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Georg Klein im Commons-Café neben einem Windturbinen-Prototyp.

Stadtentwicklung

Hugenottenplatz wird zum Windgarten

  • Fabian Scheuermann
    vonFabian Scheuermann
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Eine Initiative will aus recycelten Materialien hergestellte Turbinen aufstellen und den abweisenden Offenbacher Hugenottenplatz mit Sitzmöbeln und essbaren Pflanzen beleben. Projektname: „Windgarten Hugenotte“.

Der Offenbacher Hugenottenplatz wirkt mit seinen kahlen Kaufhausrückseiten kalt und abweisend. Obwohl er mitten in der Stadt liegt, direkt neben der Haupteinkaufsstraße, will man dort nicht verweilen. Vor allem ist die Fläche, neben der Offenbachs höchster Büroturm emporragt, aber eines: extrem windig. Diese Eigenschaft will sich ein Netzwerk lokaler Initiativen nun zunutze machen und auf dem Platz mit Windkraft Strom produzieren – und dort gleichzeitig die Aufenthaltsqualität steigern.

„Der Hugenottenplatz wird sich noch in diesem Herbst verändern“, macht Georg Klein Hoffnung. Der 49-Jährige sitzt nur wenige Meter vom besagten Platz entfernt im Workshop-Café des Computermuseums „Digital Retro Park“ und deutet auf ein etwa zwei Meter hohes Holzkonstrukt, an dessen Spitze eine alte Fahrradfelge befestigt ist. Dreht er daran, bewegen sich aerodynamisch gebogene Offset-Druckplatten aus Aluminium mit. Eine grüne LED-Lampe leuchtet – Beweis dafür, dass das Ding Strom produziert.

Das Projekt

Die Auftaktveranstaltung für den „Windgarten Hugenotte“ findet am Freitag, 11. September, 17 bis 19 Uhr auf dem Offenbacher Hugenottenplatz statt.

Das Konzept für die vertikalen Windturbinen zum Selberbauen wurde ursprünglich für nicht mit Strom versorgte Regionen in Afrika entwickelt.

Mehrere Initiativen sind an dem Projekt beteiligt. Mehr Informationen auf den Seiten, commonscafe.de, stadtbiotop.tumblr.com und auf fb.com/essbarestadtoffenbach.

Das Land will mit dem Förderprogramm „Ab in die Mitte!“ Projekte zur Vitalisierung von Innenstädten und Ortskernen unterstützen. Informationen: www.abindiemitte-hessen.de.

So wie diese unkonventionelle vertikale Windturbine, die Bastlerinnen und Bastler hier im Workshopcafé mithilfe einer Anleitung aus dem Internet gebaut haben, sollen alle Windmühlen auf dem Hugenottenplatz aussehen. Man könne mit dem produzierten Strom dann vor Ort sein Handy oder Pedelec laden, erklärt Klein. Das Projekt, das unter dem Namen „Windgarten Hugenotte“ vorangetrieben wird, sei ein Beispiel, „wie man dem Klimawandel lokal begegnen kann“.

Zusätzlich zu dem grünen Strom, der auf dem Platz produziert werden soll, ist dort auch eine neue Art der Stadtlandschaft geplant: Rund um die bestehenden weidenblättrigen Birnbäume wollen die beteiligten Initiativen – das Commons-Café und die Gruppen „Stadtbiotop“ und „Essbare Stadt Offenbach“ – hölzerne Hochbeete und Sitzbänke bauen. Essbares Gemüse soll dort wachsen. Beim Bau wolle man Altholz aus dem Stadtwald und große Plastikfässer verwenden, die schon gespendet wurden. „Viele Menschen wünschen sich, dass sich auf dem Platz etwas ändert“, erzählt Klein. Nun gebe es die Chance dazu.

Georg Klein ist gut vernetzt in der Stadt und er sieht das Projekt als Fortsetzung seiner Tätigkeit im „Soziale Plastik e.V.“, mit dem er den Kulturwaggon am Offenbacher Mainufer aufgebaut hat. „Soziale Plastik“, wie sie Joseph Beuys verstanden habe, sagt Klein, bedeute, „dass Menschen ihr soziales Umfeld kreativ gestalten“. Dies könne auch für die Stadtentwicklung gelten.

Realisiert werden kann das Windgarten-Projekt in Absprache mit der Stadt nur, weil das Land Hessen das Vorhaben mit 15 000 Euro aus dem Innenstadtförderprogramm „Ab in die Mitte!“ unterstützt. Auch die Stadt investiert – in geringerem Maße – in das Projekt. Laut Planungsamtsleiter Simon Valerius steuere man einen „mittleren vierstelligen Betrag“ bei – weil das Projekt „perfekt“ zum Zukunftskonzept Innenstadt passe, wie Valerius sagt. Aber die Initiativen, die den Platz zum Windgarten umbauen wollen, brauchen noch mehr Geld, wie Klein sagt. Dieses versuche man nun aufzutreiben.

Das Projekt ist zunächst auf ein Jahr befristet – wenn es gut ankommt, könnte es verlängert werden. Tatsächlich passt das Vorhaben gut zu den im druckfrischen „Zukunftskonzept“ festgelegten städtebaulichen Zielen der lokalen Politik für die Innenstadt: So soll unter anderem ein grünes Band vom Platz der Deutschen Einheit bis zum Hugenottenplatz die City attraktiver machen.

An den Entwürfen für den „Windgarten Hugenotte“ wird schon lange gefeilt.

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