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Auch der Hafen 2 hat Hilfe bei der Stadt Offenbach beantragt. 

Offenbach

Offenbach: Kulturszene nutzt Fördergeld

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Viele Kreative teilen sich in Offenbach das Geld aus dem Corona-Notfallfonds der Stadt. Es stehen nur 75000 Euro zur Verfügung, doch manche freuen sich über jeden Cent.

Die Nachfrage der freien Kulturszene Offenbachs nach städtischen Unterstützungsleistungen ist groß. Das bestätigte der Leiter des Offenbacher Kulturamts, Ralph Philipp Ziegler, der FR. Es seien in den vergangenen Wochen rund zwanzig Anträge auf Einmalhilfe aus dem Notfallfonds für freie Kultureinrichtungen eingegangen. Die Stadt hatte den Fonds Mitte April eingerichtet und mit 75 000 Euro ausgestattet.

Rechnet man das Geld auf die Antragstellenden um, dürften jeweils rund 4000 Euro ausgezahlt werden – wenn alle Anträge genehmigt werden. Ziegler ist sich bewusst, dass eine solche Summe nicht alle Geldprobleme der Kulturschaffenden in der Stadt löst. Aber mehr könne sich die klamme Kommune nicht leisten. Einzelne Kulturschaffende und Kreative, von denen es in Offenbach viele gibt, konnten sich gar nicht erst bewerben.

Ziegler hält das für richtig. Er sagt, es sei effektiver, mit dem knappen verfügbaren Geld Einrichtungen statt einzelne Personen zu fördern: „Bei einer Einzelförderung würde eine Summe in diesem Umfang verpuffen“, meint der Amtsleiter. Mit 4000 Euro aber ließe sich etwas anfangen.

Gefördert werden sollen vor allem Einrichtungen und Vereine mit ganzjährigem Veranstaltungs- oder Ausstellungsbetrieb, deren Existenz durch die Auswirkungen der Corona-Pandemie bedroht ist. „Das urbane Lebensgefühl in Offenbach hängt wie in jeder Großstadt auch stark mit der Diversität der Kulturangebote zusammen“, heißt es dazu beim hauptamtlichen Magistrat, der den Fonds ins Leben gerufen hat.

Mehr Infos

Mehr Infos zur Crowdfunding-Unterstützung der Offenbacher Stadtwerke gibt es hier: www.offenbach.de/crowdfunding

Unter den Antragstellern sind etwa das freie Theater „t-raum“ und der Theaterclub Elmar, der seit 1911 besteht und rund hundert ehrenamtliche Mitglieder hat. „Wir freuen uns über jeden Cent“, sagt der Vorsitzende des Theaterclubs, Simon Isser. Denn neben den Mieten für Proberaum und Werkstatt seien weitere laufende Kosten – etwa Gebühren für das Onlineticketsystem – zu zahlen. Mit Einnahmen sei aber erst wieder im Dezember zu rechnen.

Zum Glück gebe es viel Unterstützung von Fans: Die Spenden, die bisher eingegangen seien, um das Überleben des Theatervereins zu sichern, überträfen die absehbare städtische Unterstützung deutlich, erzählt Isser.

Eine Stundung der Mietzahlungen, wie sie in Offenbach für Nutzer öffentlicher Immobilien angeboten wird, will der Verein nicht in Anspruch nehmen – zu groß ist die Sorge, dass man so Schulden anhäuft, die man nicht zurückzahlen kann. Eine Reduzierung der Mieten indes wäre eine große Hilfe, sagt Isser. Ähnlich äußert sich Andrea Weiß von der Kulturinstitution Hafen 2, die ebenfalls städtische Räume mietet und auch Geld aus dem Kultur-Notfallfonds beantragt hat. Bei Stadt und Stadtwerken gibt es derzeit aber keine Ambitionen, diese Mieten zu reduzieren.

Die kommunalen Stadtwerke haben in der vergangenen Woche aber ein weiteres – kleines – Unterstützungsangebot gestartet: So werden Spenden, die über eine Crowdfunding-Plattform an gemeinnützige Offenbacher Initiativen und Vereine entrichtet werden, von den Stadtwerken mit je zehn Euro bezuschusst: Geht also eine Spende über 20 Euro ein, legen die Stadtwerke zehn Euro obendrauf. Vorerst 6000 Euro stehen dafür bereit.

Schon im März hatte die Stadt Offenbach ein Hilfsprogramm für die lokale Wirtschaft aufgelegt: So erlässt die Stadt Gastronomie und Einzelhandel im 2. Quartal zum Beispiel Sondernutzungsgebühren, auch Marktgebühren müssen bis Herbst nicht gezahlt werden. Außerdem können auch Firmen, die städtische Räume mieten, ihre Zahlungen an die Stadt stunden.

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