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Sie fürchten, dass diese Natur verlorengeht: BI-Mitbegründer Peter Janat (li.) und Daniel Wiljotti.

Offenbach

Initiative sieht Biotope zwischen Waldhof und Bieber in Gefahr

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Das Offenbacher Stadtparlament treibt Entwicklung des Baugebiets Waldhof-West gegen lokalen Widerstand voran.

Mit der Sitzung der Offenbacher Stadtverordneten am heutigen Donnerstagabend rückt die Entwicklung des Neubaugebiets Waldhof-West zwischen dem Stadtviertel Waldhof und der Würzburger Straße ein Stück näher: Das Parlament beschließt wohl mit den Stimmen der Koalition die Vertiefung der Planungen auf Basis der prämierten Wettbewerbsarbeit des Düsseldorfer Büros „Rheinflügel Severin“. Grundstücke im künftigen Baugebiet sollen von der Stadt erworben werden. Doch gegen das Vorhaben, das den Bau von 600 Wohnungen und einer Kita umfasst, regt sich vor Ort weiterhin Protest – es scheint sogar, als verhärteten sich die Fronten.

So haben Mitglieder der Bürgerinitiative (BI) „Natürlich Bieber Waldhof“, die das Baugebiet verhindern will, gerade im nahen Stadtteil Bieber Plakate in Geschäften aufgehängt – darauf zu sehen ein Baum, dessen Krone die Erdkugel hält. Wenn man Offenbach weiter zubaue, heißt es bei der BI, treibe man die Erderhitzung weiter an. BI-Mitbegründer Peter Janat bezweifelt gar, dass die Stadt ihre Zusage, einen Großteil der Vegetation im Baugebiet erhalten zu wollen, einhalten werde. „Da bleibt eigentlich nichts stehen“, befürchtet er.

Neubaupläne

Offenbachs Stadtverordnete tagen am heutigen Donnerstag, 10. September, ab 17 Uhr in der Offenbacher Stadthalle, Waldstraße 312 – mit großen Abständen unter Berücksichtigung eines Corona-Hygieneplans.

Bis Anfang 2023 will die Stadt die Grundstücksverhandlungen in Waldhof-West abgeschlossen haben. Danach soll ein Bebauungsplan aufgestellt werden. 2025 könnte dann Baurecht vorliegen, schätzt Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP).

Mehr Informationen zur Initiative, die das Neubaugebiet verhindern will, auf natuerlich-bieber-waldhof.de

Der Entwurf von „Rheinflügel Severin“ sieht entsprechend städtischer Vorgaben vor, nur einen Teil des Planungsbereichs – vor allem Äcker – dicht zu bebauen, um so Biotope wie etwa ein Eichenwäldchen oder Streuobstwiesen zu erhalten. Die bebauten Strukturen sollen von der bestehenden Bebauung Waldhofs aus wie Finger in die Landschaft ragen – mit Grün dazwischen.

Der Bieberer Garten- und Landschaftsbaumeister Daniel Wiljotti, ebenfalls Gründungsmitglied der BI, glaubt aber nicht, dass die Qualität der Biotope erhalten werden könne, wenn man direkt daneben vielstöckig baue. Es blieben nur noch „Fragmente“ übrig, befürchtet der Bieberer. Auf dem Areal befänden sich wertvolle Wiesen, Heidestrukturen sowie Wäldchen mit bis zu 180 Jahre alten Eichen, es gebe dort Grünspechte, Baumläufer und viele Wildbienen. Zudem werde mit Waldhof-West ein Kaltluftentstehungsgebiet zugebaut.

Offenbachs Planungsdezernent Paul-Gerhard Weiß (FDP) bestärkt auf Nachfrage das Ziel, um erhaltenswerte Areale herumzubauen: „Der allergrößte Teil der Gehölze bleibt erhalten“, sagt er. Man müsse angesichts des Wachstums in der Region aber weiteren Wohnraum schaffen – und das versuche man in Waldhof-West auf möglichst umweltschonende Weise. Der heutige Beschluss sieht übrigens die Möglichkeit vor, dass die Stadt für Waldhof-West eine „städtebauliche Entwicklungsmaßnahme“ einleitet – um im Fall von Schwierigkeiten beim Grundstückskauf eine „zügige Wohnbaulandentwicklung“ zu gewährleisten, wie es in der Magistratsvorlage heißt.

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