gestellt, Gurewitz habe auch schon eine Zeugenaussage bei der Polizei gemacht.

Gurewitz ist bereits viermal angegangen worden

Der Rabbi gräme sich nicht, dass er angefeindet worden sei, sondern es mache ihn glücklich, dass ihn die Nachbarn durch ihre Reaktion in Schutz nahmen. „Sie haben durch ihr Verhalten gezeigt, dass sie Judenhass und so eine Attacke nicht durchgehen lassen wollen“, sagt Fridman.

Gurewitz ist nun schon viermal angegangen worden. Einmal habe er sich bei einer tätlichen Attacke gerade noch ins Auto eines Gemeindemitglieds retten können, so Fridman. Die Jüdische Gemeinde Offenbach ist zunehmend besorgt über die sich häufenden Attacken gegen ihren Rabbiner. Es habe immerhin über 40 Jahre gedauert, bis nach dem Holocaust wieder ein Rabbiner in Offenbach zu amtieren bereit war, schreibt die Gemeinde in einer Stellungnahme. Sie hoffe, „dass er uns jetzt nicht den Rücken kehrt, weil er sich und seine Familie dieser Gefahr nicht mehr länger aussetzen will“. Dass es heute im öffentlichen Raum erneut zu solchen antisemitischen Attacken komme, sei ein schlimmes Zeichen. „Die Tat in Offenbach zeigt, dass Jüdinnen und Juden ihren Glauben in der Öffentlichkeit nicht ohne Sorge um die eigene Unversehrtheit offen zeigen können“, meint auch der hessische Antisemitismusbeauftragte Uwe Becker und lobt zugleich die Offenbacher Zivilcourage. Meron Mendel, der Direktor der Bildungsstätte Anne Frank in Frankfurt, wünscht sich, dass in Zukunft „solche Reaktionen keine Ausnahme mehr sind, sondern der Regelfall werden“.

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