Mohammed S. wird am Mittwoch in den Gerichtssaal geführt.  
+
Mohammed S. wird am Mittwoch in den Gerichtssaal geführt.  

Offenbach

Offenbach: Lebenslänglich für Mord an Geschäftsfrau und Mutter

  • Agnes Schönberger
    vonAgnes Schönberger
    schließen

Eine Frau wird in ihrem Auto in der Offenbacher Innenstadt erschossen: Das Schwurgericht in Darmstadt verurteilt einen 43-jährigen Angeklagten zu lebenslanger Freiheitsstrafe wegen Mordes.

Zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe wegen Mordes hat das Schwurgericht Darmstadt gestern Mohammed S. verurteilt, der am 9. Mai 2019 die Schwester seiner ehemaligen Geliebten in ihrem Auto in der Offenbacher Innenstadt mit einem Schuss in den Hals getötet hatte. Die 44-jährige Geschäftsfrau und Mutter, die ihren Sohn vom Sporttraining abholen wollte, starb noch am Tatort. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Das Gericht folgte beim Strafmaß der Anklage. Staatsanwältin Lydia Wurzel hatte eine lebenslange Haftstrafe gefordert und beantragt, die besondere Schwere der Schuld festzustellen. Die Nebenklage schloss sich der Forderung an. Die Verteidigung plädierte hingegen auf Totschlag.

Die besondere Schwere der Schuld stellte das Gericht nicht fest. Damit kann der Verurteilte nach 15 Jahren aus der Haft entlassen werden, falls er über eine günstige Sozialprognose verfügt – lebenslange Haft bedeutet nicht wirklich lebenslang.

Nach Ansicht des Gerichts hat der 43-jährige Marokkaner die Frau aus niederen Beweggründen getötet. Zudem sei das Motiv der Heimtücke erfüllt. Er soll Fatima T. für die Trennung von seiner Partnerin, die er nach muslimischem Recht geheiratet und mit der er eine standesamtliche Eheschließung vorbereitet hatte, verantwortlich gemacht haben. Am Mittwoch, dem letzten Verhandlungstag, hatte der Angeklagte behauptet, der Schuss habe sich aus Versehen gelöst. Die Pistole sei entsichert gewesen, er habe sie aber nicht durchgeladen. Die Staatsanwältin sprach von einer Schutzbehauptung.

Der brutale Mord hatte bundesweit für Schlagzeilen gesorgt. Mohammed S. war nach der Tat nach Belgien geflüchtet, stellte sich aber nach rund sechs Wochen in Offenbach der Polizei.

Kommentare