„Novo u Offenbachu“: Admir Mustajbašic und sein Supermarkt sind neu in der Stadt.  
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„Novo u Offenbachu“: Admir Mustajbašic und sein Supermarkt sind neu in der Stadt.  

Offenbach

Offenbach: Kaufmann hat Erfolg dank vieler Ex-Jugoslawen

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Im alten Offenbacher UBS-Haus sind internationale Supermärkte und Mikroapartments entstanden. Der Platz davor soll begrünt werden.

Wenn jemand aus Würzburg oder Gießen zum Einkaufen nach Offenbach fährt, dann womöglich, um in Admir Mustajbašics Balkan-Supermarkt „Jugo-Prom“ einzukaufen. Seit Oktober betreibt der 33-jährige Einzelhandelskaufmann seinen Markt am Platz der Deutschen Einheit. Im August will er den Laden auf über 200 Quadratmeter vergrößern. Dann sei es wohl der größte Markt mit Balkan-Lebensmitteln im Rhein-Main-Gebiet, erzählt Mustajbašic stolz. Zu den zurzeit vier Beschäftigten kommen dann womöglich noch einige hinzu.

Das Beispiel zeigt, dass Handel in der oft totgesagten Offenbacher Innenstadt gut funktionieren kann – wenn man ein passendes Konzept hat. Mustajbašic, der seit zwei Jahren einen ähnlichen, kleineren Laden in Hanau betreibt, konnte das ehemalige, lange leerstehende Geschäftshaus der UBS-Bank nutzen. Nebenan ist ein Markt mit Waren aus Westafrika eingezogen.

Der ehemalige Sitz der UBS-Bank in Offenbach stand lange leer.  

„Offenbach ist eine Jugo-Hochburg“ erklärt Mustajbašic, warum er mit dem Markt gerne in die Stadt wollte. Tatsächlich besitzen in Offenbach fast 10 000 Menschen die Staatsangehörigkeit einer der Staaten Ex-Jugoslawiens. Zudem seien in Frankfurt die Mieten zu hoch, sagt er: „Die verlangen da viel Geld für Schrott.“ Doch auch in Offenbach sei die Raumsuche schwierig gewesen, ein halbes Jahr habe er sich umgeschaut – und bei Räumen am Hafen noch nicht einmal eine Antwort bekommen.

Mehr Informationen

Das „Zukunftskonzept“ für die Offenbacher Innenstadt enthält 145 Seiten voller Ideen, die umgesetzt werden können – die aber nicht umgesetzt werden müssen. Mit diesem Link kann das Konzept in Gänze heruntergeladen werden: bit.ly/2XRsa5E.
9875 Menschen aus Offenbach haben die Staatsbürgerschaft eines Nachfolgestaats Jugoslawiens. Zum Vergleich: 5997 haben einen türkischen Pass.

Infos zum Angebot des Supermarktes auf facebook.com/jugoprom. fab

Mustajbašic, der vor zwanzig Jahren mit der Familie aus Bosnien nach Deutschland kam, freut sich besonders darüber, dass der Laden am Platz der Deutschen Einheit liegt – passe es doch irgendwie zu seinem Konzept, Waren aus allen Staaten Ex-Jugoslawiens anzubieten, jenseits von nationalistischen Gedankenmustern.

Dass der Platz im Zuge des Offenbacher „Zukunftskonzepts Innenstadt“ aufgewertet werden soll, freut den Einzelhändler. Die Stadt plant, von hier bis zum Hugenottenplatz ein „grünes Band“ anzulegen. Die genaue Ausgestaltung muss noch geklärt werden. Das Hamburger Planungsteam des „Zukunftskonzepts“ schlägt Hochbeete und Fassadenbegrünungen vor, um einen „urbanen Dschungel“ zu schaffen.

Schon jetzt zeichnet sich der Platz der Deutschen Einheit durch Büsche und Bäume aus – aber auch durch Baustellen und wild parkende Autos. Und neuerdings auch durch temporären, hochpreisigen Wohnraum: Die „City4Living GmbH“ aus Großwallstadt bietet in den fünf ehemaligen Büro-Obergeschossen des umgebauten UBS-Hauses 71 möblierte Mikroapartments an. Die Preise reichen von rund 600 Euro Kaltmiete im Monat für 19 Quadratmeter bis hin zu 470 Euro für 28 Quadratmeter – in der Woche. Auch am anderen Ende des Platzes entsteht neben dem Rathaus Wohnraum. Hier soll es jedoch günstiger werden, verspricht die Baugenossenschaft Protectum, deren Vorstand auch Geschäftsführer der „City4Living GmbH“ ist. Protectum baut bis 2021 das ehemalige IHK-Bürogebäude um. Es seien Wohnungsgrößen zwischen 28 und 168 Quadratmetern geplant, heißt es. Im Erdgeschoss entsteht ein Restaurant. Es gebe schon mehrere Interessenten.

Auf viel Interesse stößt anscheinend auch die Eröffnung des Einkaufszentrums „Rathaus-Plaza“ in der benachbarten Frankfurter Straße – vor der Netto-Filiale dort, die am Dienstag öffnete, bildeten sich lange Schlangen.

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