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Kleinere Staus gibt es am Kaiserlei oft – mit großen Staus rechnen die Planenden im Oktober.

Offenbach

Die Ruhe vor dem nächsten Stau

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Am Offenbacher Kaiserlei laufen die Arbeiten ausnahmsweise nach Plan. Wegen einer geplanten Vollsperrung der Berliner Straße in den Herbstferien ist dann aber mit viel Stau zu rechnen.

Es riecht nach frischem Teer auf der Strahlenbergerstraße am Offenbacher Kaiserlei. Am Freitag stellen auf der künftigen Allee, die an der Frankfurter Stadtgrenze in die Gerbermühlstraße übergeht, ein Dutzend Arbeiter die letzten fehlenden Meter Radweg fertig. Am Wochenende erhalten auch die Autospuren eine Asphaltschicht – und nächste Woche gehen die Bauarbeiten an einem anderen Teil der Straße weiter. 30 LED-Beleuchtungsmasten stehen schon, die Bäume für die Allee kommen im Herbst.

Teurer und länger

Nach etlichen Verzögerungen hatte 2017 der Umbau des Kaiserlei-Kreisels begonnen. Es gab viele Überraschungen. Die positive: Trotz Riesenbaustelle am vielbefahrenen Nadelöhr floss der Verkehr trotz regelmäßiger, kleinerer Staus oft erstaunlich gut.

Weniger erfreulich waren ein zu weicher Untergrund und Altlasten darin, die zu Verzögerungen und Mehrkosten führten. Auch gab es große Nachforderungen eines Generalunternehmers.

Bei Baubeginn war noch die Rede von gut 37 Millionen Euro die Rede gewesen. Im Sommer 2018 wurde das Budget auf 41 Millionen Euro erhöht, Anfang 2020 auf 52,5 Millionen Euro. Die Kosten teilen sich Bund, Land sowie die Städte Offenbach und Frankfurt. Auch Straßenbaubeiträge fallen an.

Statt wie ursprünglich geplant Mitte dieses Jahres soll die Großbaustelle am Kaiserlei nun im Herbst 2021 beendet sein. fab

Die Riesenbaustelle am Kaiserlei strebt Stück für Stück ihrer Vollendung entgegen. Im Herbst 2021 soll alles fertig sein. Dass sich im Vergleich zum Anfang des Jahres weder die Kosten noch die geplante Restbauzeit verändert haben, ist die eigentliche Nachricht an diesem Freitag, als Projektleiterin Kinga Scupin und Bauoberleiter Volker Reith über Offenbachs größte Baustelle seit dem S-Bahn-Bau führen. Denn verzögert hat sich das Projekt – unter anderem wegen Altlasten und einem Leitungswirrwarr im Boden – schon mehrmals. Und die Kosten sind von 37 Millionen Euro (2017) auf jetzt 52,5 Millionen gestiegen.

Die neuen Rampen - die auch Brücken sind - sind fast fertig.

„Wir haben mit annähernd jedem Loch, das wir gegraben haben, Überraschungen erlebt“, erzählt Reith, der den Kaiserlei-Umbau als das anspruchsvollste Projekt in seinen 25 Berufsjahren bezeichnet. So finde man etwa ständig Telekommunikationskabel, deren Betreiberfirma unbekannt ist, da die Leitungen untervermietet werden. „Weitere Überraschungen im Untergrund“ und somit Verzögerungen im Bauablauf könne man also keineswegs ausschließen.

Das wird viele Autopendlerinnen und -pendler beunruhigen, sehen sie sich doch seit Baubeginn 2017 mit wechselnden Verkehrsführungen und immer wieder auch Staus konfrontiert. Derzeit stauen sich Autos, Laster und Busse vor allem auf der Abfahrt von der Autobahnbrücke.

Blick auf die Strahlenbergerstraße.

Die gute Nachricht: Vieles ist schon fertig. Etwa die Buswendeschleife, in der künftig die E-Bus-Flotte geladen wird. Auch die Rampen, die die bisherigen Ausfahrten ersetzen, stehen. Es stehen vor allem noch viele kleinere Baumaßnahmen aus, wie der neue Fuß- und Radweg zur Offenbacher Landstraße hinauf. Außerdem müssen Teile des alten Kreisels zurückgebaut werden.

Der Umbau hat einen besseren Verkehrsfluss zum Ziel, da Nah- und Fernverkehre entzerrt werden. Vor allem aber will die Stadt die bisher ungenutzten Flächen innerhalb des Kreisels vermarkten. Es sind Bürohochhäuser geplant, die der Stadt mehr Gewerbesteuer bescheren sollen.

Doch der nächste große Stau kommt bestimmt – und zwar in den Herbstferien, wenn um den 10. Oktober die neuen Rampen in Betrieb gehen. Die Berliner Straße muss dann voll gesperrt werden. Reith zufolge ist ein „Verkehrschaos“ programmiert.

Letzte Arbeiten am künftigen Radweg an der Strahlenbergerstraße.

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